Erdgas - in der Autombiltechnik als CNG (Compressed Natural Gas) bekannt - stösst im Vergleich zu den bis heute gebräuchlichen Treibstoffen nach dem Verbrennungsvorgang bis zu einem Viertel weniger des schädlichen Gases CO2 aus. Und was die Abgaswerte von Kohlenmonoxid, unverbrannten Kohlenstoffen sowie Stickoxiden betrifft, schneidet CNG mit -60 bis -75% nochmals deutlich besser ab als Benzin oder Diesel. Darüber hinaus sind die CNG-Emissionen nahezu frei von Russpartikeln.

Dennoch konnten sich Erdgas-Fahrzeuge bisher nicht durchsetzen. Insgesamt stehen europaweit gegen 60000 CNG-Autos im Einsatz, die meisten davon in Italien. In der Schweiz wurden nach Angaben der Gasmobil AG seit 2002 etwa 7000 Fahrzeuge immatrikuliert. Die Gasmobil AG hofft, dass die Zahl bis 2012 auf 30000 steigt.

In diesem Zusammenhang muss man sich allerdings die Relationen im Vergleich zum Gesamtmarkt vor Augen führen. In der Schweiz werden gegenwärtig rund 275000 Neuwagen jährlich verkauft, in Europa 12 Mio.

Fehlende Tankmöglichkeiten

Der Grund, weshalb sich CNG bisher gegen Benzin und Diesel nicht durchsetzen konnte, liegt wohl in erster Linie am noch sehr lückenhaften Tankstellennetz. In der Schweiz zeichnet sich allerdings ab, dass mittelfristig auf der Achse Bodensee-Genfersee sowie im Jura und teilweise in der Innerschweiz eine ausreichende Infrastruktur im Entstehen begriffen ist. Grosse weisse Flächen gibt es hingegen immer noch an der Gotthardroute, in Graubünden und im Tessin, also ausgerechnet in Tourismusgebieten, was in- und ausländische Gäste abschrecken dürfte.

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Vorerst sind schweizweit etwas mehr als 100 Tankstellen in Betrieb. In Deutschland beläuft sich deren Zahl auf knapp über 800 und in Italien auf 600. Es bedarf also noch grosser Anstrengungen, bis ein dichtes Erdgas-Tankstellennetz betriebsbereit ist und Autofahrer nicht Angst haben müssen, dass ihnen unterwegs das Gas ausgeht.

Um die Reichweite der Autos zu verlängern (mit CNG rund 300 km), verfügen die heutigen Erdgasmodelle über einen kleinen Benzintank; die Motoren sind für den Betrieb mit beiden Treibstoffen ausgelegt.

Wenn die Frage diskutiert wird, weshalb der Ausbau des CNG-Tankstellennetzes so harzig vonstatten geht, schieben sich ErdgasIndustrie und Automobilhersteller gegenseitig den schwarzen Peter zu. Die Hersteller vertreten den Standpunkt, dass es für sie ein zu grosses Risiko darstellt, die Produktion für Erdgas-Autos auszuweiten, solange ihre Käufer nicht auf ein ausreichend ausgebautes Tankstellennetz zählen können. Die Erdgas-Industrie ihrerseits argumentiert, dass sie nicht Milliardeninvestitionen für die Produktion dieses Treibstoffes und das Tankstellennetz, das einer riesigen Logistik bedarf, tätigen kann, ohne die Zusage der Autokonzerne, eine grössere Zahl Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Hier dreht man sich im Kreis. Die Situation wird durch die Wirtschaftskrise nicht eben einfacher. Erdgas-Fahrzeuge werden in absehbarer Zukunft deshalb vor allem für Flottenbetreiber - also für Firmen mit möglicherweise eigenen Tankstellen - attraktiv sein.