Migration ist nicht vermeidbar - die Frage ist, wie man sie kontrolliert. In diesem Punkt stimmten die Meinungen der hochrangigen Gäste einer öffentlichen Diskussionsrunde am WEF in Davos kurz vor der Schweizer Abstimmung über die Initiative gegen die Masseneinwanderung überein. Die Völkerwanderung ist der «Megatrend des 21. Jahrhunderts», erklärte William Lacy Swing, Generaldirektor der Internationalen Organisation für Migration. Jeder siebte Erdbewohner sei ein Auswanderer. «Migration ist unumgänglich, nötig und wenn richtig gesteuert: wünschenswert», brachte er die Meinung der fünf Gäste auf den Punkt.

Swing wies auf die positiven Aspekte der Völkerwanderung hin, vor allem für die Wirtschaft: «Während der Norden überaltert, fehlt den Menschen im Süden die Arbeit.» Man werde die Migration nicht stoppen können, sagte auch Kofi Annan. «Man sollte sich die Frage stellen: Ist es logisch, dass es freie Bewegung für Güter und Dienstleistungen gibt, aber nicht für Menschen», so der ehemalige Uno-Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger.

Auch Kriminelle darunter

Man müsse die Ströme leiten und die Menschen so schnell wie möglich integrieren, so Annan. Er warnte davor, nur über Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Staus und hohe Mieten zu reden. «Natürlich kann man die Migranten für alles verantwortlich machen», so Annan. Es gebe auch Kriminelle unter ihnen, doch man müsse diese Gruppe eingrenzen und in der Diskussion «die Wahrheit herausschälen».

Die diskutierten Lösungsansätze blieben aber vage. Die Rede war von «menschenwürdiger» Einwanderungspolitik, einer Politik «im Interesse aller». Die Wanderungsbewegungen müssten «reguliert» werden. Die Antworten, wie dies gelingen soll, blieben aber aus. Der wortgewandte Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, sagte auf die Frage eines Zuschauers: «Wenn man konkrete Lösungen finden will, wird es schwierig.» Man müsse das Problem zunächst anerkennen. Die EU-Staaten müssten eine gemeinsame Position finden, statt zu sagen: «Das ist nur ein Problem der Italiener.»

Regelmässig Vorlagen zur Einschränkung der Einwanderung

In der Schweiz wird das Thema seit Jahren regelmässig thematisiert. Das geschieht allerdings selten direkt durch die Politik, sondern meist auf Drängen des Volkes. Seit 1970 mussten die Stimmbürger regelmässig über Vorlagen zur Einschränkung der Einwanderung befinden. Und seine Antwort war stets ziemlich klar, wie der Überblick in der grossen Bildergalerie oben zeigt.

(ste und se, mit Material von sda)

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