In Nordamerika lässt sich mit Swissness ein gutes Geschäft machen. Besonders Taschen und Rucksäcke mit einem Schweizerkreuz verkauften sich wie warme Brötchen, schreibt die Informationsplattform «Swissinfo.ch». Die Gepäckstücke versprechen Praxistauglichkeit und Robustheit. Besonders unter Studenten und Geschäftsleuten seien sie schwer angesagt.

Und tatsächlich, wer in die USA oder nach Kanada reist, dem dürfte das Schweizerkreuz auf Gepäckstücken bestimmt schon aufgefallen sein. In der Schweiz hingegen sind sie kaum bekannt. Der Grund: Die meisten Hersteller haben überhaupt keinen Bezug zur Schweiz.

Einen solchen hat zumindest die Marktführerin Swiss Gear – die Marke ist im rechtlichen Besitz von Wenger, die wiederum Victorinox gehört. Werbung macht Wenger dafür aber in der Schweiz nicht. Auch kaufen kann man die in China hergestellten Rucksäcke hierzulande nicht.

Keine Lieferung in die Schweiz

Laut Webseite liefert Swiss Gear nur nach Nordamerika, Mexiko, Indien, Russland und China. Die beiden lizenzierten Händler Group III International und Holiday Group haben ihren Sitz in den USA und Kanada. Dort verteidigt die hierzulande diskrete Wenger-Tochter den Markt aber vehement. So zerrte Swiss Gear Ende 2017 einen aus Kanada stammenden Konkurrenten namens Swiss Travel vor ein kanadisches Bundesgericht – weil deren Logo zu ähnlich sei.

Jüngst drängen immer mehr Konkurrenten auf den Markt. Sie heissen Alpine Swiss (Franchise in Kalifornien), Swissbrand (Panama) oder Swisswin (Australien und Brasilien). Und sie funktionieren nach dem jeweils gleichen Muster: ein Schweizer Kreuz auf in Asien hergestellten Gepäckstücken, die an angelsächsische Kundschaft verkauft werden.

Swisswin_Shop

Taschen und Rucksäcke mit dem Schweizerkreuz sind im angelsächsischen Raum ein Verkaufsschlager.

Quelle: Screenshot

Das Problem mit der Swissness-Regel

Wird da nicht die Swissness-Regel verletzt? Sie besagt, dass mindestens 60 Prozent der Kosten für ein solches Produkt in der Schweiz generiert werden und der wichtigste Herstellungsschritt in der Schweiz stattgefunden haben muss. Grundsätzlich «sind die Verwendung des Begriffs 'Swiss' und des Schweizer Wappens nur in Verbindung mit tatsächlich aus der Schweiz stammenden Produkten erlaubt», sagt David Stärkle, Jurist beim Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum, zu «Swissinfo.ch».

Für die in Asien hergestellten Schweiz-Rucksäcke trifft das also nicht zu. Das Problem: Im Ausland greift die Swissness-Regel kaum. Stärkle: «Was die Nutzung des Namens 'Swiss' auf Produkten betrifft, hat die Schweiz keinerlei Abkommen mit den USA oder mit Kanada abgeschlossen. Deshalb gilt in dieser Frage deren nationales Recht.» Die Behörden in diesen Ländern seien viel eher bemüht, ihre eigenen Labels wie Made in USA oder Made in Canada zu schützen.