Trotz Börsenturbulenzen und einem spannenden Experiment beim CERN sind sich alle Investoren einig, dass die Welt nicht untergehen wird. Viele setzen heute mit nachhaltigen Investments bewusst nicht auf kurzfristige Schwankungen, sondern auf Langfristigkeit. Dies lässt sich an den stetig steigenden Volumenzahlen dieses Anlagestils eindeutig ablesen: Nachhaltig Investieren liegt mehr denn je im Trend und etabliert sich zunehmend sowohl bei Privaten als auch Institutionellen als fester Bestandteil der Anlagestrategie.

Es kristallisieren sich zwei grundsätzliche Investitionstypen heraus: Einerseits die «Überzeugungstäter», die in erster Linie an den positiven Effekten der Nachhaltigkeit interessiert sind: Ihnen kommt es nebst finanzieller auf die extra-finanzielle (ökologische und soziale) Performance nachhaltiger Investments an.

Überzeugte und kühle Rechner

Der zweite Typus sind die «kühlen Rechner». Sie beurteilen jede potenzielle Anlage nach ihrem Renditepotenzial und dem (Diversifikations-)Effekt, der sich durch deren Beimischung im Portfoliokontext ergibt. Dieser zweite Typus betrachtet die Integration einer nachhaltigen Anlage in sein Gesamtportfolio meist als diversifizierender Anlagestil, der sich auszahlen soll – und zwar in Form finanzieller Mehrperformance des Gesamtportfolios bei gleichem oder tieferem Gesamtrisiko.

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Die Vermögensverwaltungsindustrie geht vermehrt dazu über, diese beiden Grundtypen differenziert zu bedienen. Ein Beispiel hierzu:

Im Mai dieses Jahres hat eine Studie («Das SRI-Performance-Paradox – Messung und Reporting der extra-finanziellen Performance nachhaltiger Anlagen») Aufmerksamkeit erregt, die vor allem beim Typus «Überzeugungstäter» auf grosses Interesse gestossen sein dürfte. Kernaussage dieser Publikation ist, dass Investoren in Nachhaltigkeitsprodukte nicht nur auf die finanzielle Performance achten sollten, sondern auch auf ökologische und soziale Kennzahlen. Die Studie schlägt hierfür zwei Indikatoren vor: CO2-Emissionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen.Diese zwei Indikatoren werden gesamthaft als Stellvertretervariablen für ökologisches und soziales Management verwendet. Dies wirft zumindest die Frage auf, ob Nachhaltigkeit nicht mehr ist als lediglich Klimawandel und Mitarbeiter. Wäre demnach ein Unternehmen bereits nachhaltiger, wenn es einfach mehr Arbeitsplätze schafft, die weniger produktiv sind und wenn es im Schwerpunkt auf CO2-freundliche Kernenergie setzt?

Keine Effekthascherei

Aber auch «kühle Rechner» stossen auf Publikationen, die ihre Ausrichtung unterstützen: Eine Studie von Freshfields weist darauf hin, dass sich gerade bei Pensionskassen viele Stiftungsräte fragen, inwiefern es ihnen überhaupt möglich ist, nebst finanziellen Zielen noch andere Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Diese Aussage basiert wohl auf der Überlegung, dass sich aus den Präferenzen Einzelner keine eindeutige Präferenz bezüglich der Wertvorstellungen des Destinatär-Kollektivs ableiten lasse.

Ob Überzeugungstäter oder kühler Rechner: Beide Gruppen beschäftigen sich mit dem Thema des nachhaltigen Investierens – wenn auch aus unterschiedlicher Perspektive. Ein gemeinsamer Nenner scheint zu sein, dass sich beide Lager über eine bessere Performance freuen. Und das Wissen, dass dabei auch noch ökologische und soziale Kriterien berücksichtigt worden sind, vergrössert die Freude am Erwirtschafteten.

Meine Erfahrung hat gezeigt: Nur auf Dauer ausgelegtes, auf solidem Fundament ruhendes Investieren zahlt sich langfristig aus. Und dazu gehört meines Erachtens ganz klar, dass man nebst den rein finanziellen Kriterien auch soziale und ökologische Kriterien berücksichtigt. Am Ende wird sich die Einsicht durchsetzen, dass hier kein Paradoxon vorliegt: Die Kombination von finanziellen, ökologischen und sozialen Kriterien wird sich auszahlen – in allen Dimensionen. Etablieren werden sich jene Anbieter, die es verstehen, dieses Gesamtziel frei jeglicher Effekthascherei zu erreichen.