Als Schweizer Börse ermöglichen wir die Kapitalaufnahme durch Wertpapiere, den konstanten Handel dieser Wertpapiere, die Nutzung der entsprechenden Daten und erbringen unzählige weitere Dienstleistungen für unsere Partner. Spezifisch im Aktienhandel ist der Wettbewerb derzeit intensiv. Die Aktie eines Schweizer Konzerns kann heute an über einem Dutzend Handelsplätzen gekauft und verkauft werden. Heim- und Referenzmarkt bleibt dabei die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange.

Wettbewerber sind andere Handelsplätze einerseits, andere Börsen, zunehmend auch alternative Multilaterale Handelsplattformen (MTF) und Systematische Internalisierer (SI) von Banken. Wettbewerber sind anderseits aber auch Institutionen, welche nicht öffentlichen, sondern bilateralen OTC-(Over-The-Counter) Handel ermöglichen; dies sind vor allem bankbetriebene Crossing Networks (BCN). Für diese vier Typen von Marktakteuren sind die Bedingungen höchst unterschiedlich: Die strengsten Auflagen haben die etablierten Börsen.

Ebenfalls klar reguliert sind die Multilateralen Handelsplattformen und die SI, wobei in deren Fall die Aufsichtsbehörden gefordert sind, nachzuprüfen, ob eine qualitativ hochstehende Überwachung des Handels sichergestellt ist in Phasen des rasanten Umsatzwachstums und hoher Volatilität. Am wenigsten reguliert sind schliesslich die von grossen Banken und Brokern betriebenen Crossing Networks, besonders in Bezug auf Transparenz und Einhaltung des strikt bilateralen Handels.

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Deregulierung korrigieren

Wie kam es zu dieser Situation? Ausgangspunkt war eine Quasimonopolsituation im Wertpapierhandel durch genossenschaftlich organisierte Börsen in Europa. Dies ermöglichte maximale Transparenz und Liquidität auf nationaler Ebene, aber natürlich keinen Preiswettbewerb. Ende der 90er-Jahre änderte sich die Situation, als mehrere grosse europäische Börsen zu Publikumsgesellschaften wurden. Diese hatten damit neu einen Auftrag zur Gewinnmaximierung, was teilweise im Widerspruch mit ihrer dominanten Quasimonopolstellung stand. Entsprechend stark war der politische Druck in Europa nach einer Deregulierung im Wertpapierhandel: Mit der Markets in Financial Services Directive (MiFID) fiel Ende 2007 das Monopol der Börsen für den Wertpapierhandel in der Europäischen Union. Mehrere MTF (Multilateral Trading Facilities) wurden von Banken und Hedge-Fonds gegründet, einige Banken gründeten interne Systematische Internalisierer.

SIX Swiss Exchange öffnete sich dem paneuropäischen Wettbewerb ebenfalls. Wir begrüssen aus liberaler Perspektive den neuen Wettbewerb. Entscheidend ist jedoch die rechtlich-regulatorische Ausgangssituation. Ein Fussballmatch muss auf einer waagrechten Fläche ausgetragen werden und nicht in einer Hangsituation. Analog müssen die Börsen Europas darauf hinarbeiten, dass das Spielfeld im Wertpapierhandel eben ist. Darum geht es in der MiFID-Revi- sion, welche gegenwärtig läuft. Wer heute eine europäische Aktienhandelsstatistik betrachtet, stellt fest, dass die Marktanteile der grossen Börsen gegen 70% gefallen sind, in London sogar auf unter 60%. Die Konsolidierung der neuen Wettbewerber ist schon jetzt in vollem Gang.

Die Schweizer Finanzmarktinfrastruktur hat in diesem Wettbewerb einige gewichtige Trümpfe in der Hand. Zwei davon sind hervorzuheben. Erstens verwalten die hiesigen Finanzinstitute Vermögenswerte von kumuliert über 4000 Mrd Fr. Zudem sind wir als SIX Swiss Exchange mit unseren Joint-Venture Tochtergesellschaften Scoach, Eurex und Stoxx ein vereinendes Bindeglied.

Innovative Produkte

Ein zweiter strategischer Vorteil ist die Integration der gesamten Wertschöpfungskette. Diese und weitere Vorteile ermöglichen es uns, durch Kundennähe und Innovation im harten Preiswettbewerb zu gewinnen. Die Einführung von besicherten strukturierten Produkten (Collateral Secured Instruments, Cosi), bei denen ein Investor durch einen Depot-Aktualisierungsmechanismus in Echtzeit gegen das Emittentenausfall-Risiko geschützt wird, ist eine weltweit einzigartige Lösung. Connexor, die automatisierte Verarbeitung von Produktedaten in sämtlichen Lebensphasen eines Finanzinstruments vom Kotierungsgesuch bis zur Dekotierung, ist eine weitere derartige Dienstleistung.