Der Kurznachrichtendienst Twitter hat Börsianer mit einem mässigen Kundenwachstum erschreckt. Das kalifornische Unternehmen vermeldet ein seinem ersten Quartalsbericht als börsennotierter Konzern, die Zahl der monatlichen Nutzer sei im vierten Quartal auf durchschnittlich 241 Millionen geklettert. Dies ist zwar ein Anstieg von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, blieb jedoch hinter den Hoffnungen von Börsenexperten zurück.

Mehr Umsatz

Im Vergleich zum Vorquartal ist es zudem nur ein Plus von 3,8 Prozent - so wenig wie noch nie, seit Twitter diese Zahlen veröffentlicht. Die Aktie stürzte deshalb im nachbörslichen Handel zehn Prozent ab. Der Dienst mit den 140-Zeichen-Meldungen steigerte seinen Umsatz auf 243 Millionen Dollar und übertraf damit die Erwartungen der Analysten. Twitter hatte Anfang November ein spektakuläres Börsendebüt gefeiert.

Die von Twitter veröffentlichten Zahlen offenbarten zudem, dass die Nutzer die Seite nicht mehr so häufig besuchen wie zuletzt: Die «Timeline Views» fielen auf 148 Milliarden von zuvor 159 Milliarden. «Dieser Bericht stellt infrage, wie massentauglich die Plattform Twitter ist», erklärte Arvind Bhatia von Sterne, Agee & Leech.

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Kritische Fragen an Twitter-Chef

Twitter-Chef Dick Costolo musste sich denn auch kritische Anmerkungen von Analysten gefallen lassen. Die Experten hakten vor allem bei der Frage nach, wann die Anzahl der Twitter-Nutzer wieder schneller wachsen werde.

Er habe «grosses Vertrauen», dass das Gefälle der Nutzer-Kurve sich 2014 wieder ändern werde, sagte Costolo. Weitere Einzelheiten nannte er nicht. Seinen Optimismus stützte Costolo auf eine neue Gestaltung und auf Initiativen, durch die unter anderem neuen Nutzern der Zugang erleichtert werden soll.

Twitter stand ohnehin unter Erklärungsdruck, weil noch immer etwas unklar ist, wie die Internetseite langfristig Geld verdienen will. Twitter setzt wie Facebook vor allem auf Werbung, kann aber viele Kunden nicht dazu bewegen, sich täglich einzuloggen.

Immerhin steigerte der Dienst mit den 140-Zeichen-Meldungen im vierten Quartal seinen Umsatz auf 243 Millionen Dollar. Mehr als 75 Prozent der Werbeeinnahmen seien über das mobile Anzeigengeschäft auf Tablets und Smartphones erwirtschaftet worden.

511 Millionen Dollar Verlust

Ein rasanter Anstieg von Investitionen in Vertrieb, Entwicklung und Marketing brockte dem Unternehmen gleichzeitig einen Netto-Verlust von 511 Millionen Dollar ein. Hier spielten vor allem die einmaligen Kosten des Börsengangs eine Rolle.

Twitter hatte erst Anfang November ein spektakuläres Börsendebüt gefeiert. Damals waren die Aktien von einem Ausgabepreis von 26 Dollar um mehr als 70 Prozent in die Höhe geschossen. Vor Bekanntgabe der Ergebnisse kosteten die Papiere an der New Yorker Börse rund 66 Dollar.

Investoren rechtfertigten diese Bewertung mit der Hoffnung, dass Twitter irgendwann eine ähnliche Grösse wie Facebook mit einer fünf mal höheren Nutzerzahl erreichen kann. Ende des Jahres führten die Zweifel an der finanziellen Zukunft von Twitter schon einmal dazu, dass die Aktie an einem einzigen Tag 13 Prozent abstürzte.

Seit der Gründung defizitär

Im Gegensatz zu Twitter konnte Facebook die Anleger mit seinen jüngsten Geschäftszahlen begeistern: Im Schlussquartal 2013 nahm das weltgrösste Online-Netzwerk erstmals mehr mit Anzeigen auf mobilen Geräten als auf herkömmlichen Computern ein. Der Konzernumsatz legte überraschend stark um fast zwei Drittel auf 2,6 Milliarden Dollar zu.

Twitter ist seit seiner Gründung im Juli 2006 defizitär. Die Neuemission im vergangenen November war dennoch der grösste Börsengang in der Technologiebranche seit jenem von Facebook im Mai 2012. Das Unternehmen wird aktuell mit mehr als 36 Milliarden Dollar bewertet.

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(reuters/sda/dbe/chb)