Noch immer sitzen die Frauen den – eigentlich verhassten – Klischees auf, wenn sie die Aussichten auf eine VR-Wahl beurteilen müssen. Nur gerade 7% der über 600 befragten Wirtschaftsvertreterinnen geben einer Frau gute Karten, in den VR eines Grosskonzerns mit über 10 Mrd Fr. Jahresumsatz gewählt zu werden. Die meisten, nämlich 44%, orten die besten Aussichten auf ein VR-Mandat bei KMU. Dies belegt eine breit angelegte Studie der «Handelszeitung», die in Zusammenarbeit mit der Vereinigung Wirtschaftsfrauen Schweiz erstellt wurde.

Die Gründe für die nach wie vor geringe Präsenz der Frauen in Verwaltungsräten sehen die Befragten im zu schwachen Beziehungsnetzwerk und in der hohen Doppelbelastung, verursacht durch Familie und Beruf. Als dritten Faktor nannten 43% der Befragten die Tatsache, dass VR-Gremien eine Männerdomäne seien.

Um sich als VR-Mitglied profilieren zu können, ist Branchenkompetenz gefragt, glaubt die Mehrheit der befragten Wirtschaftsvertreterinnen.

Dem widerspricht Multi-VR Gertrud Höhler, die unter anderem Mandate bei Ciba, Bâloise und Georg Fischer hält: «Entscheidend ist, wie man seine Argumente vorbringt.» Unvorteilhaft sei Unsicherheit. «Denn unsichere Frauen verunsichern die Männer, und das mögen diese überhaupt nicht.»

Zu schwache Seilschaften

Immerhin: Frauen erobern laufend neue Sitze in den Verwaltungsräten führender Schweizer Grosskonzerne.

Jüngstes Beispiel: Die UBS. Im Strategiegremium der Grossbank soll an der ausserordentlichen Generalversammlung vom 2. Oktober 2008 unter anderem auch BP-Managerin Sally Bott Einsitz nehmen. Damit werden zwei der zwölf UBS-VR-Sitze von Frauen besetzt. Bemerkenswert: Die VR-Suche lief unter der Leitung der bisher einzigen UBS-Verwaltungsrätin Gabrielle Kaufmann-Kohler.

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Dass Frauen eigene Seilschaften, sprich: Beziehungsnetzwerke, bilden müssen, ist eine der zentralen Forderungen engagierter Wirtschaftsvertreter und -vertreterinnen. Verwaltungsrätin Höhler fordert: «Wir selber müssen die Männer überzeugen, dass wir geeignet sind.» Männern einen Vorwurf zu machen, bringe nichts.