Der PC-Hersteller Dell leidet immer stärker unter dem Siegeszug der Tablet-Computer und Smartphones. Im dritten Geschäftsquartal fiel der Umsatz um 11 Prozent auf 13,7 Milliarden Dollar. Der Gewinn halbierte sich im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 475 Millionen Dollar.

Die Zahlen, die das Unternehmen am späten Donnerstag am Sitz im texanischen Round Rock mitteilte, fielen noch deutlich schlechter aus, als Analysten befürchtet hatten. Einzig das Geschäft mit Servern - leistungsstarken Firmenrechnern - konnte noch zulegen. Ansonsten standen in allen Sparten Minuszeichen.

Die Dell-Aktie fiel am Freitag kurz nach Börseneröffnung um mehr als 7 Prozent. Seit Jahresbeginn hat der Titel mehr als ein Drittel seines Wertes eingebüsst.

Harte Konkurrenz

Dell muss sich gewaltig strecken, um nicht weitere Marktanteile an die Konkurrenz zu verlieren. Dazu will der inzwischen hinter Marktführer Hewlett-Packard und den chinesischen Rivalen Lenovo zurückgefallene Branchendritte sich vermehrt auf Produkte und Dienstleistungen für Unternehmen konzentrieren.

Doch wann deren Investitionen wieder anziehen werden, hängt noch völlig in der Schwebe. «Es ist nicht klar, was sie dazu bewegen soll, ihre Ausgaben kurzfristig zu erhöhen, da die wirtschaftlich Entwicklung ungewiss ist», sagte Dell-Finanzchef Brian Gladden nach der Bilanzvorlage am Donnerstagabend.

Deutliche Einbussen

Dell hatte versucht, sich mit einem Ausbau des Service- und Software-Geschäfts unabhängiger vom PC-Markt zu machen. Notebooks und Tischrechner stehen aber immer noch für rund die Hälfte des Umsatzes. Ein Rückgang der Verkäufe in den beiden Sparten von zuletzt 26 Prozent beziehungsweise 8 Prozent fiel dadurch schwer ins Gewicht.

Insbesondere Privatkunden entscheiden sich immer häufiger gegen die Neuanschaffung eines PCs und holen sich stattdessen ein Smartphone oder einen Tablet-Computer. Auch die unsichere Wirtschaftslage trug dazu bei. Besonders stark fiel der Umsatz in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.

HP legt nach

Nach Daten der Marktforschungsfirma Gartner waren die PC-Auslieferungen von Dell im dritten Kalenderquartal um 14 Prozent gefallen. Branchenweit betrug der Rückgang 8 Prozent. Unter den Branchengrössen konnte einzig der chinesische Hersteller Lenovo zulegen.

In der kommenden Woche legt Hewlett-Packard seine Zwischenbilanz vor. Auch der grössere Rivale hatte zuletzt unter einem Verkaufsschwund gelitten. Hinzu kamen Managementfehler. Folge bei HP ist ein massiver Stellenabbau, bei dem 29'000 Jobs wegfallen, davon 232 in der Schweiz.

(jev/tno/sda)

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