Derzeit scheint die Logistikbranche bereits wieder deutlich vom Wirtschaftsaufschwung zu profitieren. Wie sieht es bei Postlogistics aus?
Dieter Bambauer: Entwickelt sich die Konjunktur positiv, so spüren wir dies relativ schnell. Im Kurier-, Express- und Paketbereich (KEP) haben wir während der Wirtschaftskrise an Volumen eingebüsst. Derzeit ist ein Ansteigen der transportierten Mengen festzustellen. Im Stückgutverkehr national und international und in der Lagerlogistik hat sich der Markt deutlich erholt. Allerdings eher bei den Volumen als bei den erzielbaren Preisen.

Das heisst?
Bambauer: Das derzeitige Preisniveau liegt etwa auf demjenigen von vor zwei Jahren, also extrem tief.

Sind keine Preiserhöhungen möglich?
Bambauer: Im reinen Transportgeschäft ist es derzeit kaum möglich, eine angemessene Rendite zu erzielen. Die Kombination von verschiedenen Dienstleistungen im Logistikbereich erlaubt jedoch etwas bessere Erlöse zu erzielen. Wir profitieren davon, dass wir der Kundschaft sowohl im Paket- wie im Stückgutbereich schnittstellenfreie Transporte anbieten können, denn immer mehr Kunden wünschen heute logistische Dienstleistungen aus einer Hand. Je überzeugender ein logistisches Projekt und je höher die Dienstleistungsqualität ist, desto eher ist es möglich, einen angemessenen Preis zu erhalten. Unser Ziel ist es, im Logistikbereich sowohl die Kostenführerschaft wie auch die Qualitätsführerschaft zu halten.

Derzeit verfügt Postlogistics über drei Paketzentren in der Schweiz. Genügt diese Infrastruktur auch in der Zukunft?
Bambauer: Der KEP-Dienst gehört zu den Kernkompetenzen von Postlogistics. Infrastrukturen mit langfristigem Charakter realisieren wir weitgehend aus eigener Kraft, wie beispielsweise die Paketzentren, welche seit über zehn Jahren in Betrieb stehen und punkto Leistungsfähigkeit dem modernsten Stand der Technik entsprechen. In naher Zukunft besteht kein Ausbaubedarf.

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Welche Rolle will Postlogistcs im Schweizer Stückgutverkehr spielen?
Bambauer: Den Stückgutverkehr betreibt Postlogistics weitgehend als Ergänzung zum KEP-Bereich, der volumenmässig dominiert. Das Wachstum des KEP-Marktes bestimmt auch die weitere Entwicklung des Stückgutgeschäftes. Wir betrachten den Markt sehr intensiv. Sollte ein Dienstleister im Logistikbereich in unser Portfolio passen, ziehen wir die Möglichkeit einer Akquisition in Betracht. Der Fokus bleibt aber auch in Zukunft auf der klaren Absicherung unseres Kernbereiches.

Sie lassen aber auch das europäische Ausland nicht aus den Augen …
Bambauer: Im Ausland sieht die Situation etwas anders aus. Postlogistics ist hier seit etlichen Jahren im Mail- und Paketbereich erfolgreich tätig. Unsere Kunden in der Schweiz wünschen vermehrt logistische Dienstleistungen innerhalb Europas aus einer Hand und deshalb bauen wir auch unsere Präsenz im Ausland weiter aus. Dies aber weniger durch Akquisitionen als durch Kooperationen und Partnerschaften mit mittelständischen Logistikdienstleistern in Deutschland, Frankreich, Italien und den Beneluxstaaten.

Kundenindividuelle Logistikdienstleistungen bedingen eine enge Kooperation zwischen Logistiker und Kunde. Wie weit greift sie heute in die Logistikabläufe der Kunden ein?
Bambauer: Wenn Firmen gewisse Logistikleistungen outsourcen wollen, kann dies nur erfolgreich sein, wenn diese Aktivitäten bereits vorher einwandfrei funktionierten. Im Bereich Value-Added-Services können wir – quasi als verlängerte Werkbank des Kunden – ein breites Portfolio an unterschiedlichsten Mehrwertdienstleistungen in verschiedenen Branchen anbieten.

Jüngstes Beispiel dafür ist Coca-Cola …
Bambauer: Anfang März vereinbarte unsere Tochtergesellschaft IT-Service-House mit Coca-Cola Schweiz eine mehrjährige Partnerschaft und übernimmt deren Serviceorganisation Cold Drink Operations, sprich CDO. CDO stellt für Coca-Cola Schweiz Kühlschränke, Verkaufsautomaten und Getränkeanlagen auf, wartet diese und tauscht sie bei Bedarf aus. Die 80 CDO-Mitarbeitenden wechseln zu IT-Service-House. Hier findet eine enge Verzahnung der Wertschöpfungskette des Kunden mit unseren Dienstleistungen statt. In diesen Tagen haben wir mit der Firma Antalis, einem führenden europäischen Papierhändler, einen mehrjährigen Vertrag für die Übernahme der gesamten Logistik in der Schweiz unterzeichnet.

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Im Wertlogistikmarkt führte Postlogistics eine neue Dienstleistung zur Reduktion der Bargeldrisiken ein, den SecureCube. Was ist darunter zu verstehen?
Bambauer: Unsere Tochtergesellschaft SecurePost ist spezialisiert auf Werttransporte in verschiedenen Bereichen. Der SecureCube ist eine Art umgekehrter Geldautomat, bei dem nicht Geld entnommen, sondern Geld eingeführt wird. Er eignet sich für Unternehmen mit kleinen bis mittelgrossen Bargeldumsätzen wie etwa Tankstellen, Kioske oder Ladengeschäfte. Das Gerät ist mit einem Notenleser ausgestattet und kann verschiedene Währungen zählen und die Noten auf Echtheit prüfen. Geld, das im SecureCube eingeführt wurde, wird sofort dem Empfänger gutgeschrieben.

Wie sieht das in Sachen Sicherheit aus?
Bambauer: Beim gewaltsamen Öffnen des SecureCube wird das darin vorhandene Geld sofort vernichtet.

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Die Bedeutung der Nachtlogistik, in der auch Postlogistics engagiert ist, hat in der Schweiz zuletzt zugenommen. Welche Entwicklung erwarten Sie hier?
Bambauer: Die Nachtlogistik ist für uns ein sehr interessanter Wachstumsmarkt, in dem wir unsere Position in den vergangenen eineinhalb Jahren völlig neu ausgerichtet haben. Wir geniessen in der Schweiz ein sehr hohes Vertrauen in der Bevölkerung, liefern wir doch unsere Güter nachts direkt in die Liegenschaften der Empfänger aus.

Welche Bedeutung hat E-Commerce in Zukunft für Postlogistics?
Bambauer: Unser Fokus ist die weitere Entwicklung von zusätzlichen Dienstleistungen im Umfeld des Paketbereiches. E-Commerce ist ein wachsender Markt und bietet dem Benutzer etliche Vorteile. Wir verfügen heute über ein umfassendes Know-how im gesamten Bereich des Internethandels.

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In den kommenden Jahren wird das täglich zu transportierende Gütervolumen aufgrund der Möglichkeiten des Internet-Einkaufs weiter zunehmen. Wie wollen Sie angesichts der immer stärker belasteten Verkehrsinfrastruktur lieferfähig bleiben?
Bambauer: Mit diesem Problem beschäftigen wir uns intensiv. Wir nutzen auch schon verschiedene Alternativen wie etwa die Schiene. Jede Nacht verkehren im Auftrag der Post rund 60 Züge in der Schweiz. Des Weiteren nutzen wir zunehmend die Nachtzustellung. Schliesslich investieren wir in alternative Energien und setzen heute schon rund 1000 Elektro-Motorfahrräder in der Postzustellung ein. Ebenfalls in diese Richtung zielt unsere Tochtergesellschaft Mobility Solutions, die der Kundschaft umweltfreundliche Fahrzeuge nach Bedarf zur Verfügung stellt. Das Thema Nachhaltigkeit spielt bei all diesen Überlegungen für uns eine zentrale Rolle.

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Der Mensch

Name: Dieter Bambauer
Funktion: CEO Postlogistics, Konzernleitungsmitglied der Schweizerischen Post
Alter: 53
Familie: Verheiratet, ein Sohn
Ausbildung: Betriebswirtschaftsstudium Universität Münster, Promotion Universität Giessen
Karriere:
2003 bis 2005:
Leiter DB Cargo
2005 bis 2009: CEO Schenker Schweiz
Seit 2009: Chef Postlogistics

Das Unternehmen
Die Tochter der Schweizerischen Post bietet Kurier-, Express- und Paketdienstleistungen sowie Transport- und Lagerlogistik an. Pro Jahr werden rund 110 Millionen Pakete und Express-Sendungen befördert. Im Geschäftsjahr 2010 erzielte die Firma mit 5319 Mitarbeitenden einen Betriebsertrag von 1,5 Milliarden Franken und ein Betriebsergebnis von 164 Millionen Franken.