Nach der Übernahme der AIG Private Bank zeichnet sich ein weiterer Verkauf einer Auslandsbank in der Schweiz ab. Die Dresdner Bank (Schweiz) werde demnächst verkauft, heisst es aus Finanzkreisen. «Wir wollen uns künftig noch stärker auf unser Kerngeschäft fokussieren», kommentiert eine Commerzbank-Sprecherin. Im Zusammenhang mit der Übernahme der Dresdner Bank würden derzeit die Aktivitäten geprüft.

In der Schweiz gibt es noch andere Tochtergesellschaften, die für das ausländische Mutterhaus von untergeordneter Bedeutung sind. «Solche Banken werden wohl von ihren Eigentümern verkauft», erwartet Eduardo Leemann, CEO von Falcon Private Bank (siehe auch «Nachgefragt»).

«Als Übernahmekandidaten gelten vor allem die Schweizer Töchter von ausländischen Banken, die Staatshilfe erhalten haben», sagt Carlos Ammann, Managing Partner von Booz & Company. Dazu zählen zum Beispiel die Commerzbank, BNP Paribas oder ABN Amro. «Ausländische Kunden, die ihr Geld in die Schweiz bringen, wollen nicht Kunde bei einer Bank mit Staatseinfluss sein.» Dies gelte vor allem für Banken in Ländern wie Deutschland, denen das Schweizer Bankgeheimnis ein besonderer Dorn im Auge ist. «Zudem haben einige dieser Banken Schwierigkeiten und überprüfen deshalb zurzeit ihr Geschäftsportfolio», sagt Ammann.

Aber auch kleinere Privatbanken in der Schweiz dürften angesichts der sinkenden Erträge, der steigenden regulatorischen Anforderungen und des internationalen Drucks auf das Bankgeheimnis vermehrt einen Käufer suchen. «Wenn sich das Marktumfeld in den nächsten Quartalen nicht verbessert, werden einige kleinere Institute in Schwierigkeiten geraten und von grösseren Konkurrenten übernommen», erwartet Teodoro Cocca, Professor für Asset und Wealth Management an der Johannes Kepler Universität Linz.

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Die Kapitalkraft ist zentral

Während sich die Grossbanken Credit Suisse und UBS in erster Linie auf organisches Wachstum konzentrierten, kämen als Käufer vor allem mittelgrosse Privatbanken in Frage.

So will die zur Credit Suisse gehörende Privatbank Clariden Leu eine aktive Rolle in der erwarteten Konsolidierung spielen, ebenso die Vontobel-Gruppe. Zurückhaltender äussert sich dagegen etwa die Liechtensteiner LGT Group, die «grundsätzlich offen» ist für Akquisitionen. Für die Basler Privatbank Sarasin stehen Übernahmen nicht im Fokus, können aber grundsätzlich nie ausgeschlossen werden. Aus Sicht von Julius Bär sind Akquisitionen denkbar, aber nicht um jeden Preis.

«Es gibt viele Übernahmeobjekte zu attraktiven Preisen, aber nur wenige potenzielle Käufer, die finanziell so gesund sind, dass sie Zukäufe tätigen können», sagt Sarasin-Analyst Rainer Skierka.

Die Privatbank EFG International sieht sich grundsätzlich als Konsolidierer. Der Fokus werde im aktuellen Umfeld jedoch auf Kapitalerhalt gelegt, so Finanzchef Rudy van den Steen. Für die weitere Zukunft sieht die Privatbank allerdings Möglichkeiten für potenziell grössere Akquisitionen. Auch ausländische Institute dürften in der Schweiz eine aktive Rolle spielen. «Weitere Staatsfonds könnten als Käufer auftreten», sagt Andreas Lenzhofer, Mitglied der Geschäftsleitung von Booz & Company. Im Blickpunkt liegt vor allem das Geschäft mit sehr vermögenden Kunden. «Auch ausländische Banken zum Beispiel aus China könnten in der Schweiz Testkäufe tätigen, um fehlendes Know-how aufzubauen.»

Auch Hemmnisse für Zukäufe

Bislang ist das Übernahmekarussell aber noch nicht richtig in Schwung gekommen. «Die Banken warten, bis sich die Lage stabilisiert», sagt Cocca. Doch in den nächsten zwei Jahren werde es im Schweizer Private-Banking-Markt zu einer Konsolidierung kommen. Eher hemmend für die Übernahmetätigkeit wirken allerdings die steigenden Kosten, die Unsicherheit über die künftige Ertragslage sowie die aktuellen Diskussionen um das Bankgeheimnis. Die Private-Banking-Branche steht unter Druck. «Dies wird in einigen Fällen Akquisitionstrends begünstigen, in anderen Fällen aber vorübergehend auch bremsen, da sich die Unternehmen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren», erwartet van den Steen von EFG International.

 

 

NACHGEFRAGT Eduardo Leemann, CEO Falcon Private Bank (ehemals AIG Private Bank)

Ist die Falcon Private Bank jetzt ein Investmentvehikel für die Königsfamilie aus Abu Dhabi?

Eduardo Leemann: Nein. Dies war in den Gesprächen, die wir mit unseren neuen Besitzern geführt haben, auch nie ein Thema. Wir wollen aber nicht mehr auf verschiedenen Hochzeiten tanzen und haben in diesem Sinne das Retailgeschäft aufgegeben.

Wie sieht die neue Ausrichtung der Bank aus?

Leemann: Wir werden eine diskrete Privatbank sein, die sich auf die sehr vermögende Kundschaft und institutionelle Kunden konzentriert und nicht die Produkte der Muttergesellschaft verkaufen muss.

Der Falke im Namen soll die arabische Kundschaft ansprechen?

Leemann: Der wichtigste Expansionsschritt ist im Mittleren Osten. Wir bauen unser Büro in Dubai aus und wollen noch in diesem Jahr eine Niederlassung in Abu Dhabi eröffnen. Niemand kennt diesen Markt besser als die Königsfamilie, die hinter unserem Eigentümer steht, dem Staatsfonds Aabar Investments. Damit haben wir im Vergleich zu unseren direkten Konkurrenten wie Julius Bär oder Sarasin einen Vorteil.

Wo wollen Sie sonst noch expandieren?

Leemann: Die zweite Priorität ist Singapur. Dort entsteht in den nächsten drei bis fünf Jahren ein ganz wichtiger Hub für Kunden aus aller Welt.

Wie passt der Anteil an der Bank Zweiplus in diese Strategie? Wollen Sie sich davon trennen?

Leemann: Wir werden die Beteiligung an der Bank Zweiplus nicht veräussern. Wir haben ein sehr gutes Einvernehmen mit dem Management und glauben, dass wir der Bank in mittelbarer Zukunft Geschäfte etwa aus dem Mittleren Osten zuführen können, wenn sich zum Beispiel ein Vertrieb mit einer lokalen Bank ergibt.

Haben Kunden Gelder abgezogen, weil sie dieses nicht in den Händen eines Staatsfonds wissen wollten?

Leemann: Nein. Wir hoffen vielmehr, dass ein Teil der Kunden, die ihr Geld im Zuge der AIG-Krise abgezogen haben, ihre Gelder wieder zurückbringen. Jetzt haben wir wieder einen starken Eigentümer im Rücken. Wir sehen Potenzial, vor allem in Osteuropa, Asien und im Mittleren Osten.

Wie wurde auf die Krise reagiert?

Leemann: Wir haben in den letzten sechs Monaten unseren Mitarbeiterbestand von über 500 auf 270 Mitarbeiter reduziert und die jährlichen Kosten von 175 Mio auf 105 Mio Fr. gesenkt. Einen weiteren Stellenabbau brauchen wir nicht mehr, stattdessen wollen wir in diesem Jahr zusätzlich 15 Personen im Fernen und Mittleren Osten einstellen.

Werden weitere Staatsfonds in der Schweiz Privatbanken kaufen?

Leemann: Nein, ich denke, wir sind ein Spezialfall. Ich glaube nicht, dass Staatsfonds eine Bank in der Schweiz kaufen, nur um eine Bank zu haben. Bei uns hat es Sinn gemacht, weil der Eigentümer kein Staat im engeren Sinne ist.