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«Blockchain ist nicht immer die am besten geeignete Lösung»

Torsten Zube
Torsten Zube, Head of Blockchain, SAPQuelle: HZ

Interview mit: Torsten Zube, Head of Blockchain, SAP

Von Eckhard Baschek
am 02.02.2018

Blockchain ist nicht zuletzt wegen Bitcoin in aller Munde. Wie steht SAP zu dem Thema?
Torsten Zube: Blockchain hat grosses Potenzial, das weit über Bitcoin hinausgeht. Das zeigen unsere Erfahrungen in vielen Branchen und Geschäftsbereichen. Blockchain ist überall dort interessant, wo mehrere Parteien eine verbindliche Wahrheit benötigen, diese aber nicht von einer Instanz kontrolliert werden soll oder kann. Ein spannender Use Case betrifft das Transportgütermanagement, wo sichere, vertrauenswürdige und papierlose Lieferscheine und Frachtbriefe Transaktionen zwischen Geschäftspartnern vollständig digitalisieren und vereinfachen. Andere vielversprechende Anwendungsbereiche sehen wir im Bereich Produktnachverfolgbarkeit und Plagiate, im Management technischer Anlagen oder in der Fertigung.

Was sind weitere mögliche Anwendungsfelder für Blockchain im Enterprise-Umfeld?
Ein besonders interessantes Thema ist die Speicherung und Bereitstellung vertrauenswürdiger digitaler Zertifikate. Das können Zeugnisse, Ausweise oder Patientenakten sein. Hier kann Blockchain-Technologie Authentizität garantieren, während sie Personen trotzdem die volle Kontrolle über ihre Daten ermöglicht. Auch in der öffentlichen Verwaltung könnte Blockchain einen Paradigmenwechsel anstossen. Mit der Autonomen Provinz Bozen, Südtirol, haben wir ein Projekt realisiert, das den bürokratischen Aufwand bei Verwaltungsdienstleistungen wesentlich verschlankt. Die Implementierung von Blockchain geht nicht selten einher mit der Transformation bestehender Datenmodelle. Mittelfristig sehen wir in Blockchain das Potenzial, ganze Geschäftsprozesse zu revolutionieren.

Revolution? Das hört man derzeit sehr häufig im Kontext mit Blockchain. Wie viel Hype ist dabei?
Eine gehörige Portion. Unsere bisherigen Use Cases beweisen, dass Blockchain echten Mehrwert liefern kann. Aber: Blockchain ist kein Allheilmittel. Bei unserem Ansatz ist Co-Innovation mit Kunden und Partnern einer der wichtigsten Eckpfeiler, um Anwendungsfälle zu identifizieren und die Technologie weiterzuentwickeln. Dabei hören wir ganz genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden. Doch erst, wenn es Sinn macht, einen Prozess umzugestalten, überlegen wir, wie wir das technisch umsetzen können und ob Blockchain die am besten geeignete Lösung ist.

Inwiefern bietet SAP Ihren Kunden bei Blockchain eine Rundum-Sorglos-Lösung?
Bei SAP gehen wir das Thema Blockchain strategisch aus drei Richtungen an: Erstens, wir bauen Blockchain-Technologien sukzessive in bestehende Produkte ein – überall dort, wo es einen Mehrwert verspricht. Zweitens, wir planen völlig neue, ohne Blockchain nicht umsetzbare Lösungen. Und drittens: Wir werden unseren Kunden den SAP Cloud Platform Blockchain Service anbieten. Dieser wird es ihnen ermöglichen, ihre individuellen Prozesse mit dieser Technologie sehr schnell und einfach umzusetzen.

Sehen Sie am Horizont bereits klare Standardisierungen, auf die man in Zukunft wird zählen können?
Der Kunde soll grösstmögliche Freiheit haben, wie und in welchem Masse er auf Blockchain setzt. Daher sind wir neben unserer Premium Membership beim Konsortium Hyperledger Mitglied weiterer Blockchain-Projekte. Wir arbeiten derzeit mit Multichain und Hyperledger Fabric, weitere Protokolle werden folgen. Unser Anspruch ist es, bei den Technologien möglichst breit aufgestellt zu sein, um unseren Kunden die maximale Flexibilität für die Umsetzung ihrer Projekte zu bieten.

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