Laut des Konsumreports der ZKB 2008 legen die Verkaufszahlen von ökologischen Produkten in der Schweiz mächtig zu: Bioprodukte, Hybridautos, effiziente Haushaltgeräte und Ökostrom werden immer häufiger gekauft. Sie sind nicht länger mehr Nischenprodukte für einen kleinen Kreis von Konsumenten, sie werden salonfähig. Dieser Trend zeigt sich insbesondere auch für den Bereich des Ökostroms: Rund 15% der Schweizer Haushalte haben im vergangenen Jahr Strom aus erneuerbaren Energien bezogen. Der Anteil an Ökostromprodukten stieg im Vergleich zum Vorjahr um 63% auf 4680 GWh. Dies sind erfreuliche Zahlen, obwohl im Evaluationsbericht zur Stromkennzeichnung des Bundesamtes für Energie (BfE) vom November 2007 sogar die meisten Kunden angaben, umweltfreundliche Stromprodukte zu beziehen. Bei einem Teil ist dies aber offenbar nur ein Lippenbekenntnis, wie die erhobenen Zahlen zeigen.

Nahrungsmittel machen es vor

Damit sich die Konsumenten bewusst für Ökostrom entscheiden, müssen gewisse Bedingungen erfüllt sein. Ähnlich funktioniert es im Nahrungsmittelsektor. Ein Mehrpreis für ein Produkt wird nur in Kauf genommen, wenn dieses auch wirklich einen ökologischen Mehrwert belegen kann. Das entsprechende Produkt muss also gewisse objektive Kriterien erfüllen, die nachprüfbar sind. Meist werden diese unter zertifizierten Labels zusammengefasst. Die Labels müssen dabei von einer unabhängigen Instanz vergeben und die Kriterien regelmässig überprüft werden. Labels, die ein Anbieter selbst erfindet und überprüft, haben bei den Konsumenten eine geringe Glaubwürdigkeit. Ist aber die Unabhängigkeit belegt, so ist auch das Renommee des entsprechenden Labels gegeben. Bestes Beispiel dafür ist in der Nahrungsmittelbranche die Bio-Knospe. Hier kann der Kunde neben dem bekannten Label auf der Etikette auf jedem Produkt nachlesen, woher dieses stammt und wer den Produktionsbetrieb überprüft hat. Dies bringt für ihn die grösstmögliche Transparenz und Sicherheit.

Genau darin liegt eine der Schwierigkeiten für die Zertifizierung von Stromprodukten. Denn der Konsument bekommt nicht unbedingt jenes Produkt wirklich physikalisch in die Steckdose geliefert, für das er einen Mehrpreis für mehr Ökologie bezahlt. Dies ist für viele Kunden schwer verständlich und weckt ihr Misstrauen. So moniert eine Konsumentin in einem Leserbrief in «Der Bund» vom 11. Oktober 2008: «Was bei unserer Steckdose hinausfliesst, ist nicht kontrollierbar. Es gibt keine Garantie, dass es nicht Strom aus einem KKW ist. Sobald ich sicher sein werde, dass das Elektrizitätswerk mir nur noch alternativ produzierten Strom liefert, werde ich, wenn nötig gerne bereit sein, mehr zu bezahlen.»

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Strom ist komplizierter

Um das Misstrauen der Konsumenten zu beseitigen braucht es als Erstes genügend Informationen über die realen physikalischen Tatsachen, es muss also erklärt werden, dass Elektrizität nicht in getrennten Warenketten produziert und geliefert werden kann, wie dies für Lebensmittel möglich ist, sondern dass aller Strom in einem sogenannten Stromsee vermischt wird oder dass der ökologische Mehrwert eventuell gar nicht vor Ort produziert wird, sondern mit einem Zertifikat hinzugekauft wurde. Dies zeigt, dass Stromlabels immer wesentlich grössere Anforderungen an das Abstraktionsvermögen, aber auch an das Vertrauen in die Kontrolle erfordern, als dies für Nahrungsmittel-Labels der Fall ist.

Eine zweite Schwierigkeit für die Kleinkonsumenten besteht gegenwärtig darin, dass die Stromunternehmen ihre Ökostromprodukte nicht in erster Linie durch ein einheitliches Label auszeichnen und positionieren, sondern sie mit Eigennamen verkaufen wollen. Dies, obwohl ihnen mit dem Naturemade-Star-Label ein gut eingeführtes Label mit klar definierten Kriterien, einem gut nachweisbaren Mehrwert und zusätzlichen Förderabgaben, die einen Zubau an Ökostrom garantieren, zur Verfügung steht. Sie preisen den Konsumenten lieber Produkte unter diversen Namen an, obwohl von «Authentic water» über «Jade» zu «Naturpower» alle Produkte Naturemade-Star- oder Naturemade-Basic-(Naturpower)-zertifiziert sind. Für die Konsumenten erscheinen diese Produktenamen wie Labels, deren Glaubwürdigkeit sie aber schlechter beurteilen können, da sie vom Produzenten stammen. Für die Konsumenten wäre eine starke Positionierung des Labels Naturemade ein einfacherer Zugang zu Ökostromprodukten.

Man kann zwar verstehen, dass sich Unternehmen auch im Bereich der Ökostromangebote unterschiedlich positionieren wollen. Gänzlich unverständlich ist aber, dass nicht alle das Label Naturemade konsequent kommunizieren. Dies umso mehr, als das Label zwei unterschiedliche Stufen zur Verfügung stellt, sodass mit Naturemade-Basic-Produkten erneuerbarer Strom zu einem tieferen Preis gekauft werden kann und gleichzeitig Umweltmassnahmen und neue erneuerbare Energie unterstützt werden können. Auch wird durch Naturemade-Star-Produkte die Wasserkraft zusätzlich ökologischer. Zudem sind im Gegensatz zur kostendeckenden Einspeisevergütung (KEV) diese Massnahmen freiwillig vom Markt gewählt und finanziert.

Egal, ob sich der Konsument in einem Marktsystem ohne Liberalisierung oder in einem liberalisierten Markt bewegt, für die Wahl eines teureren Produktes zur Förderung der Nachhaltigkeit ist ein unabhängig vergebenes und überwachtes Label von Bedeutung. Die Vertrauenswürdigkeit bei einem komplexen Produkt, wie Strom dies ist, wird dabei am besten garantiert, wenn das Label von einer Trägerschaft gestützt wird, in der auch namhafte NGO vertreten sind, die sich für die Natur, die Umwelt und die Konsumenten einsetzen. Das trifft auf Naturemade des Vereins für umweltgerechte Elektrizität (VUE) zu.