Vor einer Woche machte der neue CEO der Swissgrid in der «Handelszeitung» einen Vorschlag, wie er den dringend nötigen Ausbau des Schweizer Hochspannungs-Stromnetzes finanzieren will: «Momentan ist unsere Vorstellung, eine ‹Obligation Swissgrid› herauszugeben», erklärte Pierre-Alain Graf. Als Interessenten hat Graf in erster Linie die Schweizer Pensionskassen im Visier. Und diese zeigen sich durchaus interessiert, wie eine Umfrage der «Handelszeitung» zeigt. So wäre eine Investition in eine Swissgrid-Obligation für die Pensionskasse (PK) der Stadt Zürich grundsätzlich denkbar, wie Vera Kupper Staub, Leiterin Geschäftsbereich Vermögensanlagen, erklärt. Thomas Liebi, Head of Investment Research der BVK Personalvorsorge des Kantons Zürich, sagt zwar, dass sich seine Kasse mit dem Thema Swissgrid-Obligation nicht konkret beschäftigt habe. Grundsätzlich wäre eine solche Investition aber denkbar. Vorsichtiger zeigt sich André Kohler, Investmentverantwortlicher von B+B Vorsorge in Thalwil. Die Frage über eine mögliche Investition mache keinen Sinn, «solange Rating, Laufzeit, Coupon und Emissionspreis nicht sicher feststehen». Hanspeter Konrad, der Direktor des Pensionskassenverbandes Asip, erklärt: «Gemäss den geltenden Anlagebestimmungen ist eine solche Anlage zulässig.»

Hochspannungs-Autobahn

Die Swissgrid betreibt seit Anfang Jahr das Schweizer Hochspannungsnetz, sozusagen die Autobahn unter den Schweizer Stromverbindungen, auf der Strom in der Schweiz verteilt und ins Ausland geliefert wird. Spätestens Anfang 2013 wird dieses Netz in den Besitz der Swissgrid gehen; für die Übernahme und die dringendsten Sanierungs- und Erweiterungsprojekte braucht Swissgrid bis zu 8 Mrd Fr.

Eine «Swissgrid-Obligation» müsste dabei nicht unbedingt ein Einzelfall bleiben. Die befragten Pensionskassen sehen es als durchaus möglich an, auch andere Infrastrukturprojekte mit Obligationen zu finanzieren. «Für die Finanzierung von Infrastrukturprojekten erachte ich die Emission von Obligationen als den vernünftigeren respektive investoren-freundlicheren Weg als den Aufbau von rechtlich sehr aufwenndigen Strukturen, zum Beispiel Public Private Partnerships», erklärt Vera Kupper Staub von der Stadtzürcher Pensionskasse. Nach Einschätzung Kupper Staubs hätte es im Markt für Obligationen in Schweizer Franken durchaus noch Platz für mehr Infrastruktur-Anleihen. Laut Thomas Liebi von der Kantonalzürcher Personalvorsorge wäre die Finanzierung weiterer Infrastrukturprojekte «sicher möglich und unter Umständen auch sinnvoll».

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