Die Verhandlungen der Schweiz mit Deutschland und Grossbritannien über die Einführung einer Abgeltungssteuer werden nicht nur von direkt betroffenen Schweizer Finanzinstituten aufmerksam mitverfolgt, die auf beträchtlichen unversteuerten ausländischen Kundengeldern sitzen. Grosses Interesse an einem Abkommen bekunden auch finanziell potente Private-Banking-Anbieter, die seit langem nach Übernahmeobjekten Ausschau halten.

Vor fünf Jahren nämlich, als die Aktienmärkte boomten und noch niemand vor einer drohenden Finanzkrise warnte, mussten für die Übernahme von Vermögensverwaltern und Privatbanken Fantasiepreise von bis zu 5 Prozent der verwalteten Gelder bezahlt werden. Heute bieten Käufer nur noch ein halbes bis 1 Prozent, heisst es in Consultant-Kreisen, und zu solchen Preisen wolle niemand veräussern.

Ausschlaggebend für den Preiszerfall ist nicht allein die Finanzkrise. Der Druck aufs Bankgeheimnis liess den Wert ausländischer Kundenvermögen für einen Käufer rapide sinken, denn das Risiko ist gross, dass ausländische Kunden ihre Gelder abziehen. Mit einer Abgeltungssteuer dagegen bestehen nun Spielregeln, die den Abwanderungseffekt ausländischer Kunden eindämmen und auch abschätzbar machen.

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Das wieder erwachte Übernahmeinteresse könnte sich vor allem auf mittlere Privatbanken mit 10 bis 30 Milliarden Franken Assets under Management richten. Ab 10 Milliarden könne es sich zwar eine Privatbank leisten, Filialen im Ausland aufzubauen und Kunden auch in ihrem Heimatland vor Ort zu bedienen, heisst es bei PricewaterhouseCoopers. Doch damit geraten solche Anbieter in Konkurrenz mit wirklich globalen Grossbanken. Gleichzeitig sind diese mittleren Institute zu gross, um sich wie kleine Privatbanken auf Nischen zu fokussieren. Sei es «altmodische» Vermögensverwaltung ohne komplexe Hedgefonds und strukturierte Produkte. Oder sei es Nachhaltigkeit wie im Fall der neuen Globalance Bank von Öko-Pionier Reto Ringger (Seite 39).

Die Abgeltungssteuer fördert nicht nur die Konsolidierung unter mittelgrossen Privatbanken. Indem Schweizer Banken im grenzüberschreitenden Geschäft zur konsequenten Weissgeldstrategie übergehen und steuerkonforme Beratung für jeden Auslandskunden anbieten müssen, steigt der Betreuungsaufwand stark an. Diverse Anbieter ziehen es da vor, sich wieder verstärkt auf den Schweizer Heimmarkt auszurichten. Das widerspiegelt sich in diversen neu eröffneten inländischen Filialen von Privatbanken.

Der Schweizer Anleger darf sich freuen: Er wird wieder stärker hofiert.