Wie viele Menschen müssen zusammenkommen, damit die Wahrscheinlichkeit auf über 50 Prozent steigt, dass zwei am gleichen Tag Geburtstag haben? Grand-Casino-Baden-Chef Detlef Brose hat ein Faible für Zahlenspiele. Freilich kennt er auch die Antwort: «Schon ab 21 Personen.» Die «Handelszeitung» traf den Hobbymathematiker zum Glücksspiel im Stammhaus in Baden. Über den Roulette-Tisch gebeugt und die Jetons in der Hand, erzählt der Casino-Boss vom schweren Stand seiner Branche und den grossen Plänen des Grand Casino Baden.

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Im Inland schaut es für das grösste Casino der Schweiz derzeit gar nicht rosig aus. Der Bruttospielertrag (Einsätze minus Auszahlungen) befindet sich seit Jahren im Sinkflug. Innert drei Jahren ist dieser auf 70 Millionen Franken gesunken – minus ein Drittel. Der Konzerngewinn je Aktie ist um 52 Prozent eingebrochen. Und die inländische Konkurrenz durch das neue benachbarte Casino Zürich hat die Badener einigen Umsatz gekostet. Brose hofft für 2014, wenigstens beim Bruttospielertrag auf Vorjahresniveau abzuschliessen.

Die Gruppe spiegelt den Trend der ganzen Branche wider, die nicht weiss, wie sie hierzulande noch wachsen und Geld verdienen soll. Die regulatorischen Bedingungen findet Brose im Ländervergleich sehr streng, die Spielbankenabgabe mit 50 Prozent sehr hoch, und die Konkurrenz aus dem Ausland, insbesondere im Internet und ohne Konzession, halte sich nicht an die hiesigen Spielregeln.

Bewerbung für neue Casino-Projekte

Eben deshalb werden die umliegenden Märkte Deutschland und Österreich für Schweizer Casinobetreiber immer interessanter. Am Hauptsitz der Badener laufen die Fäden des eigenen internationalen Geschäfts zusammen. Konzessionszuschlag in Wien, bevorstehende Ausschreibungen in Deutschland und möglicherweise auch in Liechtenstein, ein neues Geldspielgesetz in der Schweiz mit Optionen auf ein boomendes Online-Geschäft – die Stadtcasino-Baden-Gruppe hat vorausschauend einige Projekte im Inland wie im Ausland laufen und nimmt dafür heute schon viele Millionen in die Hand. «Wir sind in der Akquisitionsphase und sprechen bereits mit möglichen Internetpartnern für das Grand Casino Baden», sagt Brose. Beim sogenannten Lebendspiel ist der finanzstarke Spielautomatenriese Gauselmann aus Deutschland für die internationale Expansion mit an Bord.

Am deutschen Markt könnte die Kooperation mit Gauselmann-Casino-Chef Brose bald sehr zugutekommen. Beide Unternehmen halten zusammen eine Konzession für zwei Standorte im deutschen Sachsen-Anhalt. «Magdeburg befindet sich in der Planung, in Leuna wird noch in diesem Jahr eröffnet», sagt Brose. Die Konzessionsvergabe für die Standorte Konstanz, Baden-Baden und Stuttgart prüft das Grand Casino Baden derzeit. Das Innenministerium von Baden-Württemberg sichtet die Unterlagen sämtlicher potenzieller Konzessionsbewerber für alle drei Standorte. «Bereits in einigen Wochen könnten wir die Interessenten zur Vervollständigung ihrer Eingaben auffordern», bestätigt ein Sprecher des Innenministeriums. Die Zuschlagskriterien sind «Zuverlässigkeit, Fachkunde und Leistungsfähigkeit», wie etwa ausreichende Finanzmittel.

Rechtsentscheide erwartet

An diesen dürfte es mit Gauselmann nicht fehlen. Das Unternehmen machte 2013 mehr als 1 Milliarde Euro Umsatz. Also warum nicht gleich nach einer Konzession in der deutschen Hauptstadt greifen? In Berlin werden noch 2014 ein bis zwei Casino-Lizenzen ausgeschrieben, wie die Berliner Senatsverwaltung bestätigt. Der Betrieb ist für 2016 geplant. Die Ausschreibung wird europaweit erfolgen. «Wir werden die Ausschreibung detailliert prüfen», sagt Brose.

Dem nicht genug, steht noch eine weitere Konzession zur Debatte. Die Stadtcasino-Gruppe hatte in Vaduz mit ihrer Beteiligung an einem 100-Millionen-Franken-Projekt bereits 2012 den Zuschlag erhalten. Doch die Casino Admiral AG, eine Tochter des österreichischen Automatenkonzerns Novomatic, bekämpfte den Entscheid. Der Konzern beklagte sich über den Vergabeprozess mit Verweis auf die europäischen Rechtsvorschriften. Das Projekt in Liechtenstein sieht neben einem Hotel eine Spielbank, zwei Restaurants, eine dreistöckige Tiefgarage und einen Wellnessbereich vor. Seit zwei Jahren steht das Projekt wegen der Einsprache still. Der Staatsgerichtshof in Liechtenstein richtete deshalb fünf Fragen an den Efta-Gerichtshof, wie in den strittigen Punkten am besten zu entscheiden wäre. Die Antwort des Efta-Gerichtshofs wird für morgen Freitag erwartet. In der Branche rechnet man mit einer 70-prozentigen Wahrscheinlichkeit, dass der Entscheid zu einer Neuausschreibung führen wird. Das Amt für Volkswirtschaft will das derzeit weder bestätigen noch dementieren.

Für die Stadtcasino-Gruppe würde das eine neue Chance bedeuten. Allerdings könnten Konkurrenten wie die Casinos Austria versuchen, der Gruppe das Leben schwer zu machen, und sich an einer neuen Ausschreibung beteiligen.

Die Österreicher sind auf das deutsch-schweizerische Konsortium ohnehin nicht gut zu sprechen. Seitdem die Schweizer in Wien den Zuschlag für einen Casino-Betrieb erhielten, schäumen die Casinos Austria vor Wut. Sie rekurrierten gegen die Verfügung des Finanzministeriums in Wien. Brose rechnet deshalb nicht vor Ende 2015 mit der Eröffnung.

Locker aus dem Handgelenk wirft der gelernte Croupier Brose einen Jeton auf den Tischfilz und widmet sich wieder dem Spiel: «Französische Jetons hatten früher einfach die besseren Flugeigenschaften.»