Zu den meistgesuchten Objekten im Kunstmarkt gehört Kunst der Nachkriegszeit. Ulrich Guntram, Global CEO der AXA Art Versicherung, gibt an, dass die Hälfte der privaten und Firmenkunden der AXA moderne und zeitgenössische Kunst sammelt. Doch gerade diese ist ein Gebiet, in dem Künstler immer wieder mit neuartigen Bindemitteln, Pigmenten sowie Zusatzstoffen experimentiert haben. Allen voran die revolutionäre, schnell trocknende Acrylfarbe wurde und wird von den Kunstschaffenden für neuartige Kunstformen eingesetzt - so etwa bei der «Dripping»-Technik des amerikanischen Malers Jackson Pollock. Es hat sich aber gezeigt, dass Gemälde auf Acrylbasis grundsätzlich anders altern als Ölbilder und dass die bekannten Konservierungsmethoden hier in ihrer Wirksamkeit begrenzt sind.

Als Spezialversicherer für Kunst- und Sammlungsobjekte setzt sich AXA Art seit über 20 Jahren intensiv mit der Restaurierbarkeit der von ihr versicherten Objekte auseinander. 2002 hat der Versicherer deshalb den AXA Art Research Grant ins Leben gerufen, dessen Ziel die Entwicklung neuer Methoden bei der Restaurierung und Erhaltung von Kunstwerken ist. Das erste Projekt im Vitra Design Museum befasste sich mit modernen Kunststoffmöbeln. Der zweite AXA Art Research Grant wurde 2006 an das Tate AXA Art Modern Paints Project (TAAMPP) vergeben. Der Direktor der Tate, Nicholas Serota, führt an, dass die Experten der Tate bereits seit über einem Jahrzehnt auf diesem Gebiet forschen. In dem gemeinsamen Projekt wurde nun nach neuen Lösungen gesucht, wie Gemälde auf Acrylbasis nach einem Schadenfall restauriert werden können und welche Methoden zur Erhaltung von Werken mit synthetischen Farben dienen können.

Fünf Gemälde gereinigt

Aufgrund ihrer Zusammensetzung verhält sich Acrylfarbe völlig anders als Ölfarbe. Um aufzuzeigen, welche Effekte durch die Oberflächenbehandlung hervorgerufen werden, mussten zunächst die physikalischen Eigenschaften untersucht werden. Da die Oberfläche von Acrylbildern bei Raumtemperatur weicher ist als diejenige von Ölbildern, bleiben die Gemälde zwar während längerer Zeit frei von Rissen und Craqueluren. Doch sobald die Temperatur steigt, wird die Oberfläche druckanfällig und schmutzempfindlich. Die Folge ist, dass sich Schmutzpartikel absetzen können, und sogar Fingerabdrücke sichtbar bleiben. Im Laufe des drei Jahre dauernden Projektes, das vor kurzem abgeschlossen wurde, wurden insgesamt fünf Werke aus der Sammlung der Tate Modern gereinigt. Dabei wurden die Vorgänge und Auswirkungen auf die Oberfläche der jeweiligen Werke festgehalten und ausgewertet. Man erhielt so Aufschluss darüber, wie Acrylbilder möglichst noch vor dem Auftreten von Alterserscheinungen konserviert werden können. Die wichtigsten Aspekte im Umgang mit den heiklen Werken (siehe Kasten) wurden in einer Publikation festgehalten.

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