«Ja, wir profitieren eindeutig auch von der Finanzkrise», sagt Joachim Asbrede, operativer Chef von Asset4 in Zug. Der Weltmarktführer steht am Schnittpunkt von zwei globalen Trends: Einerseits fliesst immer mehr Geld in die Social Responsible Investments (SRI), bei denen Geld nach ökologisch-sozialverträglichen Kriterien angelegt wird. Immer mehr Pensionskassen interessieren sich für solche Kriterien bei ihren Anlageentscheiden. Andererseits nimmt das Bedürfnis der Anleger nach Informationen über die «weichen» Kriterien von Firmen zu.

«Gerade diese Seite wird oft unterschätzt», sagt Asbrede, «denn nur 16% der Börsenkapitalisierung einer durchschnittlichen Firma basieren auf den rein finanziellen Kriterien – der grosse Rest entfällt auf diese weiteren Faktoren.»

Suche in 10000 Quellen

Reputation, Umgang mit Ressourcen und der Umwelt oder das Engagement bei Gesundheit, Sicherheit und Nichtdiskriminierung sind solche weichen Kriterien von Firmen. Daten finden sich in Geschäftsberichten, auf Firmen-Webseiten und in Analysen. «Wir greifen auf über 10000 Quellen zu» sagt Asbrede, «die ausschliesslich öffentlich sind.»

Ein wichtiges Problem ist die fehlende Standardisierung. «Weil viele Berichte, welche Firmen selber herausgeben, auf freiwilliger Basis beruhen und meistens nicht auditiert sind, sind solche Angaben kaum vergleichbar», sagt Asbrede. Zwar gibt es die Global Reporting Initiative, mit der weltweit die Firmenberichte standardisiert werden sollen, aber Firmen legen diese Regelungen unterschiedlich aus.

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CO2-Ausstoss, gleiche Karrierechancen für Frauen und Männer oder die Beziehungen zwischen Management und den Mitarbeitern eines Unternehmens sind allgemein gültig. Nachhaltigkeitskriterien sollten immer für den Sektor eines Unternehmens relevant sein. Gesundheit der Mitarbeiter und Umwelt haben für Baufirmen oder Ölkonzerne eine andere Bedeutung als für Banken. Auch das Risikomanagement hat branchenspezifische Facetten – bei Banken gibt es andere Risiken als bei Pharmakonzernen.

Asset4 unterhält sein Hauptquartier in Zug und beschäftigt 220 Analysten auf Mauritius, in Indien und Zug. Diese ermitteln 900 Datenpunkte für jede analysierte Firma. Solche Informationen machen über 80% des Firmenwertes aus. Zu Umsatz und Gewinn macht das Unternehmen, das von institutionellen Investoren wie Merrill Lynch und Goldman Sachs sowie von Privatinvestoren gehalten wird, keine Angaben. Der Umsatz dürfte sich im mittleren zweistelligen Millionenbereich bewegen.

Schweizer nur Mittelklasse

Bei den Bewertungen stehen Schweizer Firmen im Mittelfeld. Schlechte Noten bekommen japanische Firmen aufgrund der intransparenten Informationslage. «Sehr gut schneiden Unternehmen aus Grossbritannien, den Niederlanden und Frankreich ab, wie aus einer im ‹Fortune› von uns vorgenommenen Auswertung hervorgeht» sagt Asbrede weiter. Die ersten Plätze gingen an Vodafone, General Electric und HSBC.

Dass es mit der HSBC eine Bank unter die drei Besten schafft, ist keine Überraschung. Das Unternehmen hat keine Subprime-Probleme. Im Gegensatz zur UBS und, in schwächerem Ausmass, der Credit Suisse. «Diese beiden Banken haben im letzten Jahr viele Plätze bei den Corporate-Goverance-Kriterien verloren», sagt Asbrede. Für mögliche Risiken bei der UBS gab es zuvor handfeste Indikatoren: Im Vergleich zu anderen Firmen wenige VR-Sitzungen und dazu Verwaltungsräte, die in der Bankindustrie kaum Erfahrung hatten.