Der jährlich im Juni in Lausanne stattfindende Kongress Orchestrating Winning Performance (OWP) ist in der Agenda eines jeden Studenten und Ehemaligen des IMD schon lange zuvor mit Rotstift fest markiert. 2010 waren 450 Personen aus der ganzen Welt dabei - erstmals auch das iPad. Statt des früher bis zu 3 Kilogramm schweren Dossiers erhielt jeder Teilnehmer leihweise ein rund 700 Gramm schweres iPad, auf dem Programm, Videos und Referate gespeichert waren. Für Bettina Büchel, Professorin für Strategy and Organization am IMD, war der Einsatz des elektronischen Lehrmittels ein Erfolg, gar eine Revolution. «Unser Ziel war, den Anlass papierlos zu dokumentieren und damit unseren Beitrag zur Umwelt zu leisten.»

Zuvor testete das IMD Geräte verschiedener Hersteller, «aber keines hatte alle Funktionalitäten, die wir haben wollten», sagt Büchel. Zudem liess das IMD eine Applikation entwickeln, die mit dem internen System des IMD verbunden ist, sodass jeder Gast sein eigenes konfiguriertes Gerät bekam. Die App machte es möglich, dass man Bemerkungen auf dem Dokument machen und danach auch zum Niederschreiben nutzen konnte. Büchel hatte damit gerechnet, dass viele Teilnehmer noch Ausdrucke machen würden. Dafür hatte das IMD 10 Prozent der Drucker reserviert - doch zur Überraschung aller war das Angebot kaum gefragt. Und das Erlernte nach der Rückgabe des iPad nicht verloren, weil man sämtliche Daten mittels Login online herunterladen kann.

Es werden schon Apps entwickelt

Auch an der HSG in St. Gallen macht das iPad Schule: Seit letztem September benutzen ausgewählte MBA-Studenten das Gerät in Vorlesungen für Gruppenarbeiten, um Projekte und Präsentationen zu erarbeiten. Die Teilnehmer im Versuchsbetrieb sollen dem MBA-Programm helfen, neue Wege in der Entwicklung von Lehrmaterial aufzuzeigen. Laut Alexander Jungmeister, Vizedirektor der Executive School of Management, Technology and Law (ES-HSG), wird auch noch eine weitere neue Technologie im Rahmen des Competence Center für Entrepreneurial Management eingesetzt. Hier werden mit sogenannten semantischen Modellen Lernstoffe visualisiert. Man kann sie dank einer Software interaktiv erlebbar machen: Die Schnittstellen zwischen Fächern und Disziplinen werden sichtbar. Ausserdem hat die HSG für das Diplomprogramm Technologie-Unternehmer eine iPhone App entwickelt, die im App Store gratis heruntergeladen werden kann. Benutzer erhalten so die Möglichkeit, sich interaktiv von einem beliebigen Punkt auf der Erde auf alle Räumlichkeiten des Executive Campus lotsen zu lassen, und können sich auch an den Community-Plattformen der Henri B. Meier Unternehmerschule beteiligen.

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Andere Anbieter warten noch ab

An der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) rückt Mobile Learning mit Geräten wie Smartphones oder Tablet PC ebenfalls langsam in den Fokus. Christoph Pimmer vom Learning Lab der FHNW sieht die Entwicklung auch für Unternehmen positiv. Daher zeigt die kommende Swiss eLearning Conference 2011 die steigende Bedeutung des Themenfeldes auf, denn drei der neun angekündigten Branchenbeispiele befassen sich mit mobilem Lernen. Das Learning Lab untersucht, welchen Nutzen dieser Trend in der Aus- und Weiterbildung bringen könnte.

Noch kein Thema ist das iPad an der Universität Zürich, so Mandy Schiefner vom Bereich Lehre - Hochschuldidaktik. Da es fast täglich neue Angebote gibt, deren Anschaffung grosse finanzielle Ausgaben beanspruchen und deren Sicherheit noch nicht gewährleistet ist, will die Universität Zürich erst einmal abwarten.

Am Lorange Institute of Business Zurich in Horgen macht sich Marketing-chef Matthias Mayer hingegen Gedanken über die vielen neuen Technologien. «Bis heute ist mir das iPad zu limitiert. Ich warte noch auf einen Tablet PC mit besseren Funktionen. Vielleicht hat die Konkurrenz ja auch preiswertere, attraktivere Modelle.» Darüber hinaus gibt Mayer zu bedenken: «Da bis heute im Seminarbereich meistens noch Frontalunterricht die Norm ist und diese Form die Möglichkeiten eines iPad nicht ausschöpft, müssten auch die Professoren mitziehen. Ob das dann wirklich einen Mehrwert bringt oder eine Spielerei bleibt, müsste man erproben.»