Sie gehören zu den ausgabefreudigsten Touristen in der Schweiz. Die Besucher aus Brasilien lassen hierzulande täglich 270 Franken liegen. Teurer gestalten ihre hiesigen Ferientage nur wenige andere Gästegruppen, etwa die Chinesen, Russen oder Araber. Kommt dazu, dass sich die Schweiz für Reisende aus dem bevölkerungsreichsten Land Südamerikas zum Trendziel entwickelt. Von Januar bis November 2010 wurden fast 160 000 Logiernächte von Brasilianern gezählt, eine Steigerung von 18 Prozent gegen über der Vorjahresperiode. Am beliebtesten sind Städte wie Zürich, Genf, Basel, Lausanne oder Luzern.

Für Jürg Schmid, Direktor von Schweiz Tourismus (ST), ist diese Entwicklung Grund genug, sich künftig noch intensiver mit Brasilien zu beschäftigen. ST definiert das Land neu als strategischen Wachstumsmarkt und stockt die Marketingmittel vor Ort auf. «In den nächsten Jahren ist für die Expansion ein Budget von gesamthaft 2 Millionen Franken vorgesehen», sagt er. Mit dem Geld soll Anfang 2012 eine eigene Niederlassung in der Wirtschaftsmetropole São Paolo mit drei Mitarbeitenden eröffnet werden. Agieren will ST vor Ort mit dem ganzen Marketingmix. Dazu gehören Instrumente der elektronischen Werbung, der Medienarbeit sowie eine intensive Betreuung der lokalen Reiseveranstalter.

Den brasilianischen Gästen soll vermehrt das Schweizer Berg- und Naturerlebnis schmackhaft gemacht werden. «Bei uns erleben die Besucher den totalen Kontrast zu Copacabana und Amazonas», erklärt Schmid. Die Städte werden als Ausgangspunkte für abwechslungsreiche Touren zu den alpinen Sehenswürdigkeiten beworben. Die wichtigsten Monate für Schweiz-Ferien brasilianischer Gäste sind Januar, Juli, September sowie Oktober.

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Bei Schweiz Tourismus ist man zuversichtlich, dass sich die Bemühungen bezahlt machen werden. Für die Jahre 2011 bis 2014 rechnet Jürg Schmid defensiv mit einem weiteren Gästewachstum aus Brasilien um 30 bis 40 Prozent. Darüber freut sich auch die Schweizer Hotellerie, denn gut zwei Drittel der brasilianischen Gäste logieren in Vier- oder Fünfsternehäusern.