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«Das Wetter ist immer schwieriger zu prognostizieren»

Jürg Trüb ist bei Swiss Re Experte für Agroversicherungen. (Bild: Keystone)

Die wirtschaftlichen Diskussionen um die Dürre in den USA zeigen: Nur ein Viertel der weltweiten Agrarproduktion ist versichert. Swiss-Re-Experte Jürg Trüb über neue Risiken, Wachstumsmärkte und Zucht

Von Volker Strohm (Interview)
am 22.08.2012

Handelszeitung Online: Was bedeutet die Dürre in den USA für die Agroversicherungssparte der Swiss Re?
Jürg Trüb:
Es ist noch zu früh, um darüber Angaben zu machen.

Ihr Mitbewerber Munich Re redet bei Rückstellungen von 160 Millionen Euro vom grössten Schaden in diesem Geschäft: Wie sieht Ihre Einordnung aus?
Auch zu dieser Frage können wir noch keine Angaben machen.

Inwieweit können Sie solche Szenarien in Ihren Modellen vorhersagen – und wie geschieht dies?
Die Preise der Agrarversicherungen in den USA sind grösstenteils staatlich festgelegt und berücksichtigen historische Daten. Eine Vorhersagekomponente ist nicht enthalten. Die Preise der privaten Rückversicherung sind ebenfalls auf historischen Daten basiert. Manche Marktteilnehmer berücksichtigen Trends in der Produktivität.

Welches sind die Wachstumstreiber im Bereich Agrarversicherungen?
Nahrungsmittelsicherheit ist ein Megatrend - getrieben vom Bevölkerungswachstum und vermehrtem Fleichkonsum, der einen entsprechend höheren Bedarf an Tierfutter mit sich bringt. Um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten, muss mehr produziert werden; insbesondere in Schwellenmärkten, wo die Produktivität noch vergleichsweise gering ist und grosse Flächen brach liegen.

Entsprechend steigt auch das Risiko.
Ja, Landwirtschaft ist ein risikoreiches Geschäft. Investoren und Versicherer decken entsprechend die vorhandenen Risiken zum Teil ab.

Mit teilweise schwer kalkulierbaren Faktoren.
Genau. Das Wetter ist aufgrund des Klimawandels immer schwieriger zu prognostizieren ist. Diese Mischung aus Marktwachstum und zunehmenden Risiken treibt das Wachstum der Agrarversicherung. Beispiel ist China, wo die Versicherungsprämien in der Landwirtschaft von zirka 50 Millionen Dollar in 2006 auf etwa 3 Milliarden Dollar in 2011 gewachsen sind.

Munich Re erzielt 70 Prozent der Prämieneinnahmen mit Agrarversicherungen in den USA: Wie sieht die geografische Aufteilung bei Ihnen aus?
In unserem Portfolio ist der US-Markt weniger wichtig, dafür sind wir stärker vertreten in Schwellenmärkten wie Indien, China, Lateinamerika und Afrika.

Welche Produkte und Schäden werden bei Agrarversicherungen am häufigsten versichert?
Als Nummer eins sind Ernteversicherungen für Getreide - also die sogenannte «Multi Peril Crop Insurance», Ertrags-  sowie Hagelversicherungen - zu nennen. Nummer zwei sind Nutzviehversicherungen. Und drittens Waldversicherungen. Daneben gibt es noch Nischen wie Versicherung für Fische, Gewächshäuser und weitere Pferde-Kategorien wie Renn- oder Zuchtpferde.

Jürg Trüb ist Managing Director Head Environmental & Commodity Markets bei Swiss Re.

 

Bildergalerie: Dürre in den USA - die Rohstoff-Profiteure (Stand: 2.8.2012)

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