Es sind nun erste Massnahmen getroffen, um das Geschäft mit Fonds und alternativen Anlagen zu stärken. Sind Sie zufrieden?

Gérard Fischer: Im Bezug auf Private Equity und Hedge-Fonds ist dies eine gute Lösung. Wenn Sie die Abschaffung des «Swiss Finish» ansprechen, dann bewirkt die Massnahme für sich allein noch nicht, dass zusätzliches Geschäft hierher kommt.

Wie realistisch ist denn das Ziel, bis 2015 das Wachstum in der Vermögensverwaltung zu verdoppeln?

Fischer: Das Potenzial ist vorhanden, im Bereich der Retail-Fonds jährlich um 6% zu wachsen. Das käme bis 2015 einer Verdoppelung der Wertschöpfung gleich. Im Bereich Hedge-Fonds liegen sogar 20% Wachstum pro Jahr drin. Viel hängt davon ab, ob die zusätzlichen Massnahmen rechtzeitig ergriffen werden.

An welche Massnahmen denken Sie konkret?

Fischer: Um die Chancen etwa im Fondsgeschäft zu steigern, benötigen wir unter anderem ein vereinfachtes Melde- und Bewilligungsverfahrens für neue Fonds sowie die Ausweitung des Anlegerkreises für Einanlegerfonds im institutionellen Bereich. Für das Meldeverfahren bräuchte es Gesetzesänderungen. Dies alles möglichst rasch, denn das Geschäft wartet ja nicht auf uns!

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Warum ist ein neues Meldeverfahren so wichtig?

Fischer: Schon nur, um mit den strukturierten Produkten gleichzuziehen, die kein solches Verfahren durchlaufen müssen. Mit einem neuen Meldeverfahren könnte ein Fonds-Emittent sofort loslegen, ohne auf die Aufsicht zu warten.

Immerhin, die Eidgenössische Bankenkommission will auf den «Swiss Finish» bei der Prüfung von Fonds verzichten. Opfert sie damit nicht Qualität der Quantität?

Fischer: Nur, wenn die Anleger überzeugt wären, dass der «Swiss Finish» ein besseres Produkt garantiert. Die meisten Anleger kennen die Sonderanforderungen aber gar nicht, und faktisch haben diese mit Sicherheit nichts zu tun.

Wenn die Abschaffung den Anlegern nicht schadet ? was bringt sie ihnen denn?

Fischer: Vereinfachung bedeutet tiefere Kosten und mehr Produkte am Markt. Der Anleger hat eine grössere Auswahl zu tieferen Preisen. Gerade für Privatanleger werden die Vorteile aber kaum unmittelbar spürbar sein.

Aber wenn das Anlegerpublikum kaum betroffen ist: Wie stehen die Chancen, Mehrheiten für Gesetzesänderungen zu finden?

Fischer: Das Parlament hat sich mit dem Beschluss zum neuen KAG für die Wettbewerbsfähigkeit des Finanzplatzes ausgesprochen. Die nun in Angriff genommenen Massnahmen sind eine konsequente Fortsetzung dieser Politik.