TETRA PAK . Eine neue Studie des Heidelberger Instituts für Energie und Umweltforschung belegt es: Im Vergleich zu Einwegflaschen aus dem Kunststoff PET verursachen Getränkekartons rund dreimal weniger CO2 und verbrauchen zwei- bis dreimal weniger fossile Energie. Solche Meldungen freuen den europäischen Marktführer für Getränkeverpackungen aus Karton. Tetra Pak, 1951 in Schweden von Ruben Rausing gegründet, ist heute in 165 Ländern aktiv und setzte 2005 mit über 20000 Mitarbeitenden über 12 Mrd Fr. um. Aktuellere Zahlen gibt es vom Unternehmen, das bis heute im Privatbesitz der Familie Rausing steht, keine.

Vor 50 Jahren hatte Ruben Rausing in der Schweiz eine der ersten Tetra-Pak-Auslandsfilialen eingerichtet. Im Jahr 1955 hatte Tetra Pak zusammen mit der damaligen Molkerei Ursina Konolfingen das UHT-Verfahren entwickelt. Die Schweiz ist seither ein Pioniermarkt für den Verpackungskonzern geblieben. Jüngstes Beispiel ist die von Tetra Pak Schweiz entwickelte Tetra-Top-Kartonflasche mit Drehverschluss. Sie wurde Mitte dieses Jahres mit der Buttermilch von Emmi auf den internationalen Märkten lanciert. Tetra Pak Schweiz beschäftigt heute in Kloten und Romont FR rund 150 Mitarbeitende. Der Konzernhauptsitz wurde 1980 ebenfalls in die Schweiz, nach Pully VD, verlegt.Auch in Umweltfragen ist Tetra Pak Schweiz eine der führenden Ländergesellschaften. «Das Holz, aus dem die Kartonverpackungen für den hiesigen Markt hergestellt werden, stammt ausschliesslich aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern in Skandinavien», sagt Josef Meyer, Geschäftsleitungsmitglied von Tetra Pak Schweiz. Ferner habe man das Gewicht des Verpackungsmaterials hierzulande in der Vergangenheit laufend reduzieren können. Meyer: «Heute macht die Verpackung bei 1 l Milch noch 30 g oder 3% des Gesamtgewichts aus.»

Der 50. Geburtstag ist der letzte

Die weitere Marktentwicklung von Tetra Pak sowie den Mitbewerbern SIG Combibloc und Elopak – die zusammen 80% des Weltmarkts in der Branche abdecken – hängt auch davon ab, wie sich die Kartonverpackungshersteller im Öko-Wettbewerb mit Konkurrenz-Produkten behaupten. Um den aktuellen Vorsprung gegenüber Glas und PET mindestens zu halten, hat Tetra Pak 2006 eine Kooperation mit dem WWF Schweden lanciert und diesem zugesichert, die CO2-Emissionen in den weltweiten Werken innerhalb von fünf Jahren um 10% zu senken. Um auch auf die Herausforderungen des Marktes zu reagieren, führt die Konzernleitung die Ländergesellschaften Schweiz und Deutschland 2008 zusammen. Der 50. Geburtstag von Tetra Pak Schweiz ist also der letzte. Auch unter der neuen Gesellschaft Tetra Pak Deutschland-Schweiz werden ab 2008 die beiden Standorte in Romont und Kloten im gleichen Rahmen weiterbetrieben.

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Bettina Fleisch, CEO der Säntis J. Göldi AG in Rüthi SG, einer Herstellerin von Kunststoff-Verpackungen mit 100 Mitarbeitenden, muss mit ansehen, wie der markant steigende Ölpreis ihren Betrieb schädigt. Säntis verarbeitet Kunststoffe zu Gebinden, Flaschen, Bechern und anderen Verpackungen und liefert sie an in- und ausländische Kunden. Der Rekordpreis von zurzeit über 95 Fr. pro Fass Öl, welches die wichtigste Komponente zur Herstellung der Kunststoffe ist, drückt gewaltig auf die Erfolgsrechnung. «Zusammen mit der Erstarkung des Euro führt dies bei uns zu enormen Verteuerungen, die wir den Kunden nur in Etappen weitergeben können», klagt Fleisch.

Der hohe Ölpreis wirkt sichfür den Kunststoffbetrieb gleich mehrfach und auf der gesamten Wertschöpfungskette negativ aus: Von der Herstellung über die Verarbeitung bis zum Transport. Die auf Erdöl basierenden Rohstoffe sind in den letzten drei Jahren um rund ein Drittel teurer geworden. Fachleute erwarten, dass der weltweite Bedarf im nächsten Vierteljahrhundert von aktuell 90 Mio Fass pro Tag auf gegen 150 Mio Fass klettern dürfte.Keine Aussichten, die auf eine baldige Beruhigung der Situation in der Kunststoffbranche hindeuten. Bestätigt wird diese Tendenz auch vom Schweizerischen Verpackungsinstitut (SVI), dem Verband für die Verpackungsbranche. «Während die Aluminium-, Glas- sowie Kartonverarbeiter von den hohen Erdölpreisen weitgehend unbeschadet bleiben, trifft es vor allem die Kunststoffverarbeiter», sagt SVI-Vizepräsident Markus Tavernier.Diese machen sich über die gegenwärtige Entwicklung zunehmend Sorgen. Der Kunststoffverband Schweiz (KVS) hat in diesem Jahr durch die Fachhochschule St. Gallen eine Studie erarbeiten lassen, welche die Einflüsse auf die Rohstoffpreisentwicklung in der Kunststoffbranche untersucht. Die Studie kommt zum Schluss, dass sich die verarbeitende Industrie durch vorgängige Tariffestsetzungen für eine bestimmte Menge Öl (Hedging) künftig vor den negativen Folgen des Preisanstiegs am wirkungsvollsten schützen kann.Im Moment scheint diese Massnahme aber noch nicht für alle Anbieter zu greifen, wie das Beispiel der Ostchweizer Kunststoff-Verarbeiterin Säntis zeigt. «Wir erhalten für unsere Rohmaterialien stets Monatspreise», sagt CEO Bettina Fleisch. Mit «etwas Akrobatik» könne sie die Preise deshalb im besten Fall für maximal zwei Monate festlegen.