Worin unterscheidet sich das SKU-Diplomprogramm in Unternehmensführung von anderen Executive-Seminaren?

Luc Estapé: Der entscheidende Unterschied ist, dass wir mit Strategieberatern konkurrieren und nicht mit anderen Ausbildungsstätten. SKU arbeitet nicht mit Cases und entlässt dann die Teilnehmer mit einem Rucksack voll Theorie. Hier geht es ganz klar um konkrete Inhalte. Die Kursteilnehmer erarbeiten ihre eigene Strategie. Um diese Kompetenz zu erreichen, erlernen sie bei SKU erst einmal die Methodik zur Strategieentwicklung. Die Coaches sind erfahrene Unternehmer, von denen die meisten ebenfalls die SKU-Kaderschmiede absolviert haben.

Wie läuft das genau ab?

Estapé: Die rund 60 Teilnehmer pro Jahr sind ausnahmslos Führungskräfte mit verschiedenen Hintergründen und Funktionen. Daraus bilden wir kleine Gruppen von acht bis zehn Personen unter dem Begriff «Stammgruppe». Hier entwickelt jeder Teilnehmer seine eigene Strategie und präsentiert sie der Runde. Darunter kann der Marktgebietsleiter einer Bank sein, ein KMU-Chef im Hightech-Bereich oder im Printwesen. Oder auch ein Mitarbeiter eines technischen Grosskonzerns, der eine landesstrategische Neuausrichtung plant. Wenn dann etwa ein Finanzchef seine Strategie präsentiert, erklärt ihm vielleicht eine Marketingexpertin, warum diese Strategie aus ihrer Sicht nicht klappen kann. Ein Personalchef hat dazu wieder eine andere Meinung. Durch die gegenseitigen Vertraulichkeitsvereinbarungen wird innerhalb der Stammgruppe mit sehr offenen Karten gespielt, wodurch die Strategie extrem umsetzungsbereit ist.

SKU verzichtet auf eine Prüfung als Abschluss der rund acht Monate dauernden Ausbildung. Wie lässt sich da überhaupt ein Erfolg messen?

Estapé: Das Resultat, dass die teilnehmenden Unternehmen insgesamt 80% der im SKU erarbeiteten Strategien erfolgreich umgesetzt haben, gibt uns Recht. Diese Zahl werden wir durch Alumni-Befragungen erhärten. Wir verzichten auf eine Prüfung, die lediglich Wissen abfragen kann. Die Umsetzung der Strategie ist die aussagekräftigste Prüfung, der man sich stellen kann. Das muss unser Erfolgsausweis sein.

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Die Führungskräfte sind im Schnitt 44 Jahre alt und männlich. 2007 erblickte man unter den 52 Teilnehmern nur zwei Frauen. Beides ist recht ungewöhnlich.

Estapé: Die Voraussetzung lautet strikt, mindestens zehn Jahre Führungserfahrung nachweisen zu können und eine strategiegestaltende Aufgabe im Unternehmen zu erfüllen. Konsequenterweise sind diese Leute älter als der Schnitt zum Beispiel bei den MBA-Studierenden. Wir müssen immer wieder Interessenten ablehnen, die diese Grundvoraussetzungen nicht erfüllen. Dass so wenige Frauen dabei sind, liegt wohl auch daran, dass sie noch immer zu selten Führungspositionen einnehmen. Da können wir nur die Realität spiegeln, nicht gestalten.

Ihre Teilnehmer kommen zu 100% auf Empfehlung. Heisst das, dass jeder Einzelne von seinem Unternehmen delegiert wird? Oder kommt gelegentlich auch einmal eine direkte Anfrage?

Estapé: Etwa die Hälfte der Teilnehmer sind Führungskräfte von Grossunternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern. Die Verbundenheit einiger CEO zeigt sich darin, um ein Beispiel zu nennen, dass im neuen Kurs vier, fünf Teilnehmer sitzen, deren VR-Präsident vor mehr als 20 Jahren bereits den SKU gemacht hat und jetzt seinen CEO schickt. Arbeitgeber schätzen SKU als Institution wegen der Inhalte und der Praxisnähe. Direkte Anfragen ohne Empfehlung kommen daher kaum vor.

Wie erklären Sie sich diese enge Liaison mit dem SKU?

Estapé: Das gegenseitige Lehren und Lernen in einer Atmosphäre des Vertrauens verbindet dauerhaft. Die Teilnehmer kennen sich sehr gut, und im Gegensatz zu den oft weltweit verstreuten MBA-Absolventen funktioniert das SKU-Netzwerk aufgrund der Nähe sehr gut. Manchmal entstehen lebenslange Kontakte und Freundschaften. Dazu finden beispielsweise Firmenbesichtigungen und Abendveranstaltungen im Sinn von Kaminfeuergesprächen mit renommierten CEO statt. Die Strategie muss global, das Netzwerk aber lokal sein.

Wo findet man bei SKU den globalen Ansatz?

Estapé: Ein globaler Approach heisst nicht, dass die Teilnehmer möglichst viele Nationalitäten und Sprachen abbilden müssen, sondern, dass die Kursinhalte die internationale Verflechtung eines Unternehmens spiegeln und weiterentwickeln können müssen. Die Inhalte sind auf die Bedürfnisse von Schweizer Unternehmen ausgerichtet: Angesichts der internationalen Verflechtung der Schweizer Unternehmen beinhaltet das offensichtlich auch Themen der internationalen Marktdurchdringung und auch beispielsweise der weltweiten Rekrutierung. Schweizer Unternehmen sind in der Weltwirtschaft eingebunden, und auch wir bilden diese Verflechtung seit Jahren in unseren Inhalten ab. Der Kurs wird mehrheitlich in Deutsch geführt, einzelne Module und Elemente finden in Englisch statt; die Kursorte sind Brunnen, London und Genf.

Welches Potenzial möchte sich SKU noch erschliessen?

Estapé: Viele Unternehmen widmen sich den Experten zu wenig, die nach einem jahrelangen Auslandsaufenthalt in die Schweiz zurückkehren. Ich schlage den Verantwortlichen jeweils vor, diese Mitarbeiter ein Jahr vor der Entsendung in den SKU zu schicken, damit sie einerseits für die in der Regel strategische Aufgabe im Ausland gewappnet sind, anderseits aber auch ein Netzwerk haben, das wirklich greifbar ist, wenn sie zurück sind. Bei diesem Thema rennen wir offene Türen ein. Und da sind natürlich die Frauen, denen viel zu oft noch das Netzwerk fehlt. Wir haben festgestellt, dass sich Frauen mit einem SKU-Abschluss danach ähnlich gut wie Männer in einem gemischtgeschlechtlichen Netzwerk positionieren können.