Die mit grossen Investitionen verbundene Digitalisierung der Kinos in der Schweiz hat nicht zu einem grösseren Kinosterben geführt - wohl auch dank der finanziellen Unterstützung durch die öffentliche Hand. Und die Betreiber glauben an die Zukunft des Kinos: Zahlreiche neue Säle entstehen in nächster Zeit.

Für das Kinopublikum verlief die Umstellung weitgehend unbemerkt. Ein Blick in die Projektionskabinen zeigt aber: Es rattert nicht mehr - wie in den letzten 100 Jahren - ein 35-Millimeter-Celluloid-Film durch einen Projektor, sondern ein High-Tech-Beamer wirft die auf einem Computer gespeicherten Bilder auf die Leinwand.

Die Einführung der modernen Projektionstechnik sei hauptsächlich in den letzten drei Jahren erfolgt, sagt René Gerber, Geschäftsführer des Kino- und Filmverleih-Verbandes ProCinema.

514 Kinosäle sind laut Gerber in der Schweiz bereits digital umgerüstet. Das sind etwa 94 Prozent. Auf 270 Leinwänden können auch 3-D-Filme gezeigt werden. Die 3-D-Technik sei denn auch ein Antriebsmotor für die relativ rasche Umstellung gewesen, sagt Gerber. Denn diese erlaube es den Betreibern auch, leicht erhöhte Ticketpreise zu verlangen.

Anzeige

Neue Kinosäle auch auf dem Land

Möglicherweise werde noch der eine oder andere der 30 Kinosäle, die noch nicht umgerüstet wurden, in nächster Zeit geschlossen. Seit Anfang Jahr werden nämlich keine aktuellen Filme mehr im herkömmlichen 35-Millimeter-Format angeboten.

Aber es entstehen laut Gerber auch im ganzen Land neue Spielstätten. Nicht nur in Zürich, wo bereits heute die Kinodichte im europäischen Vergleich der Grossstädte sehr hoch ist, sind mehrere neue Kinos in Planung. Es gebe auch Neubauprojekte mit mehreren Kinosälen in Orten wie Thun BE oder Schöftland AG, weiss der ProCinema-Geschäftsleiter.

Bund unterstützt Umrüstung von 160 Kinosälen

Die Erstausrüstung eines Kinosaals mit digitaler Technik kostet laut Gerber 80'000 bis 100'000 Franken. Dass diese Investitionen in allen Regionen der Schweiz - in städtischen wie ländlichen Gebieten - getätigt wurden, sei ein Beweis für die Zuversicht in der Branche.

Für die Umrüstung von etwa 160 Sälen hat der Bund Beiträge zugesagt. «Ohne die breite Unterstützung durch die öffentliche Hand wäre die 'digitale Revolution' nicht so spurlos an der Schweiz vorbeigegangen», ist Laurent Steiert vom Bundesamt für Kultur überzeugt. Um die kulturelle Vielfalt zu erhalten, hätten auch vielerorts Kantone, Städte und Gemeinden Gelder zur Verfügung gestellt.

Steiert sieht das Förderprogramm des Bundesamtes für Kultur nicht in erster Linie als «Kinorettungsaktion». Vielmehr würden jene Kinos unterstützt, die seit Jahren einen wichtigen Beitrag zur Angebotsvielfalt leisteten. Es werde also Geld bezahlt für die kulturelle Leistung der Kinos.

Ausschlaggebend für die Bundesbeiträge war vor allem eine vielfältige Programmgestaltung in den letzten drei Jahren vor der Umstellung. Kinobetreiber, die nicht hauptsächlich US-Blockbuster zeigen, sondern Filme aus verschiedensten Herkunftsländern, erhielten bis zur Hälfte der Investitionen vom Bund vergütet.

Anzeige

Berechnet wurden die Beiträge nach einem komplizierten Schlüssel, ausbezahlt werden sie verteilt über fünf Jahre. Das Geld kommt aus einem - vorübergehend deutlich aufgestockten - Subventionstopf, aus dem bereits früher die Angebotsvielfalt von Kinos honoriert wurde.

(rcv/aho/sda)