Die Rohstoffpreise erlitten am Jahresanfang eine Korrektur, befinden sich jedoch seit Mitte Februar wieder in einer Erholung. Die wichtigsten Rohstoffindizes bewegen sich derzeit wieder etwa auf dem Niveau vom Jahresbeginn, das heisst, der Ausverkauf von Januar und Anfang Februar wurde bereits wieder wettgemacht. Eine besonders positive Eigenschaft der Erholung ist, dass die Rohstoffpreise nicht nur in Dollar, sondern in den meisten Währungen gestiegen sind. In Euro wurde bei einigen Indizes sogar ein neues Jahreshoch markiert. Diese Entwicklung zeigt, dass die Erholung bei Rohstoffen nicht nur auf den Wechselkursschwankun-gen basiert.

Weitere Preissteigerungen

Die mittelfristigen Fundamentalfaktoren sprechen unseres Erachtens für weitere Preissteigerungen, denn die Nachfrage verbessert sich mittlerweile an vielen Märkten. Der zunehmende Rohstoffverbrauch in den Schwellenmärkten und vor allem in China war in den letzten Monaten hauptverantwortlich für steigende Rohstoffpreise. Hier sorgte ein umfangreiches Konjunkturpaket für eine rasche Erholung des Wirtschaftswachstums. Zudem fördern Infrastrukturprojekte und der steigende Privatkonsum eine robuste Rohstoffnachfrage. Da die chinesische Nachfrage nicht mehr mit der inländischen Produktion gedeckt werden kann, führt dies zu einem Anstieg der Rohstoffimporte, was die globalen Preise unterstützt.

Allmählich zeichnet sich nun aber auch eine Nachfragebelebung in den Industrieländern ab, da sich dort die wirtschaftliche Situation ebenfalls verbessert. Der wirtschaftliche Aufschwung wird auch von den globalen Frühindikatoren bestätigt, wie beispielsweise von den globalen Einkaufsmanagerindizes. Diese verharren seit ein paar Monaten über der Schwelle von 50 und deuten daher eine weitere Expansion der Wirtschaft an. Der US-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe verzeichnete für März einen sehr hohen Wert von 59,6 - ein Niveau, welches zuletzt Mitte 2004 erreicht wurde. Da die Rohstoffe direkte Inputfaktoren für die Wirtschaft sind, steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, wenn sich die wirtschaftliche Aktivität verbessert. So werden beispielsweise wieder vermehrt Autos oder Elektrogeräte gekauft, bei deren Herstellung Metalle und Energie benötigt werden, oder es wird wieder vermehrt gereist. So hat zum Beispiel die US-Ölnachfrage gemäss dem US-Energiedepartement in den letzten Monaten wieder leicht angezogen.

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Ausserdem gibt es Hinweise auf eine beginnende Wiederauffüllung der Produzentenlager in den Industrieländern. Während der Rezession hatten Rohstoffkonsumenten, wie beispielsweise Autohersteller, ihre Rohstoffbestände stark verringert, da die reduzierten Auftragseingänge auch mit tieferen Materiallagerbeständen zu bewältigen waren. 2009 ist zum Beispiel der globale Kupferverbrauch im Vergleich zum Vorjahr um etwa 2% gesunken, während die Weltwirtschaft im 4. Quartal 2009 um mehr als 1,5% gegenüber demselben Quartal 2008 gewachsen ist. Dies deutet auf einen anhaltenden Lagerabbau am Jahresende hin. Diese Situation ändert sich nun aber. Im Zuge steigender Auftragseingänge werden die Materiallager wieder aufgestockt. Dies kann für eine Weile für eine gegenüber dem Wirtschaftswachstum überproportional steigende Nachfrage sorgen.

Industriemetalle mit Potenzial

Der Ausblick für die Rohstoffpreise dürfte sich vor diesem Hintergrund steigender Nachfrage weiter verbessern. Während die Anlageklasse bisher durch den wachsenden Konsum in den Schwellenmärkten getrieben wurde, ist nunmehr eine Nachfragebelebung in den Industrieländern zu beobachten, was die Preise in den kommenden Quartalen unterstützen dürfte. Die Konjunkturindikatoren signalisieren, dass die breiten Rohstoffindizes im Geschäftsjahr 2010 einen Gesamtertrag von 10 bis 20% erzielen könnten. Aufgrund unserer Erwartungen einer kontinuierlichen globalen Wirtschaftserholung und eines möglichen Lageraufbaus favorisieren wir weiter die zyklischen Rohstoffmärkte, vor allem aber die Industriemetalle.