KRIMINALITÄT . Eine von KPMG Forensic in diesem Frühjahr durchgeführte Studie über das Profil des Wirtschaftskriminellen zeigt, dass die Täter zum Zeitpunkt widerrechtlicher Bereicherung in der Regel seit sechs oder mehr Jahren im Unternehmen angestellt waren. Oft begingen sie erst dann Delikte, wenn sie feststellten, dass es ein Leichtes war, Geld in die eigene Tasche umzuleiten, weil vielfach grundlegende Kontrollmechanismen fehlten oder untauglich waren.

Unternehmen brauchen ein effektives Deliktsrisikomanagement, um sich vor finanziellen Schäden und vor Reputationsrisiken zu schützen. Um Deliktsprävention müssen sich Unternehmen frühzeitig kümmern, nicht erst, wenn sie Opfer beispielsweise eines Betrugs oder einer Veruntreuung geworden sind.

Effektive Deliktsprävention

Ausgangspunkt einer effektiven Deliktsprävention sind die Unternehmensethik und -kultur, die in Verhaltensrichtlinien, Leitbildern und Weisungen zum Ausdruck kommen. Allerdings genügt es nicht, diese Richtlinien zu verfassen – sie müssen auch kommuniziert und von allen Mitarbeitenden verstanden und akzeptiert werden, damit sie in der Organisation wirken. Ein Kernpunkt der Deliktsprävention bildet die strukturierte Erfassung der unternehmenseigenen Deliktsrisiken. Dadurch lassen sich Lücken im Kontrollsystem erkennen und mit griffigen Massnahmen ausbessern. Gleichzeitig ist das Kontrollumfeld entsprechend anzupassen. Die Erkenntnisse aus einer Deliktsrisikoanalyse dienen als Grundlage für die gezielte Schulung und Sensibilisierung der Mitarbeitenden.

Warnsignale ernst nehmen

Nicht jedes Wirtschaftsdelikt lässt sich mit diesen präventiven Massnahmen verhindern. Eine ausreichende kriminelle Energie vorausgesetzt, kann ein Täter in jedem Unternehmen Schaden anrichten, zumindest während eines gewissen Zeitraums. Allerdings lässt sich dieser Schaden mit effektiven internen Kontrollen erheblich eindämmen. Warnungen von Mitarbeitenden, Kunden oder Lieferanten müssen ernst genommen werden, weil die meisten Fälle erst durch Hinweise solcher Dritter entdeckt werden. Solche Aufdeckungssysteme (Whistleblowing) werden ganz unterschiedlich ausgestaltet. Die Aufdeckung von Wirtschaftsdelikten ist schwierig. Wirtschaftsprüfer und forensische IT-Spezialisten entwickeln in gemeinsamer Arbeit Techniken und Werkzeuge, welche es ermöglichen, Unregelmässigkeiten schnell aufzudecken. Wirtschaftsdelikte zeichnen sich dadurch aus, dass sie üblicherweise mit Verschleierungshandlungen verbunden sind; dennoch bleiben fast immer Spuren zurück. Häufig finden sich Frühwarnindikatoren (Red Flags) oder Auffälligkeiten in den Datenbeständen des Unternehmens. Zur Aufbereitung der internen Datenbestände setzen Forensiker analytische Prüfsoftware ein, deren Ergebnisse Wirtschaftsprüfer und Fachleute auswerten.Oft ist die Aufdeckung krimineller Handlungen mit grossen Emotionen und persönlichen Enttäuschungen verbunden. Trotzdem gilt es, Ruhe zu bewahren und keine überstürzten Handlungen vorzunehmen. Wird ein Delikt aufgedeckt, ist schnelles, korrektes Handeln sowie die professionelle interne und externe Kommunikation zentral. So früh wie möglich gilt es, Beweismittel sicherzustellen und dem Betroffenen den Zugang zu Arbeitsplatz und Daten zu verwehren, damit keine wertvollen Informationsquellen verloren gehen oder gar vernichtet werden. Rasch stellt sich die für den weiteren Verlauf entscheidende Frage: Sollen die Strafrechtsbehörden sofort eingeschaltet werden oder nicht? Im Falle einer Anzeige muss ein konkreter dringender Tatverdacht vorliegen. Entscheidet man sich von Beginn weg für eine Anzeige, beginnt die Polizei zu ermitteln. Oft wollen sich Unternehmungen die negative Publicity und die damit verbundenen Reputationsschäden ersparen und beauftragen interne oder unabhängige Fachleute und Forensiker, den Hergang und Umfang des Schadens abzuklären und die nötigen Beweise zu sichern. Damit kann ein Unternehmen den Prozess der Untersuchung selber steuern. Je nach Ausmass des Delikts ist es in einer zweiten Phase angezeigt, proaktiv vorzugehen, die Behörden einzuschalten und mit konsequentem Verhalten negativen Medienberichten vorzugreifen.

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