Auch dieses Jahr hat Nestlé ihrem Ruf als Fels in der Brandung alle Ehre gemacht. Während der Swiss Market Index bisher 35,6% absackte, verlor der Nahrungsmittelriese mit Sitz in Vevey nur 17,8% an Wert.

Am 23. Oktober hat Nestlé seine 3.-Quartals-Zahlen präsentiert. Diese fielen über den Erwartungen aus. In einem leicht negativen Umfeld schlossen die Nestlé-Valoren am Publikationstag 3,4% höher. Nestlé erhöhte in den ersten neun Monaten den Umsatz um 3,4%. Auch organisch wuchs Nestlé mit 8,9%. Der Foodmulti konnte gar seine Prognosen für das Gesamtjahr 2008 erhöhen: Neu wird ein organisches Umsatzwachstum von rund 8% erwartet.

Obwohl sich Nestlé bisher gut geschlagen hat, sieht Helvea-Analyst Andreas von Arx im neuen Jahr verschiedene Herausforderungen auf das Unternehmen zukommen. Wegen des düsteren ökonomischen Ausblicks erwartet er 2009 ein langsameres Volumenwachstum als 2008. Ausserdem zeigt sich der Analyst besorgt über den drohenden Nachfragerückgang in den Emerging Markets. Nestlé erzielt in diesen Märkten rund einen Drittel des Umsatzes. Der Helvea-Analyst empfiehlt, die Nestlé-Aktie zu halten. René Weber, Analyst bei der Bank Vontobel, würde den Titel kaufen. Er ist insbesondere wegen der Währungssituation und der tieferen Rohstoffpreise optimistisch. «Im 4. Quartal 2008 und im Jahr 2009 resultiert wegen des stärkeren Dollar wieder ein positiver Währungseffekt.» 40% des Umsatzes erwirtschaftet Nestlé nämlich in Dollar-Märkten. Bei dem bisher schwachen Greenback resultierten für die Firma daher negative Währungseffekte.

Anzeige

Tiefere Rohstoffe, höhere Marge

Eine neue Situation ergibt sich auch wegen des Zusammenbruchs gewisser Rohmaterialpreise. In den letzten Jahren waren die Rohstoffkosten massiv aufwärts geklettert.

Das Zurückgehen der Preise wirkt sich positiv auf die Marge von Nestlé aus. Weil die Rohstoffe jeweils bereits ein halbes Jahr im voraus eingekauft würden, seien die Auswirkungen des Preisnachlasses erst mit einer gewissen Verzögerung – also noch nicht im 4. Quartal spürbar, so Weber. «Die tieferen Rohmaterialpreise werden 2009 einen positiven Effekt auf die Marge haben.»

Zudem geht er nicht davon aus, dass die Preise stark zurückgehen werden.Die Frage stellt sich jedoch, ob Konsumenten auch in naher Zukunft bereit sein werden, mehr für Markenprodukte auszugeben. Weber rechnet mit einer «gewissen Verlangsamung» für Nestlé.

Aktie zum Kauf empfohlen

Vor kurzem kam es in der Chefetage von Nestlé zu zwei Abgängen. Im September wechselte der Amerika-Chef Paul Polman zum britischen Konkurrenten Unilever. Im November wurde bekannt, dass der Marketing-Chef Lars Olofsson zu Carrefour geht. Gemäss Weber ist der Weggang grundsätzlich zu bedauern, jedoch für Nestlé kein negativer Punkt. Nestlé lässt üblicherweise eigene Leute auf den Chefsessel nachrutschen.

Zwei Drittel der Analysten empfehlen die Nestlé-Valoren derzeit zum Kauf. Vontobel sieht das Kursziel bei 56 Fr. Mit einem geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnis von 12,7 für 2009 liegt der Foodmulti im Durchschnitt der europäischen Nahrungsmittelfirmen, ist also gemessen an der Wachstumskraft nicht zu hoch bewertet.