STEFAN LINDER. Derzeit herrscht ein Wildwuchs an Förderpreisen und Plattformen zum Thema Innovation. Warum soll es ausgerechnet Ihnen gelingen, die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen?

Stefan Linder:

Mit dem Swiss Economic Forum verfügen wir über ein grosses Netzwerk und über viel Erfahrung. Innovationen sind die treibende Kraft in einer Volkswirtschaft und spielen auf den globalen Märkten die entscheidende Rolle. Die Unternehmen müssen in immer kürzeren Zyklen neue, intelligente Produkte und Dienstleistungen auf den Markt bringen. Am Swiss Innovation Forum vernetzen wir die Akteure aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Bildung.

Dafür braucht es doch kein Swiss Innovation Forum. Die Schweiz erscheint in den internationalen Innovationsranglisten regelmässig auf den vordersten Rängen.

Linder: Die Schweiz ist ein äusserst innovatives Land, das sich rasch auf neue Marktchancen einstellen kann. Damit wir den erreichten hohen Wohlstand für die nächsten Generationen aufrechterhalten können, müssen wir diese Stärken laufend ausbauen und agil bleiben. Mit dem Swiss Innovation Forum wollen wir die zukunftsgerichteten und vorwärtsorientierten Köpfe der Schweiz und die verschiedenen Disziplinen auf einer Plattform zusammenbringen.

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Ist in ihren Augen ist die Schweiz also zu wenig innovativ.

Linder: Nein, überhaupt nicht. Sie erreicht sogar weltweit den besten Wert in den Bereichen geistiges Eigentum und private Investitionen in Innovationen. Im vergangenen Jahr investierten die privaten Firmen weit über 9 Mrd Fr. in Forschung und Entwicklung. Punkto Innovationseffizienz sind wir sogar absolute Spitzenreiter.

Wo liegen die Schwächen?

Linder: Der steigende Druck, neue Produkte schneller auf den Markt zu bringen, um im globalen Wettbewerb zu bestehen, stellt Unternehmen zusehends vor Ressourcenengpässe. Technologietransfer zwischen mehreren Firmen oder zwischen Unternehmen sowie Hoch- und Fachhochschulen entwickeln sich immer mehr zu wichtigen Erfolgsfaktoren. Hier orte ich noch Defizite in der Schweiz.

Warum?

Linder: Weil wir noch nicht so geübt sind, enge Kooperationen einzugehen und diese erfolgreich zu managen. Zudem haben wir Handlungsbedarf bei den öffentlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung. Als Land ohne natürliche Rohstoffe sind Wissen und Bildung der entscheidende Faktor. Hier müssen wir zulegen, damit wir dem Tempo der globalen Märkte folgen können.

Wie könnte der Wissens- und Technologietransfer Ihrer Meinung nach verbessert werden?

Linder: Aus meiner Sicht fehlt namentlich den kleinen und mittleren Unternehmen ein klarer Zugang zu Wissensträgern wie Hochschulen, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen. Obschon viele Hochschulen bereits über eine Technologietransferstelle verfügen, ist es für Unternehmerinnen und Unternehmer äusserst schwierig, einen Überblick zu erhalten, wer in der Schweiz über Expertenwissen und Kompetenzen verfügt.

Was schlagen Sie vor?

Linder: Ich bin der Überzeugung, dass eine nationale Technologie- und Wissenstransferstelle über sämtliche Institutionen hinweg einen grossen Mehrwert darstellen würde. Insbesondere KMU finden oftmals nicht den richtigen Zugang oder den richtigen Ansprechpartner für ihre Anliegen. Zudem getrauen sich viele Unternehmer nicht, mit einer Universität oder der ETH in Kontakt zu treten.

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Müsste die Politik aktiver werden?

Linder: Die Politik kann einzig die Rahmenbedingungen schaffen oder allenfalls den Zugang zu den Wissensträgern erleichtern. In der Schweiz gibt es keine direkte staatliche Förderung angewandter Forschung und Entwicklung in Unternehmen, aber der Bund unterstützt über die KTI, die Förderagentur für Innovation, die Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Wirtschaft. Dies finde ich eine sehr gute und sinnvolle Massnahme.

Viele Jungunternehmer beklagen sich darüber, dass ihnen das Startkapital fehlt. Eine berechtigte Klage?

Linder: Ein Sprichwort besagt, dass sich eine gute Idee immer finanzieren lässt. Das ist jedoch härteste Knochenarbeit. Wir haben in der Schweiz diesbezüglich keine Instrumente. Banken sind nicht die richtigen Partner für Seed-Money-Finanzierungen, und ein Jungunternehmen will sich auch nicht einfach in die Arme von Venture-Capital-Gebern werfen. Zu Beginn bleibt den Jungunternehmen praktisch keine andere Wahl, als das Geld über die 3-F-Formel zu bekommen.

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Was verbirgt sich dahinter?

Linder: Familie, Freunde und Fools, also Verrückte.

Müsste das Startkapital nicht etwas grosszügiger fliessen? Was erwarten Sie von den Geldgebern?

Linder: Eine offene, transparente und faire Behandlung von Start-up-Unternehmen. Aufgrund grosser Erfahrung und eines umfassenden Netzwerks sind Geldgeber in der Lage, ein junges Unternehmen zu unterstützen, auch wenn in der Startphase eine Finanzierung vom Geldgeber abgelehnt wird.

Innovation ist stets auch mit Risiko verbunden. Ist die Schweiz genügend risikofreudig?

Linder: Jeder unternehmerisch denkende Mensch weiss, dass eine grosse Chance auch immer mit einem Risiko verbunden ist. Insbesondere Unternehmerinnen und Unternehmer sind bereit, Risiken einzugehen und zu tragen. Wir müssen in der Schweiz alles daransetzen, dass wir viele junge Menschen nachziehen und fördern können, die bereit sind, Neues zu wagen. Wir brauchen einen guten und gesunden Unternehmernachwuchs in der Schweiz.

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Wo steht das Swiss Innovation Forum in zehn Jahren?

Linder: Wir verfolgen ehrgeizige Ziele und setzen all unsere Erfahrungen dafür ein, dass wir mit dem Swiss Innovation Forum die führende Plattform für Innovation und Kreativität der Schweiz etablieren können. Es würde uns sehr freuen, wenn wir dafür nicht zehn Jahre benötigen würden.

Worin sehen Sie Ihre Chance?

Linder: Wir wollen einen Beitrag zur Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes leisten. Die Welt wird immer schneller und komplexer – wir nehmen diese Herausforderung gerne an.

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1991–1995

1995–1999

Seit 1999

Swiss Economic Forum

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