Brady Dougan ist der ungeliebte Kapitän eines Schiffes, das Leck geschlagen hat. Anleger haben seine Bank im letzten Jahr geradezu abgestraft. Im Jahresvergleich hat die Credit Suisse rund 30 Prozent des Börsenwertes verloren. Der Januar ist sogar der schlechteste Jahresstart, den der CEO mit dem Finanzhaus je erlebt hat.

Nach dem Ende des Euro-Franken-Mindestkurs blieb die Schweizer Bank hinter fast allen europäischen Banken zurück. Nur griechische Kreditinstitute standen im Januar schlechter da. Angesichts dieser Entwicklung steigt die Spannung vor der Präsentation der Jahreszahlen der Credit Suisse am Donnerstagmorgen.

Blick auf die Kernkapitalquote

Die Bank kämpft mit den Folgen der Frankenstärke, nachdem die Schweizerische Nationalbank (SNB) entschieden hat, den Mindestkurs aufzugeben. Die Vermögensverwaltung, Kerngeschäft von der Credit Suisse, wird allein durch den Umrechnungseffekt auf einen Schlag um rund 15 bis 20 Prozent weniger rentabel. Schliesslich verwaltet die Bank für ihre weltweiten Kunden grösstenteils Vermögen in Euro und US-Dollar und wird in aller Regel auch in diesen Währungen bezahlt. Ein Grossteil der Kosten aber fällt in der Zentrale an und damit in Franken.

Die Probleme der Credit Suisse liegen aber weitaus tiefer begraben. «Die Frankenstärke belastet die ganze Branche», meint Roger Degen, Analyst bei Julius Bär. Aber nur die Credit Suisse habe sich vom Schock kaum erholen können. Kleinere Banken und Vermögensverwalter wurden vom SNB-Entscheid härter getroffen.

Trotzdem haben sich die Aktienkurse dieser Geldhäuser besser entwickelt in den letzten vier Wochen. Peter Stenz, Portfoliomanager für Schweizer Aktien beim Vermögensverwalter Swisscanto, bestätigt diese Einschätzung. Die offene Flanke der Credit Suisse sei die Kapitalaustattung, sagt der Experte. Die Kapitalsituation der Bank sei ungenügend. Die Konkurrenz stünde besser da.

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Geringere Dividende befürchtet

Die ungenügende Ausstattung mit Eigenmitteln kann einen Rückgang bei der Belohnung für die Anleger mit sich bringen. «Anleger fürchten sich vor einer rückläufigen Dividende», sagt Stenz. Schlimmer noch: Weder Stenz noch Degen wären überrascht, wenn in diesem Jahr die Dividende ganz auf der Strecke bliebe.

Der fünftgrösste Aktionär des Geldhauses hat jedenfalls verlauten lassen, dass er dies durchaus goutieren würde. Robert Taylor, Fondsmanager beim US-Vermögensverwalter Harris, sagte gegenüber Bloomberg: Die Dividende für ein Jahr entweder ganz oder teilweise zu streichen, müsste nicht unbedingt etwas Schlechtes sein, wenn damit Fragen zur Bilanzstärke ein für alle Mal beendet wären. Harris hält rund 4,2 Prozent der CS-Aktien.

Tiefe Gewinnerwartungen

Nicht nur die Hoffnung auf eine Dividende schwindet, der Gewinnausblick für die Bank fällt insgesamt trübe aus: Im dritten Quartal hat die Bank noch überraschend viel Geld verdient. Das vierte Quartal dürfte wesentlich schwächer ausfallen, sagt Swisscanto-Experte Stenz. Für das gesamte Jahr 2014 rechnen Analysten laut Reuters im Durchschnitt mit einem Gewinnrückgang um ein Fünftel auf 1,8 Milliarden Franken.

Die Vermögensverwaltung bleibt dabei das Sorgenkind. In Westeuropa resultierten im dritten Quartal Geldabflüsse in Höhe von 1,5 Milliarden. Diese Verluste dürften gemäss Konzernchef Dougan noch ein, zwei Jahre anhalten. Im Heimatmarkt Schweiz verlor die Bank 1,1 Milliarden Franken. Dabei handle es sich um einen einzelnen Privatkunden, sagte Credit Suisse Finanzchef David Mathers. Konstant gewachsen ist die CS nur in Asien und im Osten Europas.

Aufholjagd bei der Credit Suisse möglich

Der Abfluss von Kundengeldern in angestammten Märkten ist aber nur ein Problem. Das Geschäft mit reichen Privatkunden leidet unter einer sinkenden Bruttomarge. Die UBS ist bestes Beispiel: Mit 82 Basispunkten ist die Bruttomarge um drei Basispunkte im Schlussquartal eingebrochen. Einen ähnlichen Einbruch erwartet Swisscanto-Experte Stenz auch bei der Credit Suisse.

Trotz all der Probleme, mit denen die Credit Suisse zu kämpfen hat, gibt es einen Lichtblick: «Die Probleme der CS sind weitum bekannt und spiegeln sich auch im tiefen Aktienkurs», sagt Stenz. Positive Überraschungen könnten deshalb zu einer Aufholjagd bei der Credit-Suisse-Aktie führen.