Etienne Abelin ist unter anderem Mitglied des Lucerne Festival Orchestra und Stimmführer der zweiten Violinen im Orchestra Mozart Bologna, die beide von Claudio Abbado geleitet werden. Vermutlich zählt der Basler Geiger in der Schweiz zu einer handverlesenen Künstlerelite, die einen MBA-Titel erworben hat.

Jedenfalls war der Mann, dessen leicht nach hinten geschobener Hut sein Markenzeichen ist, Vertreter einer Minderheit im Kreise der Studenten des EMBA in General Management der Universität St. Gallen. Ein Exot. Trotzdem war er nicht ganz alleine: Da gab es noch den Pfarrer und den Radiojournalisten - aber auch ganz normale Juristen, Betriebswissenschaftler oder Banker. Abelin erzählt, dass er gleich am ersten Tag Klassenpräsident wurde und die Aufgabe hatte, sich vorzustellen: «Das Erste, was im EMBA 35 geschah, war Musik, ein kurzes Geigenstück, eine Solo-Sonate von Telemann. Und das letzte Stück durfte ich an der Diplomfeier und beim Abendessen danach spielen.»

An seine Grenzen gestossen

Der heute 38-jährige Musiker fand eines Tages, dass er zwar bereits eigene Projekte realisiert hatte, also auch produziert und damit den ersten Schritt in Richtung Entrepreneur, Kultur-Entrepreneur getan hatte - so mit seiner ersten grossen Produktion am Lucerne Festival 2007 «A clear View of Heaven». Doch stand er zwischen zwei Welten; einerseits als Ausübender, anderseits als Fabrikant. Da war er als Autodidakt an seine Grenzen gestossen, was die kulturmanageriellen Aspekte betraf. Dazu gab es zwar ausgezeichnete Studiengänge an etlichen Universitäten, aber er entschloss sich für die HSG. «Mich reizte die Herausforderung, noch einen Schritt weiter aus der Welt meiner Branche zu gehen und von dort aus den Spagat zu wagen», sagt Etienne Abelin. Den Assessment-Prozess fand er dann faszinierend und herausfordernd.

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In 18 Monaten hat er viel gelernt: Erfahrungen, wo die eigenen Stärken liegen und die eigenen Werte stehen. Sich Fragen stellen über die Legitimation von Kunst und Kultur in einer Welt, in der vorwiegend ökonomisch gedacht wird, der Austausch mit seinen Kollegen bei Gruppenarbeiten, wo Abelin seine Art und sein Know-how einbringen konnte und woraus Freundschaften wuchsen.

Ein Orchester wie Ökonomie

Es gab Aha-Erlebnisse, als er realisierte, wie sehr auch die eigene kulturelle Welt von BWL- und VWL-Perspektiven sowie -Tools lernen kann. Es kamen Überlegungen zum Orchester als ein wirtschaftliches Modell, das mit begrenzten Ressourcen umgeht, beispielsweise der Lautstärke. Man lernte sich langsam immer besser kennen, auch bei gemeinsamen Anlässen, und die Gruppe wuchs so immer mehr zusammen.

«Viele Führungsmodelle, die in St. Gallen besprochen wurden, kannte ich bereits aus der Orchesterarbeit», sagt Abelin: Führungsstil, Vision, Charisma oder Inspiration. Bei guten Dirigenten genügten unmissverständliche Hinweise, manchmal sei es nur ein Wimpernschlag, um die Lautstärke zu halbieren. Und natürlich reizt es ihn, seine Erfahrungen als Musiker in St. Gallen irgendwann einmal auch Führungspersonen in Seminaren zu vermitteln.