Das Mythenquai in Zürich gilt quasi als Paradeplatz unter den Schweizer Versicherungen. Neben Swiss Life, Zurich Financial Services und Swiss Re reiht sich auch die XL Capital Group in die Assekuranzallee ein.

Die auf Geschäftskunden fokussierte Versicherung hat zwar keine Schweizer Wurzeln. «Um in Europa erfolgreich zu sein, braucht es zwingend eine Präsenz in Zürich», sagt Mike McGavick, CEO der XL Capital Group, gegenüber der «Handelszeitung». So seien in Zürich alle weltweit wichtigen Versicherungskonzerne vertreten.

Kurz vor dem Aus

Zürich dient dem Unternehmen als Hauptsitz für Kontinentaleuropa und Asien. «Das Europageschäft generiert rund 40% des gesamten Geschäftsertrages. Umso wichtiger ist es für uns, uns verstärkt auf diesen Markt zu konzentrieren», sagt der CEO.

Der in den Bermudas lebende Mike McGavick hält erst seit Mai 2008 das Ruder in der Hand und steuert die XL Capital Group wortwörtlich durch stürmische Gewässer. Aufgrund der Finanzkrise und der Unsicherheit nach der in Schieflage geratenen US-Versicherung AIG sank der Aktienkurs zwischen Anfang und Ende 2008 um über 90%. Immer wieder wurden Gerüchte entfacht, dass das Unternehmen auf eine Kapitalerhöhung angewiesen sei, was der Versicherer allerdings jeweils dementierte. Dennoch galt es, die bisherige Unternehmensstrategie umzudenken und die Firma wieder fit zu trimmen. «Aus irgendwelchen Gründen habe ich mir in der Branche den Ruf geschaffen, ein Turn-arounder zu sein», lacht der neue CEO. Nicht vergebens: Bereits beim US-Versicherer Safeco Corporation wurde McGavick damals aufgeboten, die Firma wieder auf Kurs zu bringen - mit Erfolg.

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«Den Tiefpunkt haben wir jetzt hinter uns. Wir haben umstrukturiert und sind jetzt wieder gestärkt, um neue Herausforderungen anzunehmen», sagt der CEO. Das Unternehmen zählt heute weltweit 3500 Mitarbeiter an rund 25 Standorten in 100 Ländern. Rund 60% der im Swiss Market Index (SMI) gelisteten Unternehmen sind unter anderem in irgendeiner Form bei XL Capital Group versichert.

Bei der Reorganisation will sich das Unternehmen weiterhin lediglich auf Unternehmenskunden konzentrieren. Besteht dabei kein Klumpenrisiko? «Im Gegenteil. Wir bieten verschiedene Versicherungslösungen in den Sach- und Haftversicherungen sowie Berufs- und Organhaftpflichtversicherungen und Sonderdeckungen an. Damit ist eine hohe Diversität sichergestellt», sagt McGavick. Zudem sei sein Unternehmen auch noch im Rückversicherungsgeschäft tätig.

«Eine unserer wichtigsten Stärken ist aber ganz klar, dass dank unserer Grösse der Kunde den CEO noch direkt kennen lernt», sagt McGavick. So konnte er sich erst kürzlich über einen neuen Versicherungsabschluss freuen, wobei sich die Kunden besonders darüber erfreut zeigten, dass sie bei den Verhandlungen direkt mit dem CEO sprechen konnten.


NACHGEFRAGT
Mike McGavick, CEO XL Capital Group
«Haben Geld für Akquisitionen»

Einer Ihrer Hauptmärkte sind auch die USA. Wie läuft das Geschäft?

Mike McGavick: Im US-Versicherungsmarkt liegen die Prämien in den meisten Linien zu tief. Entsprechend sind auch die Kunden sehr preissensitiv. Ich glaube aber, dass die Prämien noch im nächsten Jahr steigen werden. Der Grund liegt unter anderem in den schwindenden Reserven.

Welche Ziele verfolgen Sie im US-Markt?

McGavick: Wir wollen ganz klar wachsen. Ich gehe davon aus, dass wir noch in diesem Jahr einen höheren Marktanteil ausweisen können.

Wollen Sie auch in anderen Märkten wachsen?

Gavick: Ganz klar. Wir haben genügend Geld für Akquisitionen, aber wir sind auf organisches Wachstum fokussiert. Grosses Wachstumspotenzial liegt definitiv in Asien. Derzeit sind wir daran, einen neuen Standort in China aufzubauen. Aber auch im Segment Mittelstand sehen wir grosses Wachstumspoten- zial.

Weshalb?

McGavick: Viele mittelständische Firmen werden immer grösser und breiten sich auch ins Ausland aus. Damit muss auch der Versicherungsschutz wieder angepasst werden.