IPO.

Noch im Sommer bezeichneten Kapitalmarktexperten das «Börsenfenster als derzeit weit offen». Mittlerweile aber hat die Stimmung gedreht. Die Krise am amerikanischen Subprime-Hypothekenmarkt hängt wie ein Damoklesschwert über den Akteuren. Prompt haben einige Unternehmen, die unmittelbar vor einem Initial Public Offering (IPO) standen, die konkreten Pläne auf unbestimmte Zeit verschoben. Bereits vor zwei Jahren hat die Zürcher Generalunternehmung Karl Steiner den Börsengang als eine Option in Aussicht gestellt. Kurz vor Jahresschluss hat das Steering Committee aber vorderhand auf diesen Schritt verzichtet, «weil die Börse derzeit zu volatil ist», wie sich Claude Sulser von der Karl Steiner AG ausdrückt.

Schaukelbörsen

Die Schaukelbörsen haben auch andere Kandidaten zurückgebunden. Das Going Public der Beteiligungsgesellschaft HBM Bioventures war im laufenden Jahr geplant, aber bereits vor Monatsfrist erklärte der CEO Andreas Wicki: «Dieser Schritt muss bei einem guten Marktumfeld stattfinden.» Mit anderen Worten, derzeit sind die Voraussetzungen für ein IPO keineswegs ideal. Dabei waren die jüngsten Börsengänge von U-Blox und Uster Technologies teilweise erfolgreich. Bei U-Blox schnellte der Aktienpreis von 51 Fr. am Ausgabetag auf über das doppelte hoch. Zwar wurden die Titel im raueren Börsenklima danach zurückgestuft, aber sie notieren immer noch deutlich über dem Emissionspreis. Anders sieht es bei Uster Technologies aus, wo der Emissionspreis von 52 Fr. im Zuge der Börsenturbulenzen unterschritten wurde. Die Kapitalmarktexperten geben sich trotz dem jüngsten Dämpfer bei den IPOs optimistisch. Nach dem Rekordjahr 2006 mit Börsengangen im Gesamtwert von rund 250 Mrd Dollar weltweit wird im laufenden Jahr mit einem ähnlich hohen Volumen gerechnet. Die Globalisierung sorgt dabei für ein sprunghaft gestiegenes Emissionsvolumen speziell in den Emerging Markets wie China, Russland, Indien und Brasilien. Vom Boom wurden auch die europäischen Märkte getrieben. Zudem ist die Emissionstätigkeit in den USA wegen der schärferen Regulierung durch den Sarbanes-Oxley Act etwas erlahmt. Die strengeren Vorschriften der Börsenaufsicht haben viele internationale Konzerne nachhaltig abgeschreckt, eine Zweitkotierung in Übersee anzustreben. Stattdessen wird im angloamerikanischen Raum nun London favorisiert. Für das nächste Jahr zeichnen sich in einem stabilisierten Aktienmarkt erneut hohe IPO-Aktivitäten ab. Die Portfolios der Private-Equity Firmen sind reichlich mit Börsenkandidaten bestückt. Mit der Kreditklemme sind diese Gesellschaften am Kapitalmarkt anderweitig absorbiert worden. «Ein Blick auf die weltweit gut gefüllten IPO-Pipelines zeigt auch für 2008 eine breite Palette von grossen Unternehmen, die für den Börsengang bereit sind», sagt Stephan Haagmans vom Wirtschaftsprüfer Ernst & Young.In der Schweiz ist ebenfalls Bewegung in den IPO-Markt gekommen. Die vorerst gestoppten Börsengänge von Steiner und HBM Bioventures bleiben für 2008 weiterhin ernsthafte Kandidaten. Das gilt vor allem für den Sektor Biotechnologie. In diesen Kreis gehören die Zuger Amvac und die Basler Mondobiotech. Beide Unternehmen liessen durchblicken, dass sie ein Going Public in der 1. Hälfte 2008 ins Auge fassen. Die Bio-Boutique Amvac stellt Impfstoffe her und hat zuvor auch den Gang an die Berner Börse erwogen. Zur Kandidatenliste für die nächsten zwölf Monate zählen auch die Baselbieter Nitec ebenso wie das italienische Biotechunternehmen Molmed.

Viele Kandidaten

Ausserhalb der Biotechnologie gibt es weitere Firmen, die sich für 2008 mit einem IPO befassen. Dazu gehört die Telekommunikationsfirma VTX und der Immobilienspezialist Espace Real Estate. Etwas weniger verbindlich sind die Börsenpläne von Pilatus Aircraft, wo zu einem früheren Zeitpunkt von einem Going Public im 1. oder 2. Quartal 2008 die Rede war. Ebenfalls als Börsenkandidat wird die Elektroinstallationsfirma Burkhalter gehandelt, allerdings ohne konkreten Zeitplan. Für ein IPO ist auch Avaloq prädestiniert. CEO Francisco Fernandez sieht diesen Schritt allerdings frühestens in zwei bis drei Jahren.

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