Heutzutage wir pausenlos gezwitschert: Mehr als 200 Millionen Menschen nutzen Twitter. Täglich schicken sie 200 Millionen Kurznachrichten los. Sie geben Kneipentipps weiter, prangern Menschenrechtsverletzungen an, reden übers Wetter, organisieren Revolutionen.

Am Freitag feiert Twitter seinen fünften Geburtstag: Zwar ist der Dienst erst im März 2007 in San Francisco als eigenständiges Unternehmen gegründet worden - ausgegliedert als schnell wachsender Dienst der Firma Odeo. Die erste offizielle, funktionierende Twitter-Version ging aber bereits am 15. Juli 2006 an den Start. Der Dienst gewann schnell an Popularität und ist inzwischen zum konstanten Hintergrundrauschen des modernen Lebens angeschwollen.

Die Idee ist einfach: Twitter-Nachrichten, sogenannte Tweets, dürfen nur 140 Zeichen lang sein. Sie lassen sich übers Internet oder per SMS verschicken. Die Idee entwickelte Jack Dorsey mit seinen Kollegen Biz Stone und Evan Williams. Grenzenlose Vernetzung, direkte Kommunikation, Meinungsaustausch ohne Hürden - ermöglicht übers Internet, abrufbar am Computer oder am Mobiltelefon: Die drei Tüftler hatten früh das Gefühl, mit Twitter den Nerv der Zeit zu treffen. «Bei all dem Spass, den wir hatten, war im Hinterkopf doch immer die Vorstellung, dass sich daraus etwas Wichtiges entwickeln könnte», sagt Twitter-Mitbegründer Stone. «Das haben wir damals allerdings nicht laut gesagt.»

Instrument des sozialen Wandels

Die gegenwärtige Entwicklung bestätigt den anfänglichen Optimismus. 2010 verschickten Twitter-Nutzer 25 Milliarden Tweets - das waren 65 Millionen pro Tag. 2011 sind es schon täglich 200 Millionen. Derzeit melden sich täglich 460'000 neue Nutzer an. Twitter beschäftigt inzwischen 400 Menschen.

Die Plattform hat an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Was anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, ist zum machtvollen Instrument sozialen Wandels geworden. Die Demonstranten in der arabischen Welt etwa umgehen mit Twitter die staatliche Repression.

«Es ist nicht unbedingt ein Triumph der Technologie, sondern ein Triumph der Menschlichkeit», erklärt sich Stone den Erfolg. «Wir sind nicht erfolgreich wegen unserer Algorithmen und Geräte, sondern durch das, was die Menschen damit machen.» Und die Menschen machen viel damit, die Nutzerzahlen belegen es. «Es geht darum, den Interessen zu folgen, den Dingen, die einen faszinieren», sagt Stone. «Es geht um Nachrichten und Informationen, die man sonst nicht bekommen würde.»

Erfolgreich - aber nicht profitabel

Twitter verschafft den Nutzern Zugang zu Menschen, an die sie sonst nicht herankommen würden. Fans können zum Beispiel die Tweets ihrer Idole abonnieren und in Echtzeit verfolgen. Die meisten registrierten Abonnenten («Follower») hat Popstar Lady Gaga - es sind gut 11,5 Millionen. Teenie-Idol Justin Bieber kommt auf knapp elf Millionen, US-Präsident Barack Obama ist mit gut neun Millionen Followers der führende Politiker bei Twitter.

Twitter ist erfolgreich, und doch gibt es eine wunde Stelle: Die Beliebtheit schlägt sich noch nicht in Einnahmen nieder, in finanzieller Hinsicht ist Twitter nicht profitabel. «Wir sind erst in der Anfangsphase der Einnahmensteigerung"» sagt Stone. Mit einigen Partnerfirmen wird derzeit an bezahlten Werbe-Tweets gearbeitet. «Wir probieren aus, was funktioniert und was nicht», sagt Stone. Ein Börsengang sei nicht geplant.

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Mitbegründer Stone vergleicht den Entwicklungsstand von Twitter mit dem eines Kindes, das gerade erst in den Kindergarten kommt. «Wir stehen hier gerade erst am Anfang eines Lebens voller Potenzial und Abenteuer", sagt Stone. «In den vergangenen Jahren haben wir eigentlich erst Laufen gelernt.»

(rcv/laf/sda)