Was hat Tamedia mit dem Auktionshaus Ricardo vor?
Christoph Brand*: Ricardo hat eine gute Position als Marktplatz für Endkunden. Allerdings wird das Consumer-to-Consumer-Geschäft nicht dramatisch weiterwachsen.

Wie bitte? Und dafür bezahlen Sie 240 Millionen Franken?
Der Preis geht in Ordnung. Auf Ricardo werden täglich 20'000 Produkte verkauft. Da ist ein nachhaltiger Wert vorhanden. Die grosse Wachstumsstory steckt aber im Business-to-Consumer- und im Klein­anzeigengeschäft, den Classifieds.

Dort kauft sich Tamedia mit der Ricardo-Marke OLX Konkurrenz zur hauseigenen Plattform Tutti.ch ein, die Tamedia nun auch vollständig übernommen hat. Verschwindet OLX?
Eine Dualstrategie zu fahren, macht keinen Sinn. Abgesehen davon ist OLX eine globale Marke. Die Marke wird verschwinden. Zudem gibt es im Classified-Bereich einen starken Wett­bewerb mit Anibis von Ringier oder internationalen Mobil­playern. Die Eintrittsbarrieren sind gering. Wir müssen uns auch mit Playern auseinandersetzen, die unter dem Radar der Öffentlichkeit liegen.

Im Herbst lancierte Ricardo mit Ricardoshops.ch eine ­Onlineshopping-Plattform. Wie passt dies in Ihre Strategie?
Wir sehen in diesem Geschäft grosses Potenzial. Der E-Commerce-Markt in der Schweiz ist ein Paradox: Wir haben eine ­flächendeckende Penetration von Smartphones und Internet­zugängen, doch das E-Commerce-Volumen ist im Vergleich zu anderen Märkten viel zu tief. Je nach Studie liegt der Anteil erst bei vier Prozent des Schweizer Detailhandels. Das Potenzial liegt laut Untersuchungen aber ein Vielfaches höher.

Sie wollen gegen sämtliche Schweizer Onlineshops antreten?
Alle E-Commerce-Plattformen sind natürliche Konkurrenten. Dazu gesellen sich internationale Player wie Amazon. Wir haben nun einen Marktplatz, den man weiterentwickeln kann.

Wo soll es hingehen?
Es gibt massenhaft KMUs, die es sich nicht leisten können, einen eigenen E-Commerce-Shop aufzubauen und diesen zu bewerben. Hier kann Ricardo helfen.

Das Digitalgeschäft steuert rund 23 Prozent zum Umsatz und 27 Prozent zum Betriebsgewinn (Ebitda) bei. Was ist Ihr Ziel?
Wir haben das Ziel, dass wir gut die Hälfte des Betriebsgewinns in zwei bis drei Jahren aus dem Digitalgeschäft generieren.

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*Christoph Brand (45) ist seit ­Ok­tober 2012 ­Mitglied der Unternehmens­leitung des ­Verlagshauses ­Tamedia und ­leitet den Bereich Digital. Der Berner war zwischen 2006 und 2010 CEO des Telekomkonzerns Sunrise. Zuvor führte er die Swiss­com-Tochter Bluewin und war Stra­tegie­chef der ­Swisscom.