Das Schweizerische Zivilgesetzbuch postuliert in Artikel 84 nur, dass «das Stiftungsvermögen seinen Zwecken gemäss verwendet wird». Wie es anzulegen ist, bestimmt es nicht. In der Praxis dienen deshalb Gerichtsurteile, Bestimmungen zur Verwaltung von Vorsorgegeldern und Standesregeln als Orientierungshilfe.

Auch für gemeinnützige Stiftungen gilt das Fünfeck der sorgfältigen Vermögensverwaltung: Rendite, Liquidität, Kapitalerhalt, Risikoverteilung und Sicherheit. Stiftungsvermögen sind so anzulegen, dass ein angemessener Ertrag anfällt, um laufende und neue Projekte jederzeit finanzieren zu können, ohne das Kapital in seiner Substanz anzutasten. Als Mittel dienen Diversifikation und Risikokontrolle. Empfehlung 16 des Swiss Foundation Code sagt dazu: «Förderpolitik und Anlagepolitik sind aufeinander abzustimmen.»

Der zu Recht erhobene Anspruch, dass Stiftungen ihrem Zweck angemessen nachleben sollen, und die ebenfalls legitime Forderung des Kapitalerhalts bilden einen Zielkonflikt. Lösbar ist er nur, wenn das Vermögen zumindest teilweise risikobehaftete Anlagen, typischerweise Aktien, enthält. Nur sie gewährleisten langfristig einen hinreichend hohen Ertrag, um nicht nur den nominellen, sondern den realen Kapitalerhalt zu sichern.

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Nachhaltigkeit hilft

Dabei gilt die Faustregel: So wenig Risiko wie möglich, so viel wie nötig. Den entsprechenden Rahmen dafür setzt zum einen die Risikofähigkeit der Stiftung, wie sie sich aus ihren Zahlungsverpflichtungen ergibt, und zum andern die Risikobereitschaft des Stiftungsrates: Wie viel Risiko will er eingehen, um höhere Erträge zu erzielen? Der Einbezug von Nachhaltigkeitskriterien in der Anlagestrategie erleichtert die Beantwortung dieser Frage.

Nachhaltigkeit bedeutet, nicht nur wirtschaftliche, sondern auch soziale und ökologische Kriterien sowie Governance-Aspekte zu berücksichtigen. Diese Anliegen decken sich mit den idealistischen Förderzielen von Stiftungen und gleichzeitig auch mit den Geboten ökonomischer Vernunft: Als Anlagethemen erschliesst die Nachhaltigkeit neue Opportunitäten wie zum Beispiel die erneuerbaren Energien und innovative Technologien, die zu deren Produktion notwendig sind.

Alle Risiken kontrollieren

Nach Nachhaltigkeitsüberlegungen geführte Unternehmen und Körperschaften haben die Risiken, denen sie unterliegen, in der Regel besser im Griff. Sie verfolgen beständige Geschäftsmodelle und Strategien, weil sie nebst finanziellen Risiken immer auch die weitergehenden Auswirkungen ihres Handelns im Auge haben - so etwa die Reputation. Genau diesem Risiko unterliegen auch die Stiftungen selbst: Anfang 2007 deckte die «Los Angeles Times» auf, dass die Bill & Melinda Gates-Stiftung 8,7 Milliarden Dollar in Anlagen investiert hatte, die den Stiftungszweck direkt unterlaufen. Trotz darauf folgenden Änderungen in der Anlagepolitik geriet die Stiftung im Herbst 2010 erneut in die Kritik, weil sie ihren Bestand in Monsanto, einem der grössten Hersteller von genetisch verändertem Saatgut, erhöhte.

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Mit der Ausrichtung auf Nachhaltigkeit lassen sich die Anlagestrategie und die Förderziele von Stiftungen optimal aufeinander abstimmen, ohne auf Renditepotenzial verzichten zu müssen oder zu hohe und vermeidbare Risiken eingehen zu müssen. Das setzt allerdings voraus, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitskriterien in den Anlageprozess einfliesst. Mithin sind nicht nur Kenntnisse in der Finanzmarkttheorie, sondern auch in der Nachhaltigkeitsanalyse erforderlich. Die Erteilung eines Vermögensverwaltungsmandates bei einem spezialisierten Vermögensverwalter ist hier die zweckmässigste Lösung. Damit vermeidet der Stiftungsrat potenzielle Interessenkonflikte und kann sich auf seine Kernkompetenz, die Fördertätigkeit, konzentrieren.