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Cleantech
Das grosse Reinemachen bei der Klimatechnik

Liefern Energie, wenn die Sonne scheint: Solarpanels bei Meyer Burger.Keystone

Schweizer Betriebe haben in den vergangenen Jahrzehnten Pionierarbeit geleistet. Jetzt wird das Know-how in die Welt getragen.

Von Bernhard Fischer
am 10.12.2015

Ein sattes Waldgrün erleuchtet dieser Tage den Eiffelturm und wird so zum Wahrzeichen für den weltweiten Umweltschutz. In Paris findet bis zum 11. Dezember die 21. UN-Klimakonferenz statt. Auf dem Programm stehen die Reduktion von CO2-Emissionen, Abfallmanagement, sauberes Wasser und die Folgen der Klimaerwärmung. Das ist eine Sternstunde für die Schweizer Cleantech-Industrie, die auf Effizienz und Ressourcenschonung getrimmt ist.

Die Branche ist hierzulande ein Multimillardenbusiness. Rund 530 000 Menschen arbeiten in diesem Bereich. Fast 50 Milliarden Franken erwirtschaften Schweizer Cleantech-Unternehmen, für mehr als 40 Milliarden Franken exportieren diese ressourceneffiziente Technologien und Maschinen in die Welt. Der Anteil an der Schweizer Gesamtwirtschaft beträgt 8 Prozent. Mehr als 5 Prozent aller Exporte entfallen auf Cleantech-Produkte. Die Schweiz ist in Sachen Klimaschutz zu einem internationalen Big Player geworden. Ziel ist es, diese Position im Exportgeschäft weiter auszubauen.

Zwischen Wachstum und Klimaschutz

Der Weg zum Umweltpionier war steinig. So wie viele Schwellen- und Entwicklungsländer heute - von Indien über China bis Gabun - machte auch die Schweiz eine Zeit durch, in der die Gewässer verschmutzt und die Luft unrein waren. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts legte die Schweiz ein Wirtschaftswachstum hin, das bis heute in Europa seinesgleichen sucht. Dies allerdings auf Kosten der Umwelt. Mit dem Ölpreisschock, einer beträchtlichen Luftverschmutzung und Schweizer Flüssen, welche nicht mehr trinkwasser- oder badetauglich waren, mussten seit den 1960er-Jahren Lösungen gefunden werden, die Umweltwerte zu verbessern und dabei den Industriemotor nicht ins Stocken zu bringen.

Gefragt waren ressourcenschonende und effiziente Maschinen und Technologien. Die Ambitionen wurden institutionell verankert im Bundesamt für Umweltschutz, die Luftreinehalteverordnung wurde verabschiedet. Den Begriff Cleantech gab es vor 40 Jahren noch nicht. Auch heute ist dieser Begriff nicht eindeutig fassbar. Provokant gesagt: "Die Cleantech-Branche gibt es so eigentlich gar nicht. Cleantech ist ein Qualitätsmerkmal für ressourceneffizientere und umweltschonendere Schweizer Produkte und Dienstleistungen", sagt Patrick Hofer-Noser, Chef von Cleantech Switzerland. 2011 hat der Bund den Begriff Cleantech in seine Agenda aufgenommen und einen "Masterplan" geschaffen. Mit der Absicht, Forschung und Wirtschaft in diesem Industriezweig explizit zu fördern.

Klimawandel Die Erde wird immer wärmer. Diesen Dezember diskutiert die Welt in Paris, wie sie den Temperaturanstieg bremsen will. Es ist die wichtigste Konferenz seit 2009. Was dort beschlossen wird, trifft auch die Wirtschaft: Für sie ist der Klimawandel ein Risiko und eine Chance zugleich. Welche Folgen sich für Schweizer Firmen ergeben, beleuchtet die «Handelszeitung» in einer siebenteiligen Serie.
Teil 1: Der Klimawandel als Chance für die Schweizer Wirtschaft
Teil 2: Pflanzen-Stress: Apps gegen den Klimawandel
Teil 3: Klimarisiken: Wenn es Geld statt Wunschwetter gibt
Teil 4: «Sommerfrisch»: Sanftes Klima als Standortvorteil
Teil 5: Das grosse Reinemachen bei der Klimatechnik
Teil 6: Energie aus neuen Quellen
Teil 7: Die Schlüsselrolle der Banken
 

Globale Anbieter im Vorteil

Das ist auch notwendig. Denn die Schweiz profitiert zwar von ihren Erfahrungen in den letzten Jahrzehnten, das Industrie-Know-how ist heute weltweit gefragt. Doch die internationale Konkurrenz schläft nicht. Deutsche, chinesische und amerikanische Unternehmen bieten mittlerweile ebenfalls ausgefeilte Umwelttechnologien an. Rühmte sich die Schweiz bislang ihrer liberalen Wirtschaftspolitik, so drohen förderbedürftige Wirtschaftszweige wie die Cleantech-Industrie auf der Strecke zu bleiben, wenn die Politik ihnen keine Rutsche legt - sei es finanziell oder organisatorisch.

China zum Beispiel gibt staatliche Fördergelder für diese Branche mit vollen Händen aus. Ohne entsprechende Massnahmen droht Schwei zer KMU aufgrund der erstarkenden Konkurrenz ein Waterloo, sollten diese keine Hilfe erfahren. "Länder ohne aktive Unterstützung für die Industrie haben hier einfach keine Chance", sagt Philipp Müller, Sektionsleiter Cleantech im Bundesamt für Energie. Grosse Anbieter wie ABB und Alstom hingegen sind so global aufgestellt, dass sie es bedeutend einfacher haben, im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Deshalb hat sich der Bundesrat zum Ziel gesetzt, Forschungsgelder leichter zugäglich zu machen und die Kantone zu Steuererleichterungen für Cleantech-Betriebe zu motivieren.

Diplomatie für die Industrie

Auch im Ausland versucht die Schweiz, guten Wind für ihre Cleantech-Industrie zu machen. Erst im Oktober reiste Bundesrätin Doris Leuthard nach Chile. In Santiago unterzeichnete sie zwei Abkommen für eine vertiefte Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Chile bei Energie und Umwelt. Südamerika, Europa und Asien mit China und Indien gehören zu den Märkten mit dem grössten Potenzial für die Schweizer Cleantech-Branche.

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