Die umfangreiche Überprüfung der grössten Banken in Europa geht auf die Zielgerade. Am nächsten Sonntag wollen die Europäische Zentralbank (EZB) und die Londoner Bankenaufsicht EBA die Ergebnisse des Bankenstresstests veröffentlichen. Dann wird nach Monaten der Spannung feststehen, wie gross mögliche Kapitallücken sind. Die Ergebnisse können Sprengkraft haben.

Die Daten der zweigeteilten Übung - Bilanzcheck und Stresstest - sind bereits zusammengeführt. In ersten Gesprächen haben die Aufseher den Banken auch schon ein ungefähres Bild vermittelt, wo sie stehen. Genaue Zahlen haben die Banken aber noch nicht. Andernfalls müssten sie das direkt dem Kapitalmarkt mitteilen.

Stresstest basiert auf Daten von 2013

Der Stresstest basiert auf den Jahresabschlüssen von 2013. Was die Banken seitdem gemacht haben, um ihre Bilanzen zu stärken, wird weit weniger detailliert mitgeteilt. Es könnte also sein, dass eine Bank auf Basis der 2013er-Daten durchfällt, aber ihre Hausaufgaben seitdem erledigt hat, indem sie Risikopositionen abgebaut oder Kapital gestärkt hat.

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Die deutschen Banken sind jedenfalls optimistisch. Die Institute seien gut kapitalisiert, sagt der Präsident des Bankenverbandes BdB, Deutsche-Bank-Co-Chef Jürgen Fitschen. Auch bei Commerzbank und NordLB, die wegen umfangreicher Schiffskredite als Wackelkandidaten gehandelten wurden, deutet sich Medienberichten zufolge ein erfolgreiches Abschneiden an.

HSH Nordbank als Sorgenkind

Grösstes Sorgenkind unter den deutschen Instituten ist die HSH Nordbank. Die Landesbank von Hamburg und Schleswig-Holstein ist traditionell weltweit die Nummer eins im kriselnden Schiffsgeschäft und ohnehin angeschlagen wegen Fehlinvestments vor der Finanzkrise. Dass das Institut überhaupt noch existiert, verdankt es den Steuerzahlern. Bei der Münchner Hypothekenbank ist seit Juli bekannt, dass sie die Testkriterien formell nicht erfüllt hat.

Im Sommer klang es noch anders: Die deutschen Banken warnten damals vor Ungereimtheiten beim umfassenden Bilanz-Check. Die Branche befürchtete, dass sich die EZB bei dem Stresstest zu stark auf pauschale Annahmen stütze statt auf die bei den Banken erhobenen Daten. Es gebe nicht nur die Gefahr, dass eine insolvenzreife Bank die Prüfung bestehe, auch das Scheitern einer gesunden Bank sei möglich, sagte Gerhard Hofmann, Vorstandsmitglied des Genossenschaftsbankenverbandes BVR. Unterstützung erhielt er von Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret.

Gelassenheit in ganz Europa

Mittlerweile herrscht aber europaweit demonstrative Gelassenheit. Viele Geldhäuser haben bereits gehandelt und Altlasten abgebaut. Bei einigen Wackelkandidaten sind harte Schnitte auch schon beschlossen. So ist die portugiesische Banco Espírito Santo (BES) bereits im Sommer aufgespalten worden. Die ÖVAG wird im nächsten Jahr als Spitzeninstitut des österreichischen Volksbankensektors abgewickelt.

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Auch wenn es am Ende möglicherweise wenig geben wird, die den Test eindeutig nicht bestehen, sehen die Aufseher schon jetzt Erfolge der Überprüfung. Das Bankensystem sei sicherer geworden, meint Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret: Die Institute hätten europaweit ihre Bilanzen um rund 200 Milliarden Euro gestärkt.

Ähnliches vernimmt man auch aus Kreisen der Ratingagentur Fitch. Sie geht davon aus, dass europaweit die meisten Banken bestanden haben. Und bei denen, die durch den Test fielen, seien die Probleme, die noch Ende 2013 bestanden hatten, inzwischen behoben. Allein im ersten Halbjahr 2014 hätten die Teilnehmer am Bilanzcheck 31 Milliarden Euro frisches Eigenkapital aufgenommen.

(reuters/ise)