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«Das ist gefährlich»

Im Interview warnt Swisscom-Chef Carsten Schloter vor einer Trennung von Netz und Diensten. Er wirft Konkurrentin Sunrise vor, nicht in die eigene Infrastruktur investieren zu wollen.

Von Michael Kuhn
am 11.01.2008

Sunrise-Chef Christoph Brand fordert eine Neuaufteilung der Swisscom. So soll es eine Netzgesellschaft geben, die für alle Telekomanbieter die Kabelanlagen baut und zur Verfügung stellt. Was halten Sie davon?

Schloter: Das Bemühen der Sunrise ist so offensichtlich. Weil sie nicht investieren wollen, möchte sie Swisscom enteignen. Und dass man darauf reinfällt und der Sunrise und damit der dänischen Telekom die Infrastruktur der Swisscom schenkt, das kann ich mir nicht vorstellen. Der Infrastrukturwettbewerb mit den Kabelnetzbetreibern hat die Schweiz dahin gebracht, wo sie heute steht, sprich an die Spitze der Infrastrukturversorgung in der Welt.

Für Sie ist der Infrastrukturwettbewerb also ein Muss?

Schloter: Es ist wichtig, dass ein Wettbewerb auf den eingesetzten Technologien stattfindet. Nur so kann eine nachhaltige Zukunft gestaltet werden. Mit einer Netzgesellschaft fehlt dieser Wettbewerb. Dann entscheidet jemand an einem Schreibtisch, welche Technologie in der Schweiz für die nächsten 10 Jahre gebaut wird. Und wenn es die falsche ist? Dann hat die Schweiz ein grosses Problem. Das ist komplett der falsche Ansatz. Unsinnig ist, Schächte und Leitungskanäle mehrfach zu bauen. Hier ist es sinnvoll, zusammenzuarbeiten. Hierfür benötigt die Branche aber keine politische Regulierung. Dieses Problem können wir selbst lösen. Die Schächte und Kanäle sollen nur einmal erstellt werden. Innerhalb dieser Infrastruktur sollen politisch aber möglichst viele Anreize geschaffen werden, damit auf der Technologieseite unterschiedliche Wege der Anbieter gefahren werden.

Offensichtlich gibt es schon eine politische Minderheit, die sich für diesen Weg einsetzt.

Schloter: Das ist gefährlich. Hier werden zwei Dinge vermischt, nämlich eine mögliche Privatisierung und die langfristige Überlegung, wie man die richtigen Infrastrukturanreize für die Schweiz schafft.

Eine reale Gefahr?

Schloter: Ich sehe vor allem die Bemühungen der Sunrise. Ich kann nur hoffen, dass darauf nicht zu viele hereinfallen. Die Menschen, die heute dafür plädieren, haben noch vor wenigen Jahren bei der Regulierung die gegenteilige Meinung vertreten, als sie an der Spitze der Swisscom waren. Diese Menschen sind nicht glaubwürdig.

Aber auch der Chef ihrer italienischen Tochtergesellschaft Fastweb fordert eine Art Netzgesellschaft des staatlichen Monopolisten.

Schloter: In Italien fehlt im Gegensatz zur Schweiz der Infrastrukturwettbewerb durch die Kabelnetzbetreiber. Darüber hinaus wird in Italien nicht über eine strukturelle Separierung gesprochen sondern über eine funktionale Trennung. Damit würde das Netz nach wie vor der Telecom Italia gehören. Nur wäre es rechtlich so organisiert, dass eine Gleichbehandlung aller Anbieter gewährleistet ist.

Eine funktionelle Trennung wäre also eine Option für die Swisscom?

Schloter: Nein. Eine solche ist rückwärts gewandt und funktioniert nur in einer Welt, die statisch ist. Zum Beispiel bei Kupfer. Hier kann man klar definieren, an welchem Punkt man trennt, zwischen dem Zugangsnetz und dem Rest (Mehrwertdienste und Core-Netz). Auf Glasfaser dagegen sind diese Punkte nicht mehr zu definieren.

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