Tatsächlich ist es erst zehn Jahre her, seit in Europa die ersten Exchange Traded Funds (ETF) gelistet wurden. Während die Abkürzung ETF noch vor einigen Jahren vielen Anlegern kaum ein Begriff war, sind die börsengehandelten Indexfonds heute in aller Munde. Mittlerweile werden in europäischen Produkten bereits mehr als 230 Mrd Dollar verwaltet. Keine andere Anlagekategorie hat in der Krise so stark zugelegt wie ETF. Grund für die Beliebtheit war in erster Linie ihre einfache und günstige Konstruktion. Obwohl traditionelle Fonds für die Leistung des Fondsmanagers eine deutlich höhere Gebühr verlangen, gelingt es den wenigsten, auch wirklich ihre Benchmark zu schlagen. Diesen Anspruch haben ETF nicht, ihr Ziel ist es, den unterliegenden Index möglichst realitätsnah abzubilden. Ebenfalls zur Beliebtheit der ETF beigetragen hat deren Status als Sondervermögen. Auch zulasten der strukturierten Produkte: Der Konkurs der US-Investmentbank Lehman Brothers machte den Anlegern schmerzlich bewusst, dass Derivate - im Gegensatz zu ETF - dem Emittentenausfallrisiko unterliegen.

Mittlerweile haben die Investment Banker jedoch auch das Feld der ETF für sich entdeckt. Immer mehr Anbieter wollen an deren Marktwachstum teilhaben und forcieren das ETF-Geschäft. Das führt unter anderem auch dazu, dass immer mehr Mischformen zwischen ETF und strukturierten Produkten auf dem Markt anzutreffen sind: ETC, ETN, ETT … - für Anleger gilt es, die einzelnen Produk- te sorgfältig zu analysieren. Denn: Nicht jedes Produkt, dessen Namen Exchange Traded vorangestellt ist, ist ein ETF und damit rechtlich gesehen ein Fonds. Oft versteckt sich hinter den Produktkonstruktionen ein Zertifikat.

Was für den Anleger ebenfalls nicht ganz einfach zu verstehen ist: Einige Produkte wie etwa die Exchange Traded Tracker (ETT) weisen eine Verwaltungsgebühr von 0% aus. Doch wo verdient die Bank dabei ihr Geld? Die Antwort ist klar: Durch die Geld-Brief-Spanne und durch Courtagen.

Viele Kritiker sorgen sich angesichts der Vermischung von ETF und Derivaten um die Transparenz und die Glaubwürdigkeit der ETF. «Transparenz und die typischen Investmenteigenschaften von ETF müssen gewährleistet sein», so Dirk Klee, Leiter des iShares-Geschäfts in Zentral- und Osteuropa. Sonst geben ETF die wichtigsten Vorteile auf, die sie gegenüber anderen Finanzinstrumenten bieten. Und das würde der Erfolgsstory wohl ein abruptes Ende setzen.

Anzeige