Bevor Sie publizistischer Leiter von Radio SRF 3 wurden, arbeiteten Sie bei Radio 24. Wie interpretieren sie den Verzicht des Senders auf Live-Inhalte am Abend?
Pascal Scherrer: Mit Mitgefühl. Ich bin betroffen. Denn die jüngste Nachricht ist schlecht für das Medium und die Branche Radio als Ganzes. Leider sind unsere privaten Mitbewerber offensichtlich nicht in der Lage, so viel Geld zu erwirtschaften, dass sich die aufwändige Programmierung von Radio-Randstunden rechtfertigen liesse.

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Die Maxime «Musik, Musik und nochmals Musik» soll offenbar über allem stehen – sehen Sie dies bei SRF 3 auch so?
Wir glauben wie unsere privaten Mitbewerber auch an «Musik, Musik, Musik». Aber nicht alleine. Wir punkten bei unseren Hörerinnen und Hörern zu fast jeder Tages- und Nachtzeit mit substanziellen Inhalten. Dies ist personal- und kostenintensiv. Weil wir auf unseren Sendern keine Werbung schalten, können wir uns diese Leistungen nur dank dem Finanzierungsmodell über Gebühren leisten.

Bei Radio 24 wird nach Jahrzehnten auch die Sportberichterstattung aufgegeben. Dabei hatte ein Moderator wie Walter Scheibli Kultstatus.
Radiomachen mit anspruchsvollem Inhalt, relevanten Nachrichten und gescheiten Moderatorinnen und Moderatoren kostet Geld. Das ist die Kostenseite. Die Marktseite: Die Abendstunden sind längst nicht mehr Radiozeit. Das Hörverhalten änderte sich in den letzten 15 Jahren brutal. Darum kann ich es nachvollziehen was Radio 24 macht. Auch wenn es mir für Walti sehr leid tut.

Davon profitiert SRF 3.
Jaja, des einen Leid… Aber ich denke nicht in diesen Kategorien. Vielmehr habe ich genug Respekt vor der schwierigen Situation der privaten Mitbewerber. Jubeln wäre nicht angebracht und stillos.

Bei Radio 1 schafft es Roger Schawinski aber mit Sendungen wie «Roger gegen Roger» und «Doppelpunkt» publizistische Marken zu setzen.
Ich habe grosse Achtung davor, wie ihm das gelingt. Ich glaube, dass wir beim Medium Radio noch viel stärker auf unverkennbare Marken setzen müssen. Das können Moderatoren sein, Inhalte mit Alleinstellungsmerkmal oder aber grosse Programmprojekte. Auch sehr wichtig sind der Aufbau von starken Communities übers Web und die sozialen Medien. Gerade im Online-Bereich stelle ich fest, dass gute Ideen manchmal mehr Wert sind als üppige Budgets.