Bereits vor einigen Tagen haben die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank of England angekündigt, welche nächsten Schritte sie zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise einleiten werden. Die Schweizerische Nationalbank (SNB) gibt am Donnerstag, 18. Juni, ihr weiteres Vorgehen bekannt.

«Wir erwarten keinen Paukenschlag von der SNB», sagt Felix Brill, Ökonom der UBS. Vielmehr rechnet er mit Ausführungen zu den unkonventionellen Massnahmen, die im März lanciert wurden. Insbesondere der Kauf von in Franken ausgegebenen Firmenobligationen steht im Fokus. Diese haben für eine gewisse Entspannung am Schweizer Kapitalmarkt gesorgt. «Allerdings hat die SNB bisher keine Details hinsichtlich Umfang, Art oder Zeitpunkt der Käufe preisgegeben, was die Analyse erschwert», so Brill. Daneben wird wohl die Bereitschaft zu weiteren Devisenmarktinterventionen zur Vermeidung einer Aufwertung des Frankens bekräftigt.

Eine Aufwertung des Frankens erhöht die Deflationsgefahren und ist zudem eine Belastung für den Schweizer Exporthandel. Bei der UBS erwartet man jedoch beim wichtigsten Wechselkurs eine gewisse Entspannung und geht innerhalb der nächsten zwölf Monate von einem Euro-Franken-Kurs von 1.55 Fr. aus. Die längerfristigen Repo-Geschäfte als 3. Pfeiler der unkonventionellen Massnahmen hätten ihr Ziel erreicht und für eine Entspannung am Interbanken-Markt gesorgt, deshalb würden sie wohl weitergeführt.

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Zinsen bleiben langfristig tief

Von einem weiteren Absinken des Zinsniveaus ist derzeit nicht auszugehen. Der Dreimonats-Libor liegt bei 0,4%, und damit zwar leicht über dem angestrebten Wert von 0,25%, aber dennoch innerhalb des SNB-Zielbandes von 0 und 0,75%. Die Experten von Morgan Stanley erwarten, dass der Zinssatz in den nächsten Monaten auf dem derzeitigen Niveau verharrt. Die Analysten der Credit Suisse gehen aufgrund verschiedener Vorlaufindikatoren davon aus, dass erst innerhalb der nächsten 12 bis 24 Monate wieder mit Zinserhöhungen zu rechnen ist.

Inflationsrisiken ungemindert

Die in den Markt gepumpte Liquidität muss zum richtigen Zeitpunkt abgeschöpft werden. Mit Spannung erwarten Beobachter daher Aussagen der SNB zu allfälligen Inflationsszenarien. Erste Anzeichen einer konjunkturellen Aufhellung und der Anstieg bei den Rohstoffpreisen geben den Spekulationen Antrieb. Eine Möglichkeit für Investoren, sich auf allfällige Inflationsszenarien einzustellen, sind inflationsgebundene Anleihen. Dadurch, dass der Nominalwert der Inflation angepasst wird, bieten sie einen gewissen Schutz. In Franken sind derzeit keine «Linker» erhältlich, jedoch sind in Euro verschiedene Vehikel verfügbar. Investoren, die auf diese Papiere setzen, gehen damit auch ein gewisses Fremdwährungsrisiko ein. Eine einfache Art in Inflation-Linked Bonds zu investieren sind Exchange Traded Funds (ETF), etwa der iShares EUR Inflation Linked Bond (Valor 2308827) oder der Lyxor ETF EuroMTS Inflation Linked (Valor 2110486).

Firmenbonds mit Potenzial

Nicht nur der Franken, auch Schweizer Staatsanleihen waren in turbulenten Zeiten gesuchte Anlagen. In der Folge kam es zu einem Rückgang der Renditen bei Bundesobligationen. In den USA und auch in Grossbritannien nimmt die Staatsverschuldung deutlich stärker zu, mit den entsprechenden Auswirkungen auf die Renditen. Da die Neuverschuldung des Bundeshaushaltes nur geringfügig ansteigt, sind Schweizer Bundesobligationen gegenüber den Anleihen anderer Staaten in einer vorteilhaften Position. Die Renditen von 10-jährigen Staatsanleihen notieren derzeit bei vergleichsweise tiefen 2,5%. Die Renditen von 2-jährigen Eidgenossen tendieren noch tiefer bei etwa 0,5%. «2005 lagen die Renditen der 10-jährigen sogar noch tiefer», so UBS-Ökonom Brill. Die Experten der Bank Sarasin erwarten, dass Unternehmensanleihen vom zunehmenden Risikoappetit profitieren können.

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Trotz der jüngsten Rally und der zunehmenden Ausfallsraten, sind Firmenbonds noch immer unterbewertet. Laut den Analysten der Bank Sarasin könnte ein Rückgang der Risikoprämien den Anstieg der Zinsen wettmachen und so Unternehmensanleihen weiterhin attraktiv bleiben.