Nach dem Verlust von 202 Mio Fr. im Vorjahr resultierte jetzt ein Gewinn von 10 Mio Fr. Geht es in den kommenden Jahren mit Gewinnen weiter?

Bruno Schefer: Aufgrund der Marktentwicklung gehe ich davon aus, dass wir die schlimmste Zeit hinter uns haben. Die Marktwerte unserer Gebäude werden sich nicht mehr entscheidend verändern, sicher nicht im negativen Sinn. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird Züblin darum in der Gewinnzone liegen.

Trotz des Gewinns zahlt Züblin keine Dividende. Wird das auch in Zukunft so sein?

Schefer: Wir wollen unsere Eigenkapitalquote von heute 31 auf 40% steigern. Solange wir dieses Ziel nicht erreicht haben, wird es schwierig, Dividenden auszuzahlen. Zudem wollen wir unser Geld auch für Renovationen einsetzen. Damit steigern wir die Gewinne langfristig.

Wie lange müssen die Aktionäre auf eine Dividende verzichten?

Schefer: Wenn wir Gebäude verkaufen können, die nicht zu unserem strategischen Bestand gehören, würden wir unsere angepeilte Kapitalquote von 40% schneller erreichen. Davon gehe ich aber nicht aus, weil wir unsere Objekte nicht zu schlechten Preisen abstossen. Darum kann ich mir vorstellen, dass es während zweier oder dreier Jahre keine Dividende geben wird.

Die Euro-Schwäche hat sich bereits auf Ihr Resultat niedergeschlagen. Welche Auswirkungen befürchten Sie, wenn der Euro so tief bleibt?

Schefer: Was uns in diesem Geschäftsjahr belastet hat, sind insbesondere die durch die Euro-Schwäche anfallenden Buchverluste auf dem im Ausland eingesetzten Eigenkapital. Langfristig gesehen gehen wir aber davon aus, dass sich Europa und der Euro erholen werden. Als Züblin vor zwölf Jahren seine Europastrategie startete, lag der Euro bei 1.60 Fr. Zwischenzeitlich fiel er dann auf 1.40 Fr., stieg danach aber wieder kräftig an. So schnell wie es runter ging, so schnell kann es auch wieder aufwärtsgehen.

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Die Schuldenkrise verdüstert aber doch auch die Aussichten für Ihre Immobilien in Europa.

Schefer: Unsere Hauptstandorte Deutschland und Frankreich sind von der Euro-Krise weniger getroffen. Zudem halten wir in diesen Ländern vor allem Büroimmobilien an guten Standorten in grossen Städten. Ich sehe nicht, warum uns da aufgrund der Euro-Krise ein grosser Nachteil erwachsen sollte.

Wie werden sich die Leerstände entwickeln?

Schefer: Unser Leerstand lag dieses Jahr bei 11%, was im Marktvergleich ein guter Wert ist. In den nächsten zwei bis drei Jahren wird dieser Wert sicher nicht weiter steigen; ich sehe sogar Potenzial, ihn unter 10% zu drücken.

Halten Sie grundsätzlich an Ihrer Europastrategie fest?

Schefer: Ja. Ich glaube, dass das Aufholpotenzial in unserem Europageschäft viel grösser ist als in der Schweiz, wo wir gar nie eine Krise sahen und die Werte überhaupt nicht eingebrochen sind.

Umgekehrt könnten Sie auch Ihr Schweizer Gebäudeportfolio verkaufen.

Schefer: Das kommt nicht in Frage. Unser Ziel bleibt, je ein Drittel unseres Portfolios in der Schweiz, in Deutschland und in Frankreich zu halten. Wir wollen unser Portfolio in der Schweiz darum mittelfristig erhöhen.

Wäre ein Zusammenschluss mit einer anderen kotierten Firma denkbar?

Schefer: Das kann man nie ausschliessen, ich sehe aber keinen Kandidaten. Die anderen Schweizer Immobiliengesellschaften wollen im Markt Schweiz bleiben, und auch auf dem internationalen Parkett sehe ich keine Firmen, mit denen ein Zusammenschluss denkbar wäre.

Welches Potenzial sehen Sie für Ihren gebeutelten Aktienkurs?

Schefer: Je nach Berechnungsart liegt unserer Aktienkurs bis zu 40% unter dem inneren Wert des Unternehmens. Das zeigt, dass das Potenzial für den Aktienkurs enorm ist.

Wann lässt sich dieses Potenzial realisieren?

Schefer: Wenn die Investoren wieder Vertrauen fassen - nicht nur in Züblin, sondern in den Kapitalmarkt generell.