Asien geht als Gewinner aus der Finanzkrise 2008 hervor. Dank einer lockeren Geldpolitik, niedrigem Verschuldungsgrad und anhaltend hohen Investitionen und Konsumausgaben konnte die Unsicherheit an den Märkten rasch überwunden werden. Insbesondere China, Indien und Indonesien avancieren zunehmend zum Rückgrat der aufstrebenden Wirtschaftsregion Asien: Bereits heute entspricht die wirtschaftliche Aktivität in «Chindonesien» 47 Prozent der US-Wirtschaftsleistung. Die Unternehmen der drei Länder verzeichneten seit 2002 aufgrund eines soliden Bankensystems und stützender Wirtschaftsreformen das höchste Gewinnwachstum in Asien. «Chindonesien» erzielte auch 2008, als die Kapitalmärkte darniederlagen, rund 8 Prozent Wachstum.

Damit hat sich «Chindonesien» als wichtiger Akteur für den regionalen Handel etabliert und gewinnt auch auf weltweiter Ebene zunehmend an Bedeutung. Entgegen der allgemeinen Auffassung baut die Wirtschaftsstruktur der drei Länder auf eine diversifizierte Basis auf. China etwa ist nicht mehr bloss die Werkstatt der Welt. Viele chinesische Unternehmen streben weltweit Spitzenpositionen im Technologie- und Dienstleistungssektor an und werden durch umfangreiche Investitionen in Forschung und Marketing unterstützt. Die Kombination aus lokalem Know-how und Binnennachfrage schafft attraktive Anlagegelegenheiten in Sektoren wie Konsumgüter, Maschinenbau, Internet und Finanzdienstleistungen, in denen sich chinesische Unternehmen allmählich zu einer ernst zu nehmenden Konkurrenz für ihre globalen Mitbewerber entwickeln.

Als wichtigster Wachstumstreiber in der Region gilt der inländische Konsum. Da das verfügbare Einkommen jährlich um 10 Prozent wächst und die Haushalte praktisch nicht verschuldet sind, werden sich die Konsumausgaben beschleunigen, wie es in den letzten Jahren auch in China der Fall war. Gleichzeitig werden in «Chindonesien», wo über 40 Prozent der Weltbevölkerung zuhause sind, in den kommenden zehn Jahren mindestens 170 Millionen Menschen auf den Arbeitsmarkt drängen. Diese wandern vermehrt in die Städte ab, was tendenziell bessere Arbeitsplätze und höhere Einkommen mit sich bringt.

Anzeige

Indonesien ist reich an Rohstoffen

China und Indien gelten als Motoren für das künftige Weltwirtschaftswachstum - doch Indonesien steht ihnen fast in nichts nach. Als globaler und wettbewerbsfähiger Anbieter von Energie und Agrarrohstoffen kann das Inselreich sowohl von der Industrialisierung Indiens als auch von der Urbanisierung Chinas profitieren. Indonesische Unternehmen verzeichneten dadurch seit 2002 das dritthöchste Gewinnwachstum in Asien und rangierten damit nur knapp hinter China und Indien.

Dank einem Rückgang der indonesischen Staatsverschuldung auf 35 Prozent des Bruttoinlandprodukts (von 100 Prozent nach der Asienkrise von 1997) und dank einem soliden Bankensystem wurde die Bonität indonesischer Staatsanleihen 2010 sowohl von Standard & Poor’s als auch von Fitch hochgestuft. Die politischen Entwicklungen sind ebenfalls vielversprechend, da Präsident Yudhoyono Chef der ersten gewählten Regierung ist, die nicht der «Vormundschaft» des IWF untersteht. Man erwartet, dass er die Staatsausgaben weiter erhöhen wird, um hartnäckige Infrastrukturengpässe zu beseitigen. Eine aufstrebende junge Mittelschicht, politische und finanzielle Stabilität sowie enge Beziehungen zu den mächtigen Nachbarn schaffen beste Voraussetzungen für den Konsum, den Rohstoffsektor und die Infrastrukturinvestitionen in Indonesien.

China blieb seit Jahresbeginn im Vergleich zu anderen asiatischen Börsen etwas zurück. Zurückzuführen war dies vor allem auf die schlechte Entwicklung im Finanzsektor. Dank dem starken Wirtschaftswachstum des Landes, moderaten Bewertungen und der voraussichtlichen Aufwertung des chinesischen Renminbi sind die Aussichten für chinesische Aktien aber weiterhin günstig.

Indien ist höher bewertet als China

Da China den Übergang zu einem qualitätsbasierten Wachstum vollzieht, sollten sich Anlagen auf Unternehmen konzentrieren, die gut positioniert sind, um vom Binnenkonsum und dem regionalen Wachstum in strategischen Wirtschaftssektoren wie Umweltschutz, Verkehr, Biotechnologie und Technologiegüter zu profitieren. Einige Firmen, die in diesen Sektoren aktiv sind, werden nach wie vor zu Bewertungen gehandelt, die gemessen an ihren Wachstumsperspektiven niedrig sind.

Anzeige

Indien seinerseits hat es versäumt, ausreichende Infrastrukturinvestitionen zu tätigen, sodass das Land mit seiner Industrialisierung im vergangenen Jahrzehnt ins Hintertreffen geraten ist. Gemeinsame Initiativen des öffentlichen und privaten Sektors sorgen jedoch für eine wachsende Zuversicht hinsichtlich der Umsetzung von Infrastrukturprojekten, während eine vermehrte Kreditvergabe das Wachstum zusätzlich ankurbelt. Ferner zieht der Konsum in den ländlichen Regionen dank den Arbeitsmarktreformen und der Verbesserung der Einkommenssituation der Bauern allmählich an. Diese Entwicklungen und die hohe Rentabilität der indischen Firmen spiegeln sich in dem Bewertungsaufschlag gegenüber anderen asiatischen Aktien. Aber zahlreiche attraktive Mid-Cap-Aktien im Konsum- und Maschinenbausektor sind in vielen Anlegerportfolios noch unterrepräsentiert.

Anzeige

Prämie gerechtfertigt

Das 21. Jahrhundert könnte das Jahrhundert «Chindonesiens» werden: Die gesunde Wirtschaftsentwicklung in Kombination mit den einzigartigen Stärken der einzelnen Länder eröffnet attraktive langfristige Anlagemöglichkeiten. Während kurzfristige Schwankungen durchaus möglich sind, sollten Investoren anerkennen, dass «Chindonesien» dank den hervorragenden langfristigen Aussichten einen Bewertungsaufschlag gegenüber entwickelten Märkten verdient - und dass diese Prämie vermutlich so schnell nicht verschwinden wird.