1. Home
  2. Datendieb arbeitete mit Ex-Steuerbeamtem zusammen

Unternehmen

Datendieb arbeitete mit Ex-Steuerbeamtem zusammen

Bei Julius Bär wurden Daten entwendet - doch wer war wie daran beteiligt? (Bild: Keystone)

Seit Juli sitzt der mutmassliche Julius-Bär-Datendieb L.O. in Untersuchungshaft. Nun wird ein pikantes Detail über einen seiner Komplizen bekannt: Dieser soll ein pensionierter Beamter der deutschen S

Veröffentlicht am 30.11.2012

Der mutmassliche Datendieb bei Julius Bär hat mit einem Deutschen zusammengearbeitet, der pensionierter Finanzbeamter ist - das berichtet der «Tagesanzeiger». Der Mann steht demnach zurzeit im Fokus der Ermittlungen der schweizerischen Bundesanwaltschaft.

Die «Handelszeitung» erfuhr aus Ermittlerkreisen noch konkreter: Bei dem Mann soll es sich um einen pensionierten Beamten der deutschen Steuerbehörden handeln. Die Bundesanwaltschaft wollte sich im «Tagesanzeiger» nicht zu Details des Verfahrens äussern, scheint laut den Recherchen der Zeitung aber über die Kontakte des ehemaligen Steuerbeamten zu L.O. «einigermassen gut im Bilde zu sein». 

Dem Bericht zufolge begannen die beiden Männer beim Golfen darüber zu diskutieren, ob sie Bankdaten an Steuerfahnder verkaufen sollten. Der Ex-Finanzbeamte übernahm die Rolle des Kontaktmanns zu den deutschen Behörden. Allerdings seien viele Fragen noch ungeklärt. Etwa, ob der Mann womöglich von Deutschland aus gezielt auf L.O. angesetzt wurde.

Steuerschuld von rund 1 Million Euro

Der mutmassliche Datendieb war im Juli in Zürich verhaftet worden und sitzt bis heute in Untersuchungshaft. Wie die «Handelszeitung» aufdeckte, handelte es sich dabei um den Deutschen L.O. Dieser hatte als Informatiker auf Kontraktbasis Zutritt zu den innersten IT-Systemen der Bank.

Weil Daten den Steuerfahndern im deutschen Bundesland Nordrhein-Westfalen zugespielt wurden, ermittelt die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen Verdachts auf wirtschaftlichen Nachrichtendienst. Laut Ermittlerkreisen machte L.O. geltend, er sei zur Tat von ausländischen Behörden angestiftet worden.

Gemäss Erkenntnissen von Mitte November scheint dies aber nicht der Fall zu sein: Offenbar hatte L.O. mit einem Golfsport-Unternehmen in Deutschland eine Steuerschuld von rund 1 Million Euro angehäuft. Die Schulden seien aber nicht als Druckmittel verwendet worden, sagen Kenner des Falls. Sie seien L.O. vielmehr nach erfolgter Lieferung «erlassen» worden.

Neben dem ehemaligen Steuerbeamten wird eine weitere Person als Komplize in dem Fall verdächtigt. Sie soll ebenfalls deutsche Staatsangehörige sein.

(tno/sg/vst)

Anzeige