Gemäss den neusten Schätzungen des Forschungsinstituts BAK Basel Economics dürften die Einnahmen der Schweizer Bergbahnen im laufenden Jahr noch um 1% ansteigen. Die Krise wird laut Prognose erst 2010 so richtig durchschlagen, mit einem erwarteten Rückgang der Verkehrserträge um 8,5% (siehe Grafik rechts). Die Betreiber der touristischen Transportunternehmen geben sich für dieses Jahr zumindest noch gelassen.

Bergbahnen hoffen auf China

«Wenn der Rest der Welt verrückt geworden ist, heisst das noch lange nicht, dass wir ins gleiche Horn blasen», erklärt Rainer Flaig, CEO der Lenzerheide Bergbahnen. Er hat leicht reden, denn die Sommermonate sind für bloss 5% seines Jahresgeschäftes verantwortlich. «Zwei gute Wochenenden im Winter, und wir haben ein Sommerloch wieder kompensiert.»

Entscheidender ist das laufende Halbjahr für die Jungfraubahnen, bei denen dieses 60% des Umsatzes ausmacht. Die ersten Zahlen stimmen CEO Urs Kessler noch zuversichtlich: «Die Frequenzen hielten sich bisher im Rahmen des Vorjahres.» Um den weiterhin erwarteten Ansturm an Spitzentagen meistern zu können, hat er gar eine ungewöhnliche Massnahme getroffen. Kessler hat die Zahl der Besucher auf täglich maximal 5000 beschränkt. «Wie oft es zu diesem Ansturm kommt, wird davon abhängen, ob sich die Hysterie wegen der Schweinegrippe, deren Auswirkungen schwierig einzuschätzen sind, wieder legt.»

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Gegen die Krise kämpft Kessler mit verstärktem Marketing, und zwar in sämtlichen Herkunftsländern der Sommergäste. «Wir verhalten uns bewusst antizyklisch, um mittelfristig umso besser positioniert zu sein», betont Kessler. Auch bei den Titlisbahnen, deren Einnahmen zu 40% vom Sommer abhängen, ist CFO Giann Theler weiterhin optimistisch. «Bis anhin liegen wir im Sommergeschäft auf Vorjahresniveau, im Juni sogar mit 3% leicht im Plus», erklärt er.

Entscheidend sind nun allerdings die Reiseveranstalter im Fernen Osten. Besonders viele Titlis-Touristen stammen aus China und Indien, aus den beiden einzigen grossen Volkswirtschaften also, die nicht voll in der Rezession stecken. Bislang sind die Besucherzahlen aus diesen Ländern zwar stabil, trotzdem gibt es für Theler ein grosses Fragezeichen. «Wenn China, wie man hört, die Schweinegrippe verstärkt als Risiko einstuft, dann könnten unsere Einnahmen ohne weiteres um 10 bis 15% absacken», befürchtet er.

Auch die Titlisbahnen geben bewusst Gegensteuer, um nicht in ein Sommerloch zu stürzen. «Wir bearbeiten verstärkt den Schweizer und den deutschen Markt», so Theler. Zudem verfolge man die Strategie, jährlich mit Innovationen aufzuwarten. So sollen auf dem Trübsee künftig Boote verkehren, und das Berghotel wird für 7,5 Mio Fr. renoviert. Das kann sich die mit einem Umsatz von 44 Mio Fr. siebtgrösste Bergbahn der Schweiz dank einer Cashflow-Quote von 28% auch in unsicheren Zeiten leisten.

Gut gebettet sind auch die Pilatusbahnen, die gar 80% ihres Umsatzes von 22 Mio Fr. im Sommer generieren und in Bezug auf die Investitionen als rentabelste Bergbahn überhaupt gelten. «Wir hoffen, dass wir gegenüber den vorangegangenen beiden Rekordjahren nur wenig einbüssen werden», sagt CFO Godi Koch. Der Erfolg werde nun wesentlich von der Wettersituation abhängen. Er erwartet eine gewisse Verlagerung vom Auslandmarkt zu mehr Schweizer Gästen, die am Pilatus gut die Hälfte der Besucher ausmachen. Entsprechend wurde das Marketingbudget erhöht, und es wurden in der Schweiz neue Kampagnen gestartet. Frischen Wind verspricht sich Koch zudem von diversen Events wie etwa einem Kinder-Openair oder den Sunset-Dinners.

Schifffahrt fehlen Extratouren

Deutlichere Spuren hinterlässt die Wirtschaftskrise bei einzelnen Schifffahrtsbetrieben. «Beim Geschäftstourismus mit den Extrafahrten verspüren wir eine gewisse Zurückhaltung, die sich im Laufe des Jahres noch verstärken dürfte», meint Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV). Bislang auf Kurs, nicht zuletzt dank dem sonnigen Frühling, ist die SGV hingegen bei den Tagestouristen.

«Eine Einschätzung der weiteren Saison ist aber schwierig, da der Verlauf mindestens so stark vom Wetter abhängig ist wie von der Konjunktur», gibt Schulthess zu bedenken. Um dem prognostizierten Einbruch zu bekämpfen, hat er das Marketingbudget um 20% aufgestockt und zahlreiche Angebote kreiert, von Dampfersinfonien bis zu kulinarischen Spezialfahrten. Zudem verkehrt neuerdings als besondere Attraktion ein Katamaran auf dem Gewässer.

Durchzogen ist die Bilanz 2009 bis jetzt bei der Zürichsee Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Einem Plus von 7% mehr Kursfahrtenpassagieren steht ein Minus bei den Extrafahrten um 25% gegenüber. «Das ist sicherlich auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen. Viele Firmen haben ihre geplanten Schiffsmieten storniert, langjährige Stammkunden fragen gar nicht erst mehr an», stellt Sprecherin Evelyne Schlund fest. Ein weiterer Grund für den Einbruch sind die wegen der EM 2008 überdurchschnittlichen Vorjahresmonate Mai und Juni. Sowieso war 2008 mit 1,765 Mio Passagieren ein Rekordjahr. Auch die ZSG hat versucht, dem Nachfrageeinbruch bei den Extrafahrten mit einem Mailing an die potenziellen Kunden entgegenzuwirken. Ob trotz Krise die Passagierzahlen, wie Schlund hofft, 2009 gehalten werden können, wird aber das Wetter entscheiden.