Es war eine Personalie, wie sie die Pharmaindustrie noch selten gesehen hat. Mit dem erst 41 Jahre alten Vas Narasimhan setzte der Novartis-Verwaltungsrat unter Jörg Reinhardt im vergangenen September nicht nur auf einen internen Nachfolger für den scheidenden Joe Jimenez; er wählte auch einen Vertreter der jungen Managergeneration.

Seit Mittwochmorgen ist klarer, wo der neue Konzernchef die Prioritäten setzen wird:

Stichwort Digitalisierung: Vas Narasimhan ist offenbar entschlossen, bei der digitalen Transformation des Unternehmens richtig Tempo zu machen. Digitalisierung und Big Data würden die Art und Weise, «wie wir forschen, entwickeln und wie wir operieren, verändern», sagte der neue Konzernchef am Tag vor der Bilanzmedienkonferenz. So soll zum Beispiel die Rekrutierung von Patienten für klinische Studien dank Big Data effizienter werden. Das mag nebensächlich klingen, ist es aber nicht. Das Geschäftsmodell der Pharmaindustrie mit milliardenschweren Investitionen in Forschung und Entwicklung steht unter Druck, die Kapitalrendite sinkt. Das heisst: Die Kosten müssen runter und die klinischen Studien gehören zu den grössten Kostenblöcken bei Forschung und Entwicklung.

Schärferer Blick auf die Medikamente-Pipeline

Stichwort Pipeline: Novartis ist zwar immer wieder «best in class»; das Unternehmen hat in der Vergangenheit aber immer wieder Medikamente auf den Markt gebracht, bei denen der medizinische Zusatznutzen gering war und die deshalb nicht den gewünschten kommerziellen Erfolg brachten. Jüngstes Beispiel ist das Brustkrebsmedikament Kisqali, das unter Konkurrenzdruck leidet. Das Versprechen des neuen CEO: eine «strengere Beurteilung» der Pipeline. In die kostspielige Entwicklungsphase sollen nur noch diejenigen Wirkstoffe, bei denen die Blockbusteraussichten intakt sind.

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Am deutlichsten aber wird die Zeitenwende bei Novartis bei den «weichen» Faktoren. Die Konzentration auf die Performance, für die Novartis bekannt ist, wird sich verschieben. Das Thema hier: mehr Zusammenarbeit und weniger Topdown. Der neue Konzernchef: «Die besten Ideen kommen von den Leuten, nicht von oben». Ziel sei es, die «Ideen und nicht die Hierarchien gewinnen zu lassen».

Zukunft von Alcon nach wie vor offen

Bleibt die Frage, wie es mit den noch unmittelbar offenen Baustellen weiter geht. Dazu gehört Alcon. Das einstige Sorgenkind ist zwar wieder auf der Gewinnerstrasse; die Augenheilkundler aus dem texanischen Houston legten im vergangenen Jahr um 4 Prozent auf 6 Milliarden Dollar zu. Besonders bemerkenswert: Nicht nur bei der Augenchirurgie geht es vorwärts, sondern auch bei bei den mehr kommoderen Kontaktlinsen. Doch ob die Sparte deswegen auf lange Sicht bei Novartis bleibt, ist offen. Eine Kapitalmarktlösung ist noch immer denkbar.

Bei der Generikasparte Sandoz wird der neue Konzernchef das Problem der einfachen Generika zu lösen haben, die vor allem in den USA unter enormem Preisdruck stehen.

10 Prozent Plus in der Onkologiesparte

Bei den innovativen Medikamenten überzeugte vor allem das Psoriasismedikament Cosentyx, während das Herzmedikament Entresto aller Anstrengungen zum Trotz noch nicht richtig abheben will. Die wichtige Onkologiesparte legte – unter Ausschluss von Gleevex, dessen Patente abgelaufen sind – um 10 Prozent zu.