Zwischen Ende 1996 und Mitte 2007 schlugen wertorientierte Anlagen den Weltaktienindex MSCI in Franken gerechnet um gut 30%. Wachstumsorientierte Titel hingegen schnitten um mehr als 30% schlechter ab als der Index (siehe Grafik). Seither schlägt das Stilpendel wieder zugunsten von Growth aus: Nach einer gut siebenjähri- gen Bereinigungsphase scheinen wachstumsorientierte Aktien vergleichsweise günstig bewertet zu sein und über entsprechendes Aufholpotenzial zu verfügen.

Schätzungen des Vermögensverwalters Blackrock per Ende November 2007 belegen rein rechnerisch diese These: Demnach weisen Wachstumsaktien weltweit ein durchschnittliches Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 16,6 auf (basierend auf Gewinnschätzungen für 2007). Das 12-Jahres-Mittel liegt rund ein Drittel höher, nämlich bei 22,1. Wertorientierte Titel sind mit 15,5 nur scheinbar günstiger bewertet als wachstumsorientierte. Wegen der geringeren Dynamik liegt auch ihr langjähriges KGV-Mittel mit 17,4 tiefer. Die Bewertungslücke beträgt also lediglich 12%.

Umsichtige Wahl

Als besonders preiswert werden nicht etwa kleine, sondern grosse Unternehmen mit hoher Kapitalisierung eingestuft, die seit der letzten grossen Börsenkorrektur nach der Jahrtausendwende stark vernachlässigt wurden. Dies trifft vor allem auf den Technologie- und Pharmabereich zu. Die Bewertungen von tiefkapitalisierten Valoren, die in der letzten Growth-Mania den Ton angaben, liegen demgegenüber in fast allen Märkten über ihrem langjährigen Durchschnitt. Doch spezialisierte Stockpicker finden auch im sogenannten Small-Cap-Segment immer wieder Trouvaillen. Für weniger versierte Anleger lohnt es sich auf jeden Fall, sich bei volatilen und vergleichsweise riskanten Growth-Anlagen auf breit diversifizierte Aktienfonds zu stützen, die Portfoliostruktur, Titelwahl und Risikomanagement professionell betreiben. Bei der Aktienselektion legen wachstumsorientierte Fondsmanager Wert auf nachhaltiges Wachstum. Es geht nicht um die kurzfristige Steigerung der Umsätze, denn eine solche könnte trügerisch sein. So analysieren Fondsmanager die in Frage kommenden Unternehmen nicht nur aufgrund von Kennzahlen, sondern auch in Bezug auf ihr Wettbewerbsumfeld, ihren Marktzutritt oder die Einzigartigkeit ihrer Produkte.Die Anleger ihrerseits sollten bei der Wahl von Wachstumsfonds klären, ob sich der Fondsmanager auch im schwierigen Value-Umfeld der vergangenen Jahre gut geschlagen hat. Erzielte er gegenüber einer relevanten Growth-Benchmark eine überzeugende Performance? Schneidet der Fonds im Vergleich mit ähnlichen Produkten gut ab? Handelt es sich um ausgewiesene und glaubwürdige Growth-Manager? Ist das Portfolio genügend diversifiziert, damit der Schaden bei möglichen Enttäuschungen begrenzt bleibt? Verfügt der Fondsanbieter über ein bewährtes Risikomanagement? Gute Ratings und Rankings von renommierten Analysehäusern wie Standard & Poors oder Morningstar deuten in der Regel auf eine überdurchschnittliche Qualität der Fonds hin. Im US-Markt sind zurzeit Anlagegefässe wie UBAM Calamos US Equity Growth, Pictet US-Equity Selection-P Cap, ING Invest US Growth sowie der Morgan Stanley US Equity Growth Fund gut positioniert. In Europa ist dies u.a. bei iShares DJ Euro Stoxx Growth, Merrill Lynch Euro-Markets Fund A2 sowie GAM Star Continental European Equity der Fall.

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Keine Eile beim Einstieg

Angesichts der Subprime-Krise ist jedoch zurzeit keine Eile geboten, in Growth einzusteigen. Sollte es zu einer markanten Wirtschaftsschwäche in den USA kommen, müssten die Gewinnaussichten der meisten Unternehmen heruntergeschraubt werden – sowohl bei Value- als auch bei Growth-Aktien. Eine schmerzvolle Korrektur an den Börsen wäre die Folge. In diesem Umfeld würden viele Anleger trotz allem kurzfristig wertorientierte Titel favorisieren. Stabilisieren sich indessen die Märkte in den nächsten Monaten, bleiben Growth-Unternehmen kaufenswert: In diesem Fall könnten sie ihr Wachstumspotenzial voll ausspielen. Zurzeit sind die Anleger verunsichert und warten ab. Die Zinssignale sind unklar. In den USA zum Beispiel weisen kurz- und langfristige Gelder ungefähr dasselbe Preisniveau auf. Dies deutet auf ein verlangsamtes wirtschaftliches Wachstum oder sogar auf eine Rezession hin. In anderen Märkten liegen allerdings die langfristigen Zinsen deutlich über den kurzfristigen. Dies spricht für eine anhaltend positive Konjunkturentwicklung ausserhalb der USA. Aktien von wertorientierten Firmen sind in hohem Masse an den wirtschaftlichen Zyklus gekoppelt. Da die Mehrheit der Marktteilnehmer eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums in den USA erwartet, dürften die Value-Titel über kurz oder lang eher schwach abschneiden. Dies und die Tatsache, dass die Differenz der Bewertungen zwischen Value- und Growth-Aktien in den USA seit den 60er Jahren – also seit 40 Jahren – nie mehr so ausgeprägt war wie heute, spricht zurzeit für Growth. In Europa ist ebenfalls ein Trend in Richtung Growth festzustellen, hier ist die Unterscheidung zwischen wachstums- und wertorientierten Anlagen nicht ganz so eindeutig wie in den USA. Eine Growth-Phase ist jedoch in der Regel nicht so nachhaltig wie eine Value-Hausse und muss entsprechend sorgfältig verfolgt werden. Sie kann 12 bis 18 Monate, eventuell auch länger dauern. Growth-Anlagen eignen sich deshalb weniger als Ersatz von Value-Anlagen, sondern eher als temporäre Ergänzung. Langfristig schneiden nämlich wertorientierte Aktien besser ab als wachstumsorientierte Valoren, wie Studien und langfristige Kursvergleiche zeigen.