Einzig die feingliedrige, rahmenlose Brille erinnert noch an den früheren Marcel Meier. Damals war er Manager in einem mittelgrossen Industriebetrieb. Heute ist Meier «Grill-Sheriff», trägt Jeans und Hemd mit Firmenlogo. Bei besonderen Anlässen kommen ein Gilet mit Sheriff-Stern und ein schwarzer, breitkrempiger Hut dazu. Drei Jahre ist es her, dass Meier Anzug und Krawatte ablegte und seine eigene Firma gründete. Mit der Zielstrebigkeit des einstigen Büromenschen treibt er das Unternehmen voran.

Zehn Niederlassungen sind geplant

Meiers Geschäft boomt. 50 bis 100 Grills verkauft er derzeit monatlich. Seine Grillkurse sind bis Ende Jahr praktisch ausgebucht. Der Umsatz geht gegen 1 Million Franken, seit letztem Jahr schreibt er schwarze Zahlen. Neben dem Hauptsitz in Grüningen ZH gibt es zwei Grill-Sheriff-Filialen. Franchisenehmer haben in diesem und im letzten Jahr Niederlassungen in Nürensdorf ZH und Chur eröffnet. Zehn Filialen sollen es werden, so Meier. So steht es im Businessplan.

Der Mann, der ungezwungen von Geschäftszahlen zu Grillrezepten und wieder zurück wechselt, sagt, er habe schon immer sehr gerne grilliert. Als er vor sieben Jahren einen neuen Grill kaufen wollte, sei er von der Beratung enttäuscht gewesen. Die Verkäuferinnen in den Haushaltsgeschäften und Gartencentern hätten den Eindruck vermittelt, noch nie hinter einem Grill gestanden zu sein. Dies brachte Meier auf die Idee des Grillgeschäfts. Anstatt beim Grossverteiler sollten die Leute ihren Grill in einem spezialisierten Fachgeschäft kaufen.

Anzeige

2011 eröffnete Meier in einer umgebauten Scheune das Hauptgeschäft von Grill-Sheriff. Die Scheune liegt am Rande eines kleinen Weilers etwas ausserhalb von Grüningen, umgeben von grünen Wiesen. Auf der ehemaligen Heubühne hat Meier eine Ausstellung eingerichtet. Von einfachen Feuerschalen über traditionelle Holzkohlegrills bis zum kompletten Grill-Küchensystem ist hier alles zu finden. «Das ist der absolute Klassiker.» Meier steht vor einem runden Holzkohlegrill der amerikanischen Firma Weber. «Diese Kugelgrills gehen auf eine Erfindung des Amerikaners George Stephens zurück, der Anfang der 1950er-Jahre einen Grill aus einer metallenen Schiffsboje herstellte.»

Heute verkaufen sich jedoch Gasgrills am besten. Es gibt Modelle, die in ihrer Grösse der kompletten Küche einer Einzimmerwohnung nahekommen. Zum Sortiment gehören auch die verschiedensten Variationen von Barbecue-Smokern, bei welchen mit heissem Rauch gegart wird. Enthusiastisch wird Meier bei Modellen in Form riesiger grüner Eier, die denn auch «Green Eggs» genannt werden. «Das sind Keramikgrills, die Wärme aufgrund der dicken Keramikwand sehr lange speichern können», erklärt Meier.

Von 800 bis 9000 Franken

Die Grills, die Meier verkauft, kosten zwischen 800 und 3000 Franken. Einzelne Luxusmodelle, etwa komplette Grill-Küchensysteme, sind bis zu 9000 Franken teuer. «Meine Kunden schauen nicht primär auf den Preis», meint Meier. Zu seiner Zielgruppe gehörten denn auch in erster Linie Personen über 35, oftmals mit Einfamilienhaus. Auf diese Zielgruppe sei der Standort des Hauptsitzes ausgerichtet. «Nahe an der Goldküste und mitten im Zürcher Oberland, umgeben von vielen Einfamilienhäusern», erläutert Meier, der selbst in der Region wohnt.

Neben dem Verkauf von Grills bietet Meier Kurse an. Da gibt es den Basiskurs, Smokerkurse, Keramikgrillkurse, vegetarische Grillkurse oder solche mit Fokus auf Fisch. Drei Angestellte beschäftigt er mittlerweile, einer von ihnen ist ausgebildeter Koch. Dazu kommen je zwei Personen in den Filialen Nürensdorf und Chur. Für die Zukunft hat Meier noch ein paar weitere Kursideen auf Lager. Er will Seminare durchführen zu Themen wie: «Wie zerlege ich einen Rinderrücken?» oder «Grillieren mit Zigarren und Whisky».

Anzeige

«Den wichtigsten Rat, den ich den Leuten in den Kursen gebe, ist, nicht zu heiss zu grillieren», sagt Meier. Das sei einer der verbreitetsten Fehler. Auch von übermariniertem Fleisch hält er nichts. Stattdessen rät er dazu, vielseitig zu grillieren. Er selbst mag Spargeln vom Grill am liebsten.

Die Lust am Grillieren ist ihm noch nicht vergangen. Zu Hause hat er sechs Grills, grilliert jedoch vornehmlich im Winter: «Dann habe ich Zeit, um neue Rezepte auszuprobieren», sagt Meier. Das sei der Teil der Arbeit, der ihm am besten gefalle.

Es gibt ohnehin nur etwas, das Meier an seiner neuen Aufgabe hie und da stört: «Dass es mit dem Aufbau der Firma nicht noch schneller vorwärtsgeht.» Immer wieder gebe es entweder finanzielle oder zeitliche Einschränkungen, die man akzeptieren müsse. Das sei schade, vor allem wenn man wie er ganz genau wisse, wo man hinwolle. «Man kann mich vielleicht schon als ungeduldigen Menschen bezeichnen», sagt Marcel Meier und ist für einen Moment wieder ganz der typische Manager. Das hält ihn aber nicht davon ab, seine Spareribs mindestens sechs Stunden garen zu lassen.

Anzeige