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Das gefährliche Spiel der Swisscom

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Neue Vertrag: UPC will künftig seine Kunden mobil über das Swisscom-Netz telefonieren lassen statt über jenes von Salt.Quelle: Keystone

UPC und Swisscom arbeiten künftig auch im Mobilfunk zusammen. Für den Wettbewerb im Telekommarkt ist das eine gefährliche Konstellation.

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Von Michael Heim
am 14.01.2018

Der Kabelnetzbetreiber UPC hat bekannt gegeben, im Mobilfunk neu mit der Swisscom zu kooperieren. Die frühere Cablecom hat selber keine Antennen und mietet sich daher bei einem der drei Netze ein, um ihren Kunden ein Angebot machen zu können. Bisher war das bei Salt.

In erster Linie ist die Ankündigung denn auch eine schlechte Nachricht für Salt. Sie verliert die rund 100 000 Handy-Kunden von UPC. Laut NZZ bedeutet das 5 bis 8 Prozent weniger Betriebsgewinn. Noch schlechter aber ist die Nachricht für Konkurrentin Sunrise, die ewige Nummer zwei im Schweizer Telekommarkt. Sicher hätte auch sie den UPC-Vertrag gerne gehabt. Ihn nicht zu kriegen, ist für Sunrise eine verpasste Chance.

Doch die schlimmste aller Nachrichten ist, dass die Swisscom den UPC-Vertrag bekommen hat.

Swisscom und UPC stehen im Wettbewerb der Infrastrukturen

Sunrise kämpft schon heute gegen eine übermächtige Swisscom an, die noch immer vom alten PTT-Erbe zehren kann. Etwa beim Festnetzprodukt Fernsehen, wo Sunrise in den letzten Jahren ein respektables Angebot etabliert hat. Möglich war das nur, weil Sunrise Zugang zum Swisscom-Netz erhielt. Über einen mehrjährigen Vertrag, der dieses Jahr neu ausgehandelt werden muss. Und dessen Verhandlungen offenbar harzig verlaufen.

Und das ist das Problem. Zwar hört man immer, im Festnetz herrsche ein «Wettbewerb der Infrastrukturen». Es gibt mehrere Netze, die um Endkunden buhlen. Doch das stimmt eben nur, solange die Swisscom und UPC gegeneinander antreten. In der Vergangenheit war das der Fall. Als Beleg wird gerne der Streit um die Sportrechte aufgeführt. UPC hat die Swisscom bei der Wettbewerbskommission angezeigt, weil sie nicht vollumfänglich an deren Fussballrechte kommt. Die Swisscom hat das gleiche im Fall der Eishockeyrechte getan. Zwei Marktmächtige balgen sich seither vor dem Wettbewerbsrichter.

Entsprechend heikel ist es, wenn sich nun genau diese zwei zusammen ins Bett legen. Vielleicht nicht unbedingt in einer juristischen, aber zumindest in einer volkswirtschaftlichen Betrachtung.

Der Pakt könnte sich politisch rächen; bald werden Gesetze neu geschrieben

Die Kooperation begann im Stillen. UPC nutzt bereits heute das Netz der Swisscom. An Orten wie Riehen BS oder Lausanne VD, wo sie den Zugang zu den lokalen TV-Kabelnetzen verloren hat, mietet sie sich nämlich in die Glasfasernetze des parastaatlichen Telekomkonzerns ein. Wenn diese Partnerschaft nun noch auf andere Gebiete ausgedehnt wird, ist das mehr als nur heikel.

Laut Openaxs, dem Verband der von der Swisscom unabhängigen Glasfasernetze, herrscht nur in 30 Prozent der Schweiz ein echter Wettbewerb auf dem Festnetz. Die restlichen 70 Prozent werden entweder nur von der Swisscom, von einem Kabelnetz oder dem Duopol der beiden kontrolliert. Und Kabelnetz bedeutet in den meisten Fällen UPC.

Die Swisscom müsste wissen, dass es keine gute Idee ist, die Kooperation mit UPC auszubauen. Politisch könnte sich das rächen. Denn dieses Jahr werden in Bern die Telekomgesetze neu geschrieben.

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