Dividenden liefern bei einem Unternehmen das ultimative Indiz für die Finanzdisziplin und das Bekenntnis zum Schaffen von Aktionärsmehrwert, also von Shareholder Value. Eine progressive Dividendenpolitik ist nämlich das Spiegelbild eines nachhaltigen Gewinnwachstums, denn ohne Wachstum ist keine über die Zeit hinweg steigende Dividendenausschüttung möglich. Regelmässig werden von Konzernleitungen Millionensummen verschwendet, um unrealistische Wachstumsziele zu erreichen. Kontinuierlich wachsende Dividendenzahlungen dagegen sorgen dafür, dass die verfügbaren Gelder nur in die Projekte des Unternehmens reinvestiert werden, die die besten Erfolgsaussichten haben. Der Rest wird konsequent den Aktionären ausgeschüttet.

Mehr Dividende heisst mehr Kursgewinn

Unternehmen, die diesen Ansatz bei ihrer Kapitalallokation einbeziehen, werden in der Regel für ihre Finanzdisziplin mit steigenden Aktienkursen belohnt, die weitaus höher sind, als das beim Marktdurchschnitt der Fall ist. Ein Beispiel: Während der amerikanische S&P 500 Index in den vergangenen zehn Jahren 5 Prozent an Kapital verlor und die Gesamtrendite inklusive Dividenden wenigstens bei 15 Prozent lag, erzielten die «US-Dividenden-Überflieger» - das sind Unternehmen, die in den vergangenen 25 Jahren ihre Dividende stetig erhöht haben - einen Anstieg um durchschnittlich über 90 Prozent, und das allein durch den Aktienkurs. Zusätzlich zu diesem enormen Kapitalgewinn profitierten Investoren auch von der steigenden Dividendenausschüttung. Akkumuliert auf zehn Jahre ergab sich dadurch eine Gesamtrendite von über 145 Prozent.

Zu diesen «Dividenden-Überfliegern» zählen in den USA 90 Firmen, unter anderem bekannte Namen wie Procter & Gamble, Coca-Cola oder Johnson & Johnson. Procter & Gamble beispielsweise zahlt seit 56 Jahren (!) ununterbrochen eine Jahr für Jahr steigende Dividende. Coca-Cola und Johnson & Johnson liegen nicht weit dahinter und schütten seit 48 Jahren wachsende Dividenden aus. Die Liste ist aber keineswegs nur auf Firmen mit starken Konsumgütermarken begrenzt. 3M, Wal-Mart, McDonald’s und Exxon Mobil zählen ebenfalls zu den Titeln, die seit vielen Jahren stetig steigende Dividenden ausschütten.

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Einige Staaten bieten Steuervorteile

Aber nicht nur in den USA gibt es hervorragende Möglichkeiten für Stock-Pickers, die auf der Suche nach Firmen mit einer progressiven Dividendenpolitik sind, sondern auch zunehmend in Ländern wie Australien oder Brasilien. Diese beiden Märkte sind interessant, da für Dividenden-Investoren die Steuerpolitik und die gesetzlichen Rahmenbedingungen äusserst vorteilhaft sind.

So können nach australischem Recht nämlich Unternehmen bei der Dividendenausschüttung angeben, dass die Dividenden bereits mit Körperschaftssteuer belegt wurden, und daher ihre Ausschüttung in Form sogenannter frankierter Dividenden vornehmen. Das bedeutet, dass der Gesamtertrag aus australischen Anteilen die vom Unternehmen ausbezahlte Bar-Dividende zuzüglich einer Steuergutschrift enthält. Und in Brasilien sind die Firmen gesetzlich verpflichtet, mindestens 25 Prozent ihrer Nettogewinne in Dividenden auszuschütten.

Im Hinblick auf eine Fundamentalbewertung der Firmen in Australien und Brasilien fällt zudem die Qualität der Managementteams auf - das australische Gesundheitsunternehmen CSL oder die Banco do Brasil sind zwei Paradebeispiele dafür. CSL ist spezialisiert auf Plasmaprodukte und Impfstoffe und konnte die Dividende seit der Kotierung 1994 mit einer Ausnahme in jedem Jahr steigern. Die Ausschüttung ist mittlerweile 40-mal so hoch wie beim Börsengang. Banco do Brasil seinerseits, das führende Finanzinstitut in Brasilien, hat sich von einem bürokratischen, defizitären Staatsbetrieb zu einer innovativen und profitablen Bank gewandelt, die sich gegenüber den Aktionären verpflichtet sieht. Die Beispiele zeigen: Für global orientierte Anleger bietet die Dividendenstrategie attraktive Chancen.